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Grimm, Andersen e.o.: Fables, Fairy Tales & Stories

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Ludwig Bechstein: Das Märchen vom Ritter Blaubart

Das Märchen vom Ritter Blaubart

Es war einmal ein gewaltiger Rittersmann, der hatte viel Geld und Gut, und lebte auf seinem Schlosse herrlich und in Freuden. Er hatte einen blauen Bart, davon man ihn nur Ritter Blaubart nannte, obschon er eigentlich anders hieß, aber sein wahrer Name ist verloren gegangen.

Dieser Ritter hatte sich schon mehr als einmal verheiratet, allein man hätte gehört, daß alle seine Frauen schnell nacheinander gestorben seien, ohne daß man eigentlich ihre Krankheit erfahren hatte. Nun ging Ritter Blaubart abermals auf Freiersfüßen, und da war eine Edeldame in seiner Nachbarschaft, die hatte zwei schöne Töchter und einige ritterliche Söhne, und diese Geschwister liebten einander sehr zärtlich. Als nun Ritter Blaubart die eine dieser Töchter heiraten wollte, hatte keine von beiden rechte Lust, denn sie fürchteten sich vor des Ritters blauem Bart, und mochten sich auch nicht gern voneinander trennen. Aber der Ritter lud die Mutter, die Töchter und die Brüder samt und sonders auf sein großes schönes Schloß zu Gaste, und verschaffte ihnen dort so viel angenehmen Zeitvertreib und so viel Vergnügen durch Jagden, Tafeln, Tänze, Spiele und sonstige Freudenfeste, daß sich endlich die jüngste der Schwestern ein Herz faßte, und sich entschloß, Ritter Blaubarts Frau zu werden. Bald darauf wurde auch die Hochzeit mit vieler Pracht gefeiert.

Nach einer Zeit sagte der Ritter Blaubart zu seiner jungen Frau: »Ich muß verreisen, und übergebe dir die Obhut über das ganze Schloß, Haus und Hof, mit allem, was dazu gehört. Hier sind auch die Schlüssel zu allen Zimmern und Gemächern, in alle diese kannst du zu jeder Zeit eintreten. Aber dieser kleine goldne Schlüssel schließt das hinterste Kabinett am Ende der großen Zimmerreihe. In dieses, meine Teure, muß ich dir verbieten zu gehen, so lieb dir meine Liebe und dein Leben ist. Würdest du dieses Kabinett öffnen, so erwartet dich die schrecklichste Strafe der Neugier. Ich müßte dir dann mit eigner Hand das Haupt vom Rumpfe trennen!« – Die Frau wollte auf diese Rede den kleinen goldnen Schlüssel nicht annehmen, indes mußte sie dies tun, um ihn sicher aufzubewahren, und so schied sie von ihrem Mann mit dem Versprechen, daß es ihr nie einfallen werde, jenes Kabinett aufzuschließen und es zu betreten.

Als der Ritter fort war, erhielt die junge Frau Besuch von ihrer Schwester und ihren Brüdern, die gerne auf die Jagd gingen; und nun wurden mit Lust alle Tage die Herrlichkeiten in den vielen vielen Zimmern des Schlosses durchmustert, und so kamen die Schwestern auch endlich an das Kabinett. Die Frau wollte, obschon sie selbst große Neugierde trug, durchaus nicht öffnen, aber die Schwester lachte ob ihrer Bedenklichkeit, und meinte, daß Ritter Blaubart darin doch nur aus Eigensinn das Kostbarste und Wertvollste von seinen Schätzen verborgen halte. Und so wurde der Schlüssel mit einigem Zagen in das Schloß gesteckt, und da flog auch gleich mit dumpfem Geräusch die Türe auf, und in dem sparsam erhellten Zimmer zeigten sich – ein entsetzlicher Anblick! – die blutigen Häupter aller früheren Frauen Ritter Blaubarts, die ebensowenig, wie die jetzige, dem Drang der Neugier hatten widerstehen können, und die der böse Mann alle mit eigner Hand enthauptet hatte. Vom Tod geschüttelt, wichen jetzt die Frauen und ihre Schwester zurück; vor Schreck war der Frau der Schlüssel entfallen, und als sie ihn aufhob, waren Blutflecke daran, die sich nicht abreiben ließen, und ebensowenig gelang es, die Türe wieder zuzumachen, denn das Schloß war bezaubert, und indem verkündeten Hörner die Ankunft Berittner vor dem Tore der Burg. Die Frau atmete auf und glaubte, es seien ihre Brüder, die sie von der Jagd zurück erwartete, aber es war Ritter Blaubart selbst, der nichts Eiligeres zu tun hatte, als nach seiner Frau zu fragen, und als diese ihm bleich, zitternd und bestürzt entgegentrat, so fragte er nach dem Schlüssel; sie wollte den Schlüssel holen und er folgte ihr auf dem Fuße, und als er die Flecken am Schlüssel sah, so verwandelten sich alle seine Geberden, und er schrie: »Weib, du mußt nun von meinen Händen sterben! Alle Gewalt habe ich dir gelassen! Alles war dein! Reich und schön war dein Leben! Und so gering war deine Liebe zu mir, du schlechte Magd, daß du meine einzige geringe Bitte, meinen ernsten Befehl nicht beachtet hast? Bereite dich zum Tode! Es ist aus mit dir!«

Voll Entsetzen und Todesangst eilte die Frau zu ihrer Schwester, und bat sie, geschwind auf die Turmzinne zu steigen und nach ihren Brüdern zu spähen, und diesen, sobald sie sie erblicke, ein Notzeichen zu geben, während sie sich auf den Boden warf, und zu Gott um ihr Leben flehte. Und dazwischen rief sie: »Schwester! Siehst du noch niemand!« – »Niemand!« klang die trostlose Antwort. – »Weib! komm herunter!« schrie Ritter Blaubart, »deine Frist ist aus!«

»Schwester! siehst du niemand?« schrie die Zitternde. »Eine Staubwolke – aber ach, es sind Schafe!« antwortete die Schwester. – »Weib! komm herunter, oder ich hole dich!« schrie Ritter Blaubart.

»Erbarmen! Ich komme ja sogleich! Schwester! siehst du niemand?« – »Zwei Ritter kommen zu Roß daher, sie sahen mein Zeichen, sie reiten wie der Wind.« –

»Weib! Jetzt hole ich dich!« donnerte Blaubarts Stimme, und da kam er die Treppe herauf. Aber die Frau gewann Mut, warf ihre Zimmertüre ins Schloß, und hielt sie fest, und dabei schrie sie samt ihrer Schwester so laut um Hülfe, wie sie beide nur konnten. Indessen eilten die Brüder wie der Blitz herbei, stürmten die Treppe hinauf und kamen eben dazu, wie Ritter Blaubart die Türe sprengte und mit gezücktem Schwert in das Zimmer drang. Ein kurzes Gefecht und Ritter Blaubart lag tot am Boden. Die Frau war erlöst, konnte aber die Folgen ihrer Neugier lange nicht verwinden.

Ludwig Bechstein
(1801 – 1860)
Das Märchen vom Ritter Blaubart
Sämtliche Märchen

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Wilhelm Hauff: An Emilie (Gedicht)

 

An Emilie

Zum Garten ging ich früh hinaus,
Ob ich vielleicht ein Sträußchen finde?
Nach manchem Blümchen schaut’ ich aus,
Ich wollt’s für dich zum Angebinde;
Umsonst hatt’ ich mich hinbemüht,
Vergebens war mein freudig Hoffen;
Das Veilchen war schon abgeblüht,
Von andern Blümchen keines offen.

Und trauernd späht’ ich her und hin,
Da tönte zu mir leise, leise
Ein Flüstern aus der Zweige Grün,
Gesang nach sel’ger Geister Weise;
Und lieblich, wie des Morgens Licht
Des Tales Nebelhüllen scheidet,
Ein Röschen aus der Knospe bricht,
Das seine Blätter schnell verbreitet.

»Du suchst ein Blümchen?« spricht’s zu mir,
»So nimm mich hin mit meinen Zweigen,
Bring mich zum Angebinde ihr!
Ich bin der wahren Freude Zeichen.
Ob auch mein Glanz vergänglich sei,
Es treibt aus ihrem treuen Schoße
Die Erde meine Knospen neu,
Drum unvergänglich ist die Rose.

Und wie mein Leben ewig quillt
Und Knosp’ um Knospe sich erschließet,
Wenn mich die Sonne sanft und mild
Mit ihrem Feuerkuß begrüßet,
So deine Freundin ewig blüht,
Beseelt vom Geiste ihrer Lieben,
Denn ob der Rose Schmelz verglüht —
Der Rose Leben ist geblieben.«

Wilhelm Hauff
(1802 – 1827)
An Emilie, Gedicht

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Ludwig Bechstein: Siebenschön (Märchen)

Siebenschön

Es waren einmal in einem Dorfe ein paar arme Leute, die hatten ein kleines Häuschen und nur eine einzige Tochter, die war wunderschön und gut über alle Maßen. Sie arbeitete, fegte, wusch, spann und nähte für sieben, und war so schön wie sieben zusammen, darum ward sie Siebenschön geheißen. Aber weil sie ob ihrer Schönheit immer von den Leuten angestaunt wurde, schämte sie sich, und nahm sonntags, wenn sie in die Kirche ging – denn Siebenschön war auch frömmer wie sieben andre, und das war ihre größte Schönheit – einen Schleier vor ihr Gesicht.

So sah sie einstens der Königssohn, und hatte seine Freude über ihre edle Gestalt, ihren herrlichen Wuchs, so schlank wie eine junge Tanne, aber es war ihm leid, daß er vor dem Schleier nicht auch ihr Gesicht sah, und fragte seiner Diener einen: »Wie kommt es, daß wir Siebenschöns Gesicht nicht sehen?« – »Das kommt daher« – antwortete der Diener: »weil Siebenschön so sittsam ist.« Darauf sagte der Königssohn: »Ist Siebenschön so sittsam zu ihrer Schönheit, so will ich sie lieben mein lebenlang und will sie heiraten. Gehe du hin und bringe ihr diesen goldnen Ring von mir und sage ihr, ich habe mit ihr zu reden, sie solle abends zu der großen Eiche kommen.« Der Diener tat wie ihm befohlen war, und Siebenschön glaubte, der Königssohn wolle ein Stück Arbeit bei ihr bestellen, ging daher zur großen Eiche und da sagte ihr der Prinz, daß er sie lieb habe um ihrer großen Sittsamkeit und Tugend willen, und sie zur Frau nehmen wolle; Siebenschön aber sagte: »Ich bin ein armes Mädchen und du bist ein reicher Prinz, dein Vater würde sehr böse werden, wenn du mich wolltest zur Frau nehmen.

« Der Prinz drang aber noch mehr in sie, und da sagte sie endlich, sie wolle sich’s bedenken, er solle ihr ein paar Tage Bedenkzeit gönnen. Der Königssohn konnte aber unmöglich ein paar Tage warten, er schickte schon am folgenden Tage Siebenschön ein Paar silberne Schuhe und ließ sie bitten, noch einmal unter die große Eiche zu kommen. Da sie nun kam, so fragte er schon, ob sie sich besonnen habe? sie aber sagte, sie habe noch keine Zeit gehabt sich zu besinnen, es gebe im Haushalt gar viel zu tun, und sie sei ja doch ein armes Mädchen und er ein reicher Prinz, und sein Vater werde sehr böse werden, wenn er, der Prinz, sie zur Frau nehmen wolle. Aber der Prinz bat von neuem und immermehr, bis Siebenschön versprach, sich gewiß zu bedenken und ihren Eltern zu sagen, was der Prinz im Willen habe. Als der folgende Tag kam, da schickte der Königssohn ihr ein Kleid, das war ganz von Goldstoff, und ließ sie abermals zu der Eiche bitten.

Aber als nun Siebenschön dahin kam, und der Prinz wieder fragte, da mußte sie wieder sagen und klagen, daß sie abermals gar zu viel und den ganzen Tag zu tun gehabt, und keine Zeit zum Bedenken, und daß sie mit ihren Eltern von dieser Sache auch noch nicht habe reden können, und wiederholte auch noch einmal, was sie dem Prinzen schon zweimal gesagt hatte, daß sie arm, er aber reich sei, und daß er seinen Vater nur erzürnen werde. Aber der Prinz sagte ihr, das alles habe nichts auf sich, sie solle nur seine Frau werden, so werde sie später auch Königin, und da sie sah, wie aufrichtig der Prinz es mit ihr meinte, so sagte sie endlich ja, und kam nun jeden Abend zu der Eiche und zu dem Königssohne – auch sollte der König noch nichts davon erfahren. Aber da war am Hofe eine alte häßliche Hofmeisterin, die lauerte dem Königssohn auf, kam hinter sein Geheimnis und sagte es dem Könige an. Der König ergrimmte, sandte Diener aus und ließ das Häuschen, worin Siebenschöns Eltern wohnten, in Brand stecken, damit sie darin anbrenne. Sie tat dies aber nicht, sie sprang als sie das Feuer merkte heraus und alsbald in einen leeren Brunnen hinein, ihre Eltern aber, die armen alten Leute verbrannten in dem Häuschen.

Da saß nun Siebenschön drunten im Brunnen und grämte sich und weinte sehr, konnt’s aber zuletzt doch nicht auf die Länge drunten im Brunnen aushalten, krabbelte herauf, fand im Schutt des Häuschens noch etwas Brauchbares, machte es zu Geld und kaufte dafür Mannskleider, ging als ein frischer Bub an des Königs Hof und bot sich zu einem Bedienten an. Der König fragte den jungen Diener nach dem Namen, da erhielt er die Antwort: »Unglück!« und dem König gefiel der junge Diener also wohl, daß er ihn gleich annahm, und auch bald vor allen andern Dienern gut leiden konnte.

Als der Königssohn erfuhr, daß Siebenschöns Häuschen verSiebenschönbrannt war, wurde er sehr traurig, glaubte nicht anders, als Siebenschön sei mit verbrannt, und der König glaubte[180] das auch, und wollte haben, daß sein Sohn nun endlich eine Prinzessin heirate, und mußte dieser nun eines benachbarten Königs Tochter freien. Da mußte auch der ganze Hof und die ganze Dienerschaft mir zur Hochzeit ziehen, und für Unglück war das am traurigsten, es lag ihm wie ein Stein auf dem Herzen. Er ritt auch mit hintennach der Letzte im Zuge, und sang wehklagend mit klarer Stimme:

»Siebenschön war ich genannt,
Unglück ist mir jetzt bekannt.«

Das hörte der Prinz von weitem, und fiel ihm auf und hielt und fragte: »Ei wer singt doch da so schön?« – »Es wird wohl mein Bedienter, der Unglück sein«, antwortete der König, »den ich zum Diener angenommen habe.« Da hörten sie noch einmal den Gesang:

»Siebenschön war ich genannt,
Unglück ist mir jetzt bekannt.«

Da fragte der Prinz noch einmal, ob das wirklich niemand anders sei, als des Königs Diener? und der König sagte er wisse es nicht anders.

Als nun der Zug ganz nahe an das Schloß der neuen Braut kam, erklang noch einmal die schöne klare Stimme:

»Siebenschon war ich genannt,
Unglück ist mir jetzt bekannt.«

Jetzt wartete der Prinz keinen Augenblick länger, er spornte sein Pferd und ritt wie ein Offizier längs des ganzen Zugs in gestrecktem Galopp hin, bis er an Unglück kam, und Siebenschön erkannte. Da nickte er ihr freundlich zu und jagte wieder an die Spitze des Zuges, und zog in das Schloß ein. Da nun alle Gäste und alles Gefolge im großen Saal versammelt war und die Verlobung vor sich gehen sollte, so sagte der Prinz zu seinem künftigen Schwiegervater: »Herr König, ehe ich mit Eurer Prinzessin Tochter mich feierlich verlobe, wollet mir erst ein kleines Rätsel lösen. Ich besitze einen schönen Schrank, dazu verlor ich vor einiger Zeit den Schlüssel, kaufte mir also einen neuen; bald darauf fand ich den alten wieder, jetzt saget mir Herr König, wessen Schlüssel ich mich bedienen soll?« – »Ei natürlich des alten wieder!« antwortete der König, »das Alte soll man in Ehren halten, und es über Neuem nicht hintansetzen.« – »Ganz wohl Herr König«, antwortete nun der Prinz, »so zürnt mir nicht, wenn ich Eure Prinzessin Tochter nicht freien kann, sie ist der neue Schlüssel, und dort steht der alte.« Und nahm Siebenschön an der Hand und führte sie zu seinem Vater, indem er sagte: »Siehe Vater, das ist meine Braut.« Aber der alte König rief ganz erstaunt und erschrocken aus: »Ach lieber Sohn, das ist ja Unglück, mein Diener!« – Und viele Hofleute schrieen: »Herr Gott, das ist ja ein Unglück!« – »Nein!« sagte der Königssohn, »hier ist gar kein Unglück, sondern hier ist Siebenschön, meine liebe Braut.« Und nahm Urlaub von der Versammlung und führte Siebenschön als Herrin und Frau auf sein schönstes Schloß.

Ludwig Bechstein
(1801 – 1860)
Siebenschön
Sämtliche Märchen

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Patricia Bouchenot-Déchin: Charles Perrault

Dans un bel essai biographique, Patricia Bouchenot-Déchin redonne vie à l’auteur de Peau d’âne et du Conte de ma mère l’Oye, en replaçant l’homme au coeur d’un milieu et d’un environnement de relations personnelles.

Il était une fois cinq frères liés comme les doigts d’une main… Le benjamin, Charles, les mène sur le chemin de la gloire. Et pourtant, après avoir été la cheville ouvrière de l’ambitieuse politique artistique de Louis XIV pendant vingt ans, il est brutalement évincé du pouvoir. L’académicien et écrivain polémiste, blessé, néanmoins toujours joueur, riposte et oppose des rêves fastueux à la réalité. Champion des Modernes contre les Anciens, il laisse paraître, au terme d’une vie bien remplie, ses contes – toujours aussi célèbres aujourd’hui – mais étrangement sous le seul nom de son fils.

Dans une biographie pleine d’allant et riche en inédits, Patricia Bouchenot-Déchin révèle un homme complexe et fantasque. Son destin héroïque et tragique, façonné dans le miroir ardent de ses métamorphoses, s’apparente à celui d’un Petit Poucet devenu tour à tour Chat botté, prince charmant et Barbe bleue.

Patricia Bouchenot-Déchin a publié biographies, essais et romans. Ses travaux sur André Le Nôtre et sa biographie parue chez Fayard ont reçu de nombreux prix en Europe et aux États-Unis parmi lesquels, en France, le prix Hugues Capet 2013 et en 2014 le prix d’Académie de l’Académie française.

Charles Perrault
par Patricia Bouchenot-Déchin
2018
Pages: 360
Format: 135 x 215 mm
Collection: Histoire
FAYARD
EAN: 9782213705644
€ 21.90

# new books
Charles Perrault
par Patricia Bouchenot-Déchin

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Ludwig Bechstein: Der Mann ohne Herz (Märchen)

Der Mann ohne Herz

Es sind einmal sieben Brüder gewesen, waren arme Waisen, hatten keine Schwester, mußten alles im Hause selbst tun, das gefiel ihnen nicht, wurden Rates untereinander, sie wollten heiraten. Nun gab es aber da, wo sie wohnten keine Bräute für sie, da sagten die älteren, sie wollten in die Fremde ziehen, sich Bräute suchen und ihr Jüngster sