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William Blake: To Tirzah

 

To Tirzah

Whate’er is born of mortal birth
Must be consumed with the earth,
To rise from generation free:
Then what have I to do with thee?

The sexes sprang from shame and pride,
Blown in the morn, in evening died;
But mercy changed death into sleep;
The sexes rose to work and weep.

Thou, mother of my mortal part,
With cruelty didst mould my heart,
And with false self-deceiving tears
Didst bind my nostrils, eyes, and ears,

Didst close my tongue in senseless clay,
And me to mortal life betray.
The death of Jesus set me free:
Then what have I to do with thee?

William Blake
(1757 – 1827)
To Tirzah

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Wilhelm Hauff: Grabgesang, Gedicht

Grabgesang

Vor des Friedhofs dunkler Pforte
Bleiben Leid und Schmerzen stehn,
Dringen nicht zum heil’gen Orte,
Wo die sel’gen Geister gehn,
Wo nach heißer Tage Glut
Unser Freund in Frieden ruht.

Zu des Himmels Wolkentoren
Schwang die Seele sich hinan,
Fern von Schmerzen, neu geboren,
Geht sie auf — die Sternenbahn;
Auch vor jenen heil’gen Höhn
Bleiben Leid und Schmerzen stehn.

Sehnsucht gießet ihre Zähren
Auf den Hügel, wo er ruht;
Doch ein Hauch aus jenen Sphären
Füllt das Herz mit neuem Mut;
Nicht zur Gruft hinab — hinan,
Aufwärts ging des Freundes Bahn.

Drum auf des Gesanges Schwingen
Steigen wir zu ihm empor,
Unsre Trauertöne dringen
Aufwärts zu der Sel’gen Chor,
Tragen ihm in stille Ruh’
Unsre letzten Grüße zu.

Wilhelm Hauff
(1802 – 1827)
Grabgesang, Gedicht

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Maria Janitschek : Das neue Weib (Novelle)

Maria Janitschek

Das neue Weib

Frau Selma Knolle liebte die Einsamkeit und schwärmte vom völligen Abgeschlossensein von der Welt. Deshalb veranstaltete sie jede Woche einen Empfangsabend, an dem sich über ein halbes Hundert Menschen in ihrem Hause zusammenfanden. Sie betete die Wahrheit an, und ihre Busenfreundin war eine – Spiritistin; sie stellte die höchsten Anforderungen an die Sittenreinheit des Weibes, und ihre Abgötterei galt einer vierzigjährigen Dame, die noch vor Thorschluss das Jungfernkränzchen abgelegt hatte, um die interessanten Umstände kennen zu lernen.

Frau Selma Knolle hatte als Mädchen immer für das Cölibat geschwärmt, deshalb heiratete sie einen athletisch gebauten Mann, der schon von zwei Gattinnen geschieden war. Sie bekam vier Kinder von ihm. Er war ein verteufelt schlauer Bursche, der Doktor. Dem Zug seiner Zeit folgend, hatte er viele Reisen gemacht, sechsmal seinen Beruf gewechselt, sein Vermögen verloren, wieder erworben, abermals verloren, sich durch gute Partien wieder rangiert, aber, zu vielseitig begabt für einen Ehemann, schlechten Erfolg mit seinen Gattinnen gehabt. Zum Schluss war ihm diese grosse, blonde Frau mit dem weichen Fleisch begegnet, die ihm resolut sagte:

»Deine andern Gattinnen verstanden dich nicht, ich aber verstehe dich und bin die Richtige für dich.« Da hatte er zum drittenmal eingewilligt, einer schönen Frau zu einem Irrtum zu verhelfen. In den ersten vier Jahren war sie beständig schwanger und konnte sich seiner nicht so erfreuen, wie sie es gewünscht hätte. Dann musste er – er behauptete es wenigstens – eine Reise um die Welt machen. Als er wiederkehrte, hatte er allerlei Marotten mitgebracht.

Er zog z.B. ihre langen Nachthemden an und setzte sich in diesem Aufzug in ein künstlich verdunkeltes Zimmer, um »nachzudenken«. Er behauptete, dann erhabene Gesichte zu haben, die er nach seinem Tod aufzeichnen wollte. Manchmal verschmähte er sogar ihre Nachthemden und sie fand ihn als Adam verkleidet. Schliesslich fing sie an, an seinem Verstand zu zweifeln und eilte, einen Nervenarzt zu holen. Der blieb sehr lange bei Knolle, und als er dessen Zimmer verliess, machte er ein sehr vergnügliches Gesicht, drückte ihr beruhigend die Hand, erkundigte sich teilnahmsvoll nach ihrem Gesundheitszustand und verschrieb ihr Pillen. Sie verstand das alles sich zwar nicht zusammenzureimen, doch war sie zufrieden, dass ihrem Bibibi, wie sie den Athleten nannte, nichts Ernsthaftes fehle. Sie überlegte, zu welchem Beruf sie ihm raten sollte.

Und da sie im Grunde doch an seinem gesunden Verstand zweifelte, kaufte sie ihm eine Zeitung, deren Leitung er zugleich übernehmen sollte.

