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Stramm, August

· August Stramm: Abend · August Stramm: Wiedersehen · August Stramm: Abendgang · August Stramm: Begegnung (Gedicht) · August Stramm: Mondschein (Gedicht) · August Stramm: Schwermut (Gedicht) · August Stramm: Schön (Gedicht) · August Stramm: Spiel (Gedicht) · August Stramm: Fluch (Gedicht) · August Stramm: Siede (Gedicht) · August Stramm: Tanz (Gedicht) · August Stramm: Erfüllung (Gedicht)

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August Stramm: Abend

 

Abend

Zähnen
Plantschet streif das Blut des Himmels
Denken schicksalt
Tode zattern und verklatschen
Sterne dünsten
Scheine schwimmen
Wolken greifen fetz das Haar
Und
Weinen
Mein
Zergehn
Dir
In
Den
Schoß.

August Stramm
(1874-1915)
Abend

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August Stramm: Wiedersehen

 

Wiedersehen

Dein Schreiten bebt
In Schauen stirbt der Blick
Der Wind
Spielt
Blasse Bänder.
Du
Wendest
Fort!
Den Raum umwirbt die Zeit!

August Stramm
(1874-1915)
Wiedersehen

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August Stramm: Abendgang

 

Abendgang

Durch schmiege Nacht
Schweigt unser Schritt dahin
Die Hände bangen blaß um krampfes Grauen
Der Schein sticht scharf in Schatten unser Haupt
In Schatten
Uns!
Hoch flimmt der Stern
Die Pappel hängt herauf
Und
Hebt die Erde nach
Die schlafe Erde armt den nackten Himmel
Du schaust und schauerst
Deine Lippen dünsten
Der Himmel küßt
Und
Uns gebärt der Kuß!

August Stramm
(1874-1915)
Abendgang

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August Stramm: Begegnung (Gedicht)

 

Begegnung

Dein Gehen lächelt in mich über
Und
Reißt das Herz.
Das Nicken hakt und spannt.
Im Schatten deines Rocks
Verhaspelt
Schlingern
Schleudert
Klatscht!
Du wiegst und wiegst.
Mein Greifen haschet blind.
Die Sonne lacht!
Und
Blödes Zagen lahmet fort
Beraubt beraubt!

August Stramm
(1874-1915)
Begegnung, 1914

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August Stramm: Mondschein (Gedicht)

 

Mondschein

Bleich und müde
Schmieg und weich
Kater duften
Blüten graunen
Wasser schlecken
Winde schluchzen
Schein entblößt die zitzen Brüste
Fühlen stöhnt in meine Hand.

August Stramm
(1874-1915)
Mondschein, 1914

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August Stramm: Schwermut (Gedicht)

 

Schwermut

Schreiten Streben
Leben sehnt
Schauern Stehen
Blicke suchen
Sterben wächst
Das Kommen
Schreit!
Tief
Stummen
Wir.

August Stramm
(1874-1915)
Schwermut, 1914

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August Stramm: Schön (Gedicht)

 

Schön

Wissen Tören
Wahr und Trügen
Mord Gebären
Sterben Sein
Weinen Jubeln
Haß Vergehen
Stark und Schwach
Unmöglich
Kann!
Dein Körper flammt!
Die Welt
Erlischt!

August Stramm
(1874-1915)
Schön, 1914

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August Stramm: Spiel (Gedicht)

 

Spiel

Deine Finger perlen
Und
Kollern Stoßen Necken Schmeicheln
Quälen Sinnen Schläfern Beben
Wogen um mich.
Die Kette reißt!
Dein Körper wächst empor!
Durch Lampenschimmer sinken deine Augen
Und schlurfen mich
Und
Schlürfen schlürfen
Dämmern
Brausen!
Die Wände tauchen!
Raum!
Nur
Du!

August Stramm
(1874-1915)
Spiel, 1914

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August Stramm: Fluch (Gedicht)

Fluch

Du sträubst und wehrst!
Die Brände heulen
Flammen
Sengen!
Nicht Ich
Nicht Du
Nicht Dich!
Mich!
Mich!

August Stramm
(1874-1915)
Fluch, 1914

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August Stramm: Siede (Gedicht)

 

Siede

Meine Schwäche hält sich mühsam
An den eigenen Händen
Mit meinen Kräften
Spielen deine Knöchel
Fangeball!
In deinem Schreiten knistert
Hin
Mein Denken
Und
Dir im Auggrund
Stirbt
Mein letztes Will!
Dein Hauch zerweht mich
Schreivoll in Verlangen
Kühl
Kränzt dein Tändeln
In das Haar
Sich
Lächelnd
Meine Qual!

August Stramm
(1874-1915)
Siede, 1914

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August Stramm: Tanz (Gedicht)

 

Tanz

Milchweiche Schultern!
Augen flirren, flackern!
Blond und schwarz und sonnengolden
Taumeln Haare, wirren, krampfen,
Schlingen Brücken,
Brücken!
Hin
Und rüber
Taumeln, Kitzel,
Bäumen, saugen,
Saugen, züngeln
Schürfen
Blut
Schweres, lustgesträubtes
Blut!

In die Wunden
Hüpfen Töne,
Sielen, bohren,
Wühlen, quirlen,
Fallen kichernd,
Schwellen auf und fressen sich,
Gatten, gatten, schwängern sich,
Bären Schauer
Wahnengroß!

Hilflos surren um die Lichter
Mutterängste
Nach den Kindern,
Die sich winden,
Winden, huschen
Vor den Tritten,
Die sie packen,
Ihre glasen, sichten Leiber
Schinden, scharren,
Pressen, schleudern,
Tückisch abgemessne Lüste
Jagen unter Brunstgestöne,
Brunstgeächze
Und
Gekrächze!

Durch die Wirrnis
Durch die Flirrnis
Blitzt Verstummen!
Jäh zerflattern
Drängen gellend
An die Decke
Sich die Töne,
Klammern, krallen
Scheu verwimmernd
Am Gebälk!
Glotzen nieder,
Wo mit Wuchten
Schlorrt das Keuchen,
Schlappet
Ringsum an den Wänden
Seinen ungefügen Leib,
Unzahlmäulig
zuckt und schnauft!

An die angstzerglühten Herzen
Reißen flammend hoch die Lichter
Ihre hetzverstörten Kinder,
Die in Irren, Wirren
Zitternd
Ob der ungewohnten Ruhe
Ab sich tasten
Und sich streicheln
Gegenseitig
Hell von Staunen,
Daß sie leben noch,
Sie leben!
Zagig finden sie das Lächeln,
Fluten leise, fluten, fluten,
Reichen summend sich die Hände,
werden warm
Und
Schwingen Reigen!

Da
In Peitschlust, Streitdurst, Quälsucht
Vollgesogen
Vom Gebälke
Stiebt das Gellen!
Schrillt unbändig,
Ueberschlägt sich,
Purzelt, flattert,
Springt und stöbert,
Federt, pumpelt auf
Das Untier,
Das
Mit tausend Füßen aufschrickt,
Trippelt, trappelt,
Trappelt, grappelt,
Gell gedrängelt
Von den Tönen,
Die zerrasseln,
Niederprasseln,
Peitschen, schlagen, fiebern, kosen
Und im Wirbel
Wringen, wiegen
Schwelles,
Blaßhellrotes Fleisch!

Milchweiche Schultern!
Augen . . .

August Stramm
(1874-1915)
Tanz, 1914

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August Stramm: Erfüllung (Gedicht)

 

Erfüllung

Meine Sporen frechzen deine Spitzen!
Bläulich kichern die Aederchen fort
In Sicherheit höhnisch
Im
Schimmrigen Weich
Bebige Hügel wiegen Verlangen
Köpfchen rosen empor und steilen Gewähr.
Die Lippe zerfrißt sich!
Golden ringeln Würger hinunter
Und schnüren den Hals zu
Nach meinen Fingern tastet dein Blut
Und siedet den Kampf.
Die Seelen ringen und kollern abseit!
Hoch schlagen die Röcke den Blick auf
Goldhellrot
Rotweichrot
Flamme zischt in das Hirn
Und sticht mir das Schaun aus!
Sinken Sinken
Schweben und Sinken
Schwingen im Sturme
Im Sturm
Im schreikrollen Meer!
Ziegelrot
Ueber uns segnet der Tod
Säender Tod!

August Stramm
(1874-1915)
Erfüllung, 1914

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