Sie kalkulierte ganz richtig, dass es für einen Mann von seiner Begabung keine passendere Beschäftigung geben konnte. Bibibi, der Bibibi, der drei strenge Jungfrauen zum Altar geführt hatte – nicht alle seine Jungfrauen hatte er zum Altar geführt! -, kehrte glücklich das Unterste seiner Überzeugungen nach oben. Er nahm nur Ehebruchsromane für seine Zeitung an und lehnte kaltblütig alle andern litterarischen Anerbieten ab. Der Ehebruch musste natürlich in einer verdeckten Schüssel und mit Gewürz aus den Beeten der Romantik serviert sein. Ferner nahm er nur von Damen Arbeiten an. Diese Damen durften indes nicht das vierundzwanzigste Jahr überschritten haben, um noch »ihre ganze Frische« dem Publikum bieten zu können. Zum Schluss pflegte er mit jeder Verfasserin, von der er eine Arbeit acceptierte, die letzten Abmachungen in einem Hotel zu treffen, »weil er da ungestörter sei, als in den unruhigen Redaktionsräumen.«

Sein Lesekomitee, d.h. die jede eingelaufene Arbeit Prüfenden, bestand aus ihm geistig verwandten Weibern in Männerröcken. Daneben hatte er unter andern Kritikern besonders zwei engagiert, die einer gewissen Berühmtheit genossen. Der eine machte alles nieder, was er las, der andere war ein Genie; der machte sogar das nieder, was er nicht gelesen hatte.

Und der Verleger gedieh und die Mitarbeiter gediehen und die Zeitung gedieh. Bibibi machte einen Ableger von ihr und gründete eine kleine illustrierte Zeitschrift. Das Genie schimpfte diese neue Zeitschrift in Grund und Boden nieder, so dass Bibibi sofort eine zweite, die besser sein sollte, erscheinen liess. Die Schimpferei war natürlich nur ein Trick gewesen, um zwei neuen Zeitschriften zum Dasein zu verhelfen. Bibibi war eben ein grosser Schlaukopf und wusste genau, wie man das Zeug anfasste. Frau Selma schwamm in Wonne. Sie erkannte jetzt, dass ihres Mannes anscheinende Verrücktheit nur Schlauheit war. Sowie er sich auf den richtigen Platz gestellt sah, waren alle in ihm schlummernden Fähigkeiten erwacht.

Er schmeichelte der verkappten Lüsternheit des Publikums und gab ihr fette Bissen, aber nur von der langen Sauce scheinheiliger Frömmelei begossen. Ohne diese nie, denn er war sehr für die Moral seiner Leser besorgt. Man sündigte hier nur in verdunkelten Ecken. Die Sonne durfte es nicht sehen. Nackt zu gehen war verboten, die Röckchen zu lüpfen erlaubt. Wo sich in einem Roman eine Gestalt fand, die gegen Anfechtungen kämpfte, wurde der Roman zurückgewiesen. Anständige, d.h. kluge Leute haben keine Anfechtungen, entschied der Chefredakteur; denn wenn sie solche haben, kommt es nicht an den Tag. Wird aber ein Mensch mit Anfechtungen geschildert, so muss er gleich als niederträchtiger Kerl hingestellt werden. Frau Selma und das Publikum glaubten an die strenge Moral des grossen Bibibi. Nur eins konnte Selma nicht recht verstehen: diese Kontraktabschlüsse im Hotel.

Einmal brachte sie es durch Schlauheit und Thürenhorcherei dahin, in Erfahrung zu bringen, wann er seine nächsten Abmachungen mit einem neuen litterarischen Stern im Hotel haben würde. Eine Stunde vorher fuhr sie dicht verschleiert, eine Handtasche tragend, dahin und liess sich die Stube neben dem vereinbarten Zimmer geben. Nach einer geraumen Zeit hörte sie endlich die beiden eintreten. Sie vernahm Bibibis Stimme und eine schüchterne zweite, die der Frau A.B., einer jung verheirateten Dame, angehörte.

Selma legte hochaufhorchend das Ohr an die Thür. Zuerst hörte sie nur ein vergnügliches Grunzen, wie Bibibi von sich gab, wenn er glücklich küsste. Dann kamen wohlbekannte Laute, so wie sie zu Anfang ihrer Ehe ihr selbst entflohen waren, wenn Bibibi gar zu stürmisch zu seinem Recht gelangen wollte. Dann verriet das Knarren einer indiskreten Bettstatt allerlei, was Selma besser verborgen geblieben wäre. Dann folgte die feierliche Stille nach dem Sturm.

Selma hatte sich behutsam auf den Boden niedergelassen, denn das Stehen wurde ihr unbequem. Später hörte sie eine pipsende Stimme jammern: »O Gott, mein armer Mann, mein armer Mann! Was wird er bloss sagen, wenn das Essen um Eins nicht fertig ist; o ich muss nach Hause!« …

Man hörte allerlei rauschen, dann Wassergeriesel, dann flüsterte Bibibi: »Lass mich zuerst hinab, Kindchen, ich mache alles beim Portier ab, ich habe fürchterliche Eile. Die Fahnen müssen um 12 Uhr nach der Druckerei und jetzt ist’s dreiviertel auf Zwölf. Den Kontrakt erhältst du morgen. Der Roman erscheint in sechs Wochen, wir bringen dein Vollbild und du bekommst dreitausend Mark Honorar für den Erstabdruck. Hab vielen Dank, mein Herz. Das nächste Mal machen wir’s mit mehr Musse. Adieu!«

Frau Selma erhob sich von ihrem Lauscherposten. War das ein Rückfall in seine Verrücktheit gewesen? Gewiss, nur das konnte es sein! Sie sah ihn grübelnd, forschend beim Mittagessen an und gab ihm drei Abende hindurch keinen[204] Gutenachtkuss. Aber sie horchte von nun an viel an der Thür, die in das Redaktionszimmer führte, in dem er allein arbeitete.

Sie brachte allerlei in Erfahrung. Wie Schriftstellerinnen oft zu ihrem Ruhm kamen. Wie andere abgewiesen wurden, weil sie bei gewissen Zumutungen hochmütig aufgefahren waren. Weshalb die Belletristik das fast ausschliesslich vom Weibe beherrschte Gebiet geworden war. Wie dem Publikum eine Geschmacksrichtung aufgedrängt wurde, die nur von der jeweiligen Appetitsverschiedenheit des Chefredakteurs abhing. Wie die Guillotine der Kritik ohne Hirn und Vernunft arbeitete. Wie immer weniger ernsthafte Männer auf dem schöngeistigen Arbeitsfeld mitkämpfen wollten …

Sie verwunderte sich über manches, aber sie war zu sehr Weib, um ihre persönliche Sache nicht als Hauptsache zu empfinden. Sie horchte weiter und sie vernahm noch verschiedene »Vereinbarungen«. Nur um ihr schlecht wiedergegebenes Bild in eine Tageszeitung zu lancieren, ergaben sich manche dieser jungen Frauen den Launen Bibibis.

Nein, Bibibi, kein Verrückter bist du, eine menschliche Bestie bist du, schluchzte die arme Frau Selma im Nebenzimmer. Aber warte, ich will mich an dir rächen, dass du wirklich verrückt werden sollst. Vor allem dafür, dass du mich in Bezug auf deine eheliche Treue irre geführt hast. Oder hast du mich überhaupt nie an sie glauben machen wollen und – ich selbst habe mich im Glauben an sie bestärkt? Dann sollst du es doppelt büssen, denn was man selbst Dummes begeht, daran ist immer der andere schuld … Und Selma, bis zum Rand mit Wut und Erbitterung gefüllt, vergass ihren Stolz, stellte sich mit anderm weiblichen Federvieh auf eine Stufe und schrieb ein Buch. Sie nannte es: »Das seid Ihr!« Schon das erste Wort, mit dem wir empfangen werden, begann sie, ist ein geringschätziges. Nur ein Mädchen! Oder heisst es in den meisten Fällen nicht so, wenn die sage femme uns in die Arme des Vaters legt? Dann später werden wir von unsern uns an Kraft überlegenen Brüdern gefoppt, übervorteilt, misshandelt. Die öden Jahre der Bleichsucht beginnen. Unlustig, von einem Gefühl der Dumpfheit und Schwere gequält, schleppen wir uns dahin, bis ein Tag uns das mit mancherlei körperlichen Leiden erkaufte Siegel aufdrückt, dass wir nun zum Gebären reif sind. Haben wir Geld und ein hübsches Gesicht, so ist bald der Freier da, der um uns wirbt. Nach einer unnatürlich verlebten Verlobungszeit, in der wir unser erwachendes Temperament verleugnen und Komödie spielen müssen, werden wir endlich zum Traualtar geführt. Die heimlich tausendmal ersehnte Hochzeitsnacht ist da. Anstatt der werbenden Zärtlichkeit des Geliebten zu begegnen, werden wir von einem keuchenden, brünstigen Gewalthaber genotzüchtigt, der vom Priester und unsern Eltern das Recht dazu empfangen hat. Nach Schmerzen und Demütigungen mancherlei Art werden wir endlich schwanger. Fast ein Jahr widriger Verunstaltung, widriger Krankheitszustände, dann kommt die Stunde, wo unserer Schamhaftigkeit der letzte Schleier entrissen wird. Nackt wie ein Tier, in Bewusstlosigkeit versetzt, oder im Krampf verzerrt, ruhen wir hilflos vor den Augen eines fremden Mannes, des Arztes, der oft noch Kollegen an der Seite hat. Man wühlt in unserm Körper, verspritzt unser Blut und legt sorgsam Verbände und Salben zurück fürs »nächste« Mal. Noch kaum von unsern Wunden geheilt, findet uns die neu aufflammende Gier des Mannes, zu der sich vielleicht noch der Kitzel der Grausamkeit gesellt. Nach elf Monaten machen wir die Schlachtscene aufs neue durch. Und so weiter. Eines Tages aber harren wir vergebens der Liebkosungen unseres Gatten. Er ist unserer satt geworden. Die Liebeskunststücke, die er uns gelehrt hat, besitzen keinen Reiz mehr für ihn. Nun geht er zu andern Frauen, um neue einzuüben. Aber die können wir nicht mehr erlernen, denn unser Körper, von ihm gebrochen und zerstört, hat keine Kraft mehr in seinen Muskeln. Wir sind schlaff geworden. Wenn er ehrlich ist, sagt er uns die Wahrheit mit offenem Visier; wenn er feig ist, betrügt er uns hinter unserm Rücken …

Und nun begann die feurige Anklage gegen den einen. Das ganze Buch war so persönlich gehalten, dass jeder sofort wusste, Bibibi sei hier in die Hände einer Überlegnen geraten, die ihn durchschaute. Die Frauen alle, die geknechteten, geopferten, misshandelten, umringten ihre mutige Schwester, das neue Weib, die erste, die es gewagt hatte, ihren Tyrannen offen an den Pranger zu stellen. Sie drückten ihr die Hände, wenn sie sie auf der Strasse trafen, sie schrieben ihr danküberströmende Briefe.

Sie war mit einem Male die Heldin der unterdrückteren Hälfte der Menschheit geworden. Man war aufs höchste darauf gespannt, wie sie nun ihre edlen revolutionären Ideen in Thaten umsetzen würde; denn nach diesem unerhörten Buch musste sie mit einem verächtlichen Fahrwohl von ihm, dem Knechter ihrer Individualität und Frauenwürde, scheiden. Einsame Arbeit in stolzer Unabhängigkeit würde ihr Märtyrerlos worden. Man bereitete sich vor, ihre Apotheose zu erleben.

Bibibi machte ein langes und immer längeres Gesicht. Alle Wetter! War er trotz aller Vorsichtsmassregeln doch noch zu unvorsichtig gewesen? Hatte sie Verdacht geschöpft? Hatte ihn eine seiner Freundinnen verraten? Ihm, dem Verfechter der öffentlichen Moral, war die Sache höchst unangenehm. Hauptsächlich jedoch deshalb, weil er sich als – unschlau erwiesen hatte. Wer wollte nicht lieber für einen Schurken als für einen dummen Kerl gelten? Nun, er hatte jetzt festen Boden unter seinen Füssen, mochte sie ihn schliesslich verlassen. Er liess doppelt empörte Tiraden gegen alle los, die einen Schritt vom Wege der breiten, fetten Moral thaten. Ja, er begann sich gegen das Weib zu wenden, dem die heiligsten Bande nicht zu ehrwürdig wären, um mit ihnen sein Spiel zu treiben. Er hing nicht so sehr an Selma, um eine Trennung von ihr als zu schweren Schicksalsschlag zu empfinden, aber den Skandal hasste er.

Seit sie wusste, dass er ihr Buch gelesen hatte, und das ungeheure Aufsehen ermass, das es erregte, ging sie ihm scheu aus dem Wege. Sie kannte seine herkulischen Kräfte, dazu seine Gereiztheit; wer weiss, was geschah. Auch ihre Bekannten dachten ähnlich und sahen sie schon als Opfer ihres Mutes, als Märtyrerin ihrer Ideen. Man erwartete bang die letzte Katastrophe.

Es gab Journalistinnen, die schon einen Nekrolog für sie im Pult bereit liegen hatten.

Da kam das, was die Wenigsten vorausgesetzt hatten …

Eines Abends, als sie von einem Gang heimkam, trat ihr Bibibi in den Weg.

»Magst du einen Augenblick bei mir eintreten?« fragte er mit eisiger Höflichkeit. Sie folgte ihm und blieb mit schlotternden Knieen an der Thür stehen. Er schritt gleichmütig auf und nieder.

»Ich habe also den Scheidungsprozess eingeleitet,« log er, »denn nach deinem persönlichen Angriff auf mich durfte ich unmöglich anders handeln. Ich ersuche dich nun, die Kinder so schonend wie möglich auf die Sache vorzubereiten. Das Gericht wird entscheiden, ob sie vater- oder mutterlos ihr junges Leben weiterführen sollen. Was mich betrifft, ich bin ein Mann der Arbeit, der Thätigkeit, mein Beruf wird mich über mein -,« er stockte, »über mein unverdientes Schicksal erheben. Und wenn -,« er stockte wieder, »wenn ich es nicht ertragen sollte, dann –«

In diesem Augenblick nahm die alte Eva, die alte Eva, die niemals auch aus dem »neuesten« Weibe auszutreiben ist, wieder Besitz von Frau Selma. Sie sank auf die Kniee und ergriff die Hände ihres Gatten.

»Bibibi, kannst du mir das Buch verzeihen?«

Er verstand sofort die Situation, die er als Menschenkenner vorausgeahnt hatte, und richtete sich auf.

»Nein!«

»Bibibi, bedenke, welche Qualen du mir verursacht hast; ich war toll geworden, ich sehe es jetzt ein, aber – verraten hast du mich doch, das kannst du nicht leugnen, denn ich war Zeugin.«

»Horcherin!« Er stiess sie verächtlich von sich und that einige Schritte.

Sie rutschte ihm auf den Knieen nach.

»Bibibi, schlage mich, aber verstosse mich nicht; ich liebe dich, auch wenn du mich mit Füssen trittst, mir andere vorziehst; lass mich nur neben dir sein, die letzte, die allerletzte, nur neben dir! Dir habe ich meine Kinder geboren, meine Jugend hingegeben, ich kann ja nicht von dir fort, verzeih mir …!«

Und Bibibi blickte auf sie herab. Das war also das neue Weib. Was war nun eigentlich das neue an ihm? War es mehr als seine gesteigerte – Redseligkeit, die sich in anklagenden Romanen, stürmischen Versammlungen, kampflustigen Vorträgen offenbarte? Er furchte die Stirne und hiess grossmütig Selma aufstehen …

Bei sich aber beschloss er, noch gründlichere Frauenstudien zu treiben …

Maria Janitschek: Die neue Eva, Leipzig 1902, S. 191-219.

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Maria Janitschek: Ein modernes Weib (Gedicht)

Ein modernes Weib

Ein Mann beleidigte ein Weib. Es war
Von jenen schnöden Thaten eine, die
Kein Weib vergessen und vergeben kann.
Geraume Zeit verstrich. Da eines Abends
Ward an die Thür des Frevlers laut gepocht.
Er rief: “Herein”, und sah voll tiefen Staunens,
In Trauerkleidern eine Frau vor sich.

Sie schlug den Schleier bald zurück. Er blickte
In ihre großen stolzerstarrten Augen,
In diese großen schmerzversengten Augen …
Er lächelte verlegen, denn ein Schauer
Erfaßte ihn … Er bot ihr höflich Platz,
Sie aber dankte, und mit ruhiger Stimme
Sprach sie zu ihm: “Du hast mich schwer beleidigt,
Es war nur Gott dabei … vor diesem Gott,
Vor dir, und mir allein, will ich den Flecken
Den Makel meiner Ehre, zugefügt
Von deiner Hand, verlöschen.
Höre nun!

Um dies zu thun, bleibt mir ein Mittel nur:
Ich kann nicht gehn, um einem fremden Menschen
Das was ich selbst mir kaum zu sagen wage,
Zu offenbaren. Für mich herrscht kein Richter,
Er wär′ denn blind und taub und stumm, deshalb
(Ein Schildern des Vergangenen glich′ aufs Haar
Der neuen That, hieß′ selber mich entehren),
Deshalb gibt′s eins nur: hier sind Waffen, wähle!”
Sie stellte auf den Tisch ein Kästchen hin
Und öffnete den Deckel. – –
Lange standen

Die beiden Menschen stumm. Er sah sie an,
Sie hielt das glänzend große Aug′ gerichtet
Fest auf die Waffen.
Plötzlich brach er aus
In lautes Lachen. Da durchglühte feurig
Ein tiefes Rot die farbenlosen Wangen
Der jungen Frau. Wie, wenn die ganze Antwort
Dies Lachen wär′? Sie hätte schreien mögen

Vor Wut und Elend. Aber sie bezwang sich,
Und sagte mild: “Wenn dir ein Unvorsichtiger
Zufällig auf den Fuß getreten wäre,
Du würdest ohne lange Ueberlegung
Ihm deine Karte in das Antlitz schleudern,
Nichts Lächerliches fändest du dabei.
Nun denk′: nicht auf den Fuß trat mir ein Mensch,
Mein Herz trat er in Stücke, meine Ehre!
Verlang′ ich mehr, als du verlangen würdest
Für einen unvorsichtigen Schritt, sag′ selbst,
Ist das nicht billig?”

Lächelnd sah er ih
Ins zornerglühte Antlitz. “Liebes Kind,
Du scheinst es zu vergessen, daß ein Weib
Sich nimmer schlagen kann mit einem Manne.
Entweder geh zum Richter, liebes Kind,
Gesteh ihm alles, gerne unterwerfe
Ich seinem Urteil mich. Nicht? Nun dann bleibt
Dir nur das eine noch: vergesse, was du
Beleidigung und Schmach nennst. Siehst du, Liebe,
Das Weib ist da zum Dulden und Vergeben …”
Jetzt lachte sie.

“Entweder Selbstentehrung
Wenn nicht, ein ruhiges Tragen seiner Schmach,
Und das, das ist die Antwort, die ein Mann
In unserer hellen Zeit zu geben wagt
Der Frau, die er beleidigt.”
“Eine andere
Wär′ gegen den Brauch.”
“So wisse, daß das Weib
Gewachsen ist im neunzehnten Jahrhundert,”
Sprach sie mit großem Aug′, und schoß ihn nieder.

Maria Janitschek
(1859 – 1927)
Gedicht
Ein modernes Weib

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Natalie Portman’s Fables by Natalie Portman (Author) & Janna Mattia (Illustrator)

Academy Award-winning actress, director, producer, and activist Natalie Portman retells three classic fables and imbues them with wit and wisdom.

From realizing that there is no “right” way to live to respecting our planet and learning what really makes someone a winner, the messages at the heart of Natalie Portman’s Fables are modern takes on timeless life lessons.

Told with a playful, kid-friendly voice and perfectly paired with Janna Mattia’s charming artwork, Portman’s insightful retellings of The Tortoise and the Hare, The Three Little Pigs, and Country Mouse and City Mouse are ideal for reading aloud and are sure to become beloved additions to family libraries.

Natalie Portman is an Academy Award-winning actress, director, producer, and activist whose credits include Leon: The Professional, Cold Mountain, Closer, V for Vendetta, the Star Wars franchise prequels, A Tale of Love and Darkness, Jackie, and Thor: Love and Thunder. Born in Jerusalem, Israel, she is a graduate of Harvard University, and now lives with her family in Los Angeles. Natalie Portman’s Fables is her debut picture book.

Janna Mattia was born and raised in San Diego. She received a degree in Illustration for Entertainment from Laguna College of Art and Design, and now works on concept and character art for film, illustration for licensing, and private commissions. Natalie Portman’s Fables is her picture book debut.

Natalie Portman’s Fables
Natalie Portman (Author)
Janna Mattia (Illustrator)
Age Range: 4 – 6 years
Hardcover: 64 pages
Publisher: Feiwel & Friends (October 20, 2020)
Language: English
ISBN-10: 1250246865
ISBN-13: 978-1250246868
$17.99

# new books
Natalie Portman’s Fables

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Ludwig Bechstein: Gevatter Tod (Märchen)

Gevatter Tod

Es lebte einmal ein sehr armer Mann, hieß Klaus, dem hatte Gott eine Fülle Reichtum beschert, der ihm große Sorge machte, nämlich zwölf Kinder, und über ein kleines so kam noch ein Kleines, das war das dreizehnte Kind. Da wußte der arme Mann seiner Sorge keinen Rat, wo er doch einen Paten hernehmen sollte, denn seine ganze Sipp- und Magschaft hatte ihm schon Kinder aus der Taufe gehoben, und er durfte nicht hoffen, noch unter seinen Freunden eine mitleidige Seele zu finden, die ihm sein jüngstgebornes Kindlein hebe. Gedachte also an den ersten besten wildfremden Menschen sich zu wenden, zumal manche seiner Bekannten ihn in ähnlichen Fällen schon mit vieler Hartherzigkeit abschläglich beschieden hatten.

Der arme Kindesvater ging also auf die Landstraße hinaus, willens, dem ersten ihm Begegnenden die Patenstelle seines Kindleins anzutragen. Und siehe, ihm begegnete bald ein gar freundlicher Mann, stattlichen Aussehens, wohlgestaltet, nicht alt nicht jung, mild und gütig von Angesicht, und da kam es dem Armen vor, als neigten sich vor jenem Manne die Bäume und Blümlein und alle Gras- und Getreidehalme. Da dünkte dem Klaus, das müsse der liebe Gott sein, nahm seine schlechte Mütze ab, faltete die Hände und betete ein Vater Unser. Und es war auch der liebe Gott, der wußte, was Klaus wollte, ehe er noch bat, und sprach: »Du suchst einen Paten für dein Kindlein! Wohlan, ich will es dir heben, ich, der liebe Gott!«

»Du bist allzugütig, lieber Gott!« antwortete Klaus verzagt. »Aber ich danke dir; du gibst denen, welche haben, einem Güter, dem andern Kinder, so fehlt es oft beiden am Besten, und der Reiche schwelgt, der Arme hungert!« Auf diese Rede wandte sich der Herr und ward nicht mehr gesehen. Klaus ging weiter, und wie er eine Strecke gegangen war, kam ein Kerl auf ihn zu, der sah nicht nur aus, wie der Teufel, sondern war’s auch, und fragte Klaus, wen er suche? – Er suche einen Paten für sein Kindlein. – »Ei da nimm mich, ich mach es reich!« – »Wer bist du!« fragte Klaus. »Ich bin der Teufel« – »Das wär der Teufel!« rief Klaus, und maß den Mann vom Horn bis zum Pferdefuß. Dann sagte er: »Mit Verlaub, geh heim zu dir und zu deiner Großmutter; dich mag ich nicht zum Gevatter, du bist der Allerböseste! Gott sei bei uns!«

Da drehte sich der Teufel herum, zeigte dem Klaus eine abscheuliche Fratze, füllte die Luft mit Schwefelgestank und fuhr von dannen. Hierauf begegnete dem Kindesvater abermals ein Mann, der war spindeldürr, wie eine Hopfenstange, so dürr, daß er klapperte; der fragte auch: »Wen suchst du?« und bot sich zum Paten des Kindes an. »Wer bist du?« fragte Klaus. »Ich bin der Tod!« sprach jener mit ganz heiserer Summe. – Da war der Klaus zum Tod erschrocken, doch faßte er sich Mut, dachte: bei dem wär mein dreizehntes Söhnlein am besten aufgehoben, und sprach: »du bist der Rechte! Arm oder reich, du machst es gleich. Topp! Du sollst mein Gevattersmann sein! Stell dich nur ein zu rechter Zeit, am Sonntag soll die Taufe sein.«

Und am Sonntag kam richtig der Tod, und ward ein ordentlicher Dot, das ist Taufpat des Kleinen, und der Junge wuchs und gedieh ganz fröhlich. Als er nun zu den Jahren gekommen war, wo der Mensch etwas erlernen muß, daß er künftighin sein Brot erwerbe, kam zu der Zeit der Pate und hieß ihn mit sich gehen in einen finsteren Wald. Da standen allerlei Kräuter, und der Tod sprach: »Jetzt, mein Pat, sollt du dein Patengeschenk von mir empfahen. Du sollt ein Doktor über alle Doktoren werden durch das rechte wahre Heilkraut, das ich dir jetzt in die Hand gebe. Doch merke, was ich dir sage. Wenn man dich zu einem Kranken beruft, so wirst du meine Gestalt jedesmal erblicken.

Stehe ich zu Häupten des Kranken, so darfst du versichern, daß du ihn gesund machen wollest, und ihn von dem Kraute eingeben; wenn er aber Erde kauen muß, so stehe ich zu des Kranken Füßen; dann sage nur: Hier kann kein Arzt der Welt helfen und auch ich nicht. Und brauche ja nicht das Heilkraut gegen meinen mächtigen Willen, so würde es dir übel ergehen!«

Damit ging der Tod von hinnen und der junge Mensch auf die Wanderung und es dauerte gar nicht lange, so ging der Ruf vor ihm her und der Ruhm, dieser sei der größte Arzt auf Erden, denn er sahe es gleich den Kranken an, ob sie leben oder sterben würden. Und so war es auch. Wenn dieser Arzt den Tod zu des Kranken Füßen erblickte, so seufzte er, und sprach ein Gebet für die Seele des Abscheidenden; erblickte er aber des Todes Gestalt zu Häupten, so gab er ihm einige Tropfen, die er aus dem Heilkraut preßte, und die Kranken genasen. Da mehrte sich sein Ruhm von Tage zu Tage.

Nun geschah es, daß der Wunderarzt in ein Land kam, dessen König schwer erkrankt darnieder lag, und die Hofärzte gaben keine Hoffnung mehr seines Aufkommens. Weil aber die Könige am wenigsten gern sterben, so hoffte der alte König noch ein Wunder zu erleben, nämlich daß der Wunderdoktor ihn gesund mache, ließ diesen berufen und versprach ihm den höchsten Lohn. Der König hatte aber eine Tochter, die war so schön und so gut, wie ein Engel.

Als der Arzt in das Gemach des Königs kam, sah er zwei Gestalten an dessen Lager stehen, zu Häupten die schöne weinende Königstochter, und zu Füßen den kalten Tod. Und die Königstochter flehte ihn so rührend an, den geliebten Vater zu retten, aber die Gestalt des finstern Paten wich und wankte nicht. Da sann der Doktor auf eine List. Er ließ von raschen Dienern das Bette des Königs schnell umdrehen, und gab ihm geschwind einen Tropfen vom Heilkraut, also daß der Tod betrogen war, und der König gerettet. Der Tod wich erzürnt von hinnen, erhob aber drohend den langen knöchernen Zeigefinger gegen seinen Paten.

Dieser war in Liebe entbrannt gegen die reizende Königstochter, und sie schenkte ihm ihr Herz aus inniger Dankbarkeit. Aber bald darauf erkrankte sie schwer und heftig, und der König, der sie über alles liebte, ließ bekannt machen, welcher Arzt sie gesund mache, der solle ihr Gemahl und hernach König werden. Da flammte eine hohe Hoffnung durch des Jünglings Herz, und er eilte zu der Kranken – aber zu ihren Füßen stand der Tod. Vergebens warf der Arzt seinem Paten flehende Blicke zu, daß er seine Stelle verändern und ein wenig weiter hinauf, wo möglich bis zu Häupten der Kranken treten möge. Der Tod wich nicht von der Stelle, und die Kranke schien im Verscheiden, doch sah sie den Jüngling um ihr Leben flehend an. Da übte des Todes Pate noch einmal seine List, ließ das Lager der Königstochter schnell umdrehen, und gab ihr geschwind einige Tropfen vom Heilkraut, so daß sie wieder auflebte, und den Geliebten dankbar anlächelte. Aber der Tod warf seinen tödlichen Haß auf den Jüngling, faßte ihn an mit eiserner eiskalter Hand und führte ihn von dannen, in eine weite unterirdische Höhle. In der Höhle da brannten viele tausend Kerzen, große und halbgroße und kleine und ganz kleine; viele verloschen und andere entzündeten sich, und der Tod sprach zu seinem Paten: »Siehe, hier brennt eines jeden Menschen Lebenslicht; die großen sind den Kindern, die halbgroßen sind den Leuten, die in den besten Jahren stehen, die kleinen den Alten und Greisen, aber auch Kinder und Junge haben oft nur ein kleines bald verlöschendes Lebenslicht.«

»Zeige mir doch das meine!« bat der Arzt den Tod, da zeigte dieser auf ein ganz kleines Stümpchen, das bald zu erlöschen drohte. »Ach liebster Pate!« bat der Jüngling: »wolle mir es doch erneuen, damit ich meine schöne Braut, die Königstochter, freien, ihr Gemahl und König werden kann!« – »Das geht nicht« – versetzte kalt der Tod. »Erst muß eins ganz ausbrennen, ehe ein neues auf- und angesteckt wird.« –

»So setze doch gleich das alte auf ein neues!« sprach der Arzt – und der Tod sprach: »Ich will so tun!« Nahm ein langes Licht, tat als wollte er es aufstecken, versah es aber absichtlich und stieß das kleine um, daß es erlosch. In demselben Augenblick sank der Arzt um und war tot.

Ludwig Bechstein
(1801 – 1860)
Gevatter Tod
Sämtliche Märchen

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William Blake: The Little Vagabond

 

The Little Vagabond

Dear mother, dear mother, the Church is cold;
But the Alehouse is healthy, and pleasant, and warm.
Besides, I can tell where I am used well;
The poor parsons with wind like a blown bladder swell.

But, if at the Church they would give us some ale,
And a pleasant fire our souls to regale,
We’d sing and we’d pray all the livelong day,
Nor ever once wish from the Church to stray.

Then the Parson might preach, and drink, and sing,
And we’d be as happy as birds in the spring;
And modest Dame Lurch, who is always at church,
Would not have bandy children, nor fasting, nor birch.

And God, like a father, rejoicing to see
His children as pleasant and happy as he,
Would have no more quarrel with the Devil or the barrel,
But kiss him, and give him both drink and apparel.

William Blake
(1757 – 1827)
The Little Vagabond

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William Blake: The Grey Monk

 

The Grey Monk

“I die, I die!” the Mother said,
“My children die for lack of bread.
What more has the merciless Tyrant said?”
The Monk sat down on the stony bed.

The blood red ran from the Grey Monk’s side,
His hands and feet were wounded wide,
His body bent, his arms and knees
Like to the roots of ancient trees.

His eye was dry; no tear could flow:
A hollow groan first spoke his woe.
He trembled and shudder’d upon the bed;
At length with a feeble cry he said:

“When God commanded this hand to write
In the studious hours of deep midnight,
He told me the writing I wrote should prove
The bane of all that on Earth I lov’d.

My Brother starv’d between two walls,
His Children’s cry my soul appalls;
I mock’d at the rack and griding chain,
My bent body mocks their torturing pain.

Thy father drew his sword in the North,
With his thousands strong he marched forth;
Thy Brother has arm’d himself in steel
To avenge the wrongs thy Children feel.

But vain the Sword and vain the Bow,
They never can work War’s overthrow.
The Hermit’s prayer and the Widow’s tear
Alone can free the World from fear.

For a Tear is an intellectual thing,
And a Sigh is the sword of an Angel King,
And the bitter groan of the Martyr’s woe
Is an arrow from the Almighty’s bow.

The hand of Vengeance found the bed
To which the Purple Tyrant fled;
The iron hand crush’d the Tyrant’s head
And became a Tyrant in his stead.”

William Blake
(1757 – 1827)
The Grey Monk

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Wilhelm Hauff: Der Kranke, Gedicht

 

Der Kranke

Zitternd auf der Berge Säume
Fällt der Sonne letzter Strahl,
Eingewiegt in düstre Träume
Blickt der Kranke in das Tal,
Sieht der Wolken schnelles Jagen
Durch das trübe Dämmerlicht —
Ach, des Busens stille Klagen
Tragen ihn zur Heimat nicht!
Und mit glänzendem Gefieder
Zog die Schwalbe durch die Luft,
Nach der Heimat zog sie wieder,
Wo ein milder Himmel ruft;
Und er hört ihr fröhlich Singen,
Sehnsucht füllt des Armen Blick,
Ach, er sah sie auf sich schwingen,
Und sein Kummer bleibt zurück.
Schöner Fluß mit blauem Spiegel,
Hörst du seine Klagen nicht?
Sag’ es seiner Heimat Hügel,
Daß des Kranken Busen bricht.
Aber kalt rauscht er vom Strande
Und entrollt ins stille Tal,
Schweiget in der Heimat Lande
Von des Kranken stiller Qual.
Und der Arme stützt die Hände
An das müde, trübe Haupt;
Eins ist noch, wohin sich wende
Der, dem aller Trost geraubt;
Schlägt das blaue Auge wieder
Mutig auf zum Horizont,
Immer stieg ja Trost hernieder
Dorther, wo die Liebe wohnt.
Und es netzt die blassen Wangen
Heil’ger Sehnsucht stiller Quell,
Und es schweigt das Erdverlangen,
Und das Auge wird ihm hell:
Nach der ew’gen Heimat Lande
Strebt sein Sehnen kühn hinauf,
Sehnsucht sprengt der Erde Bande,
Psyche schwingt zum Licht sich auf.

Wilhelm Hauff
(1802 – 1827)
Der Kranke, Gedicht

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Independent Bookstore Day: saturday august 29, 2020

 

 

  Independent Bookstore Day
  saturday august 29, 2020

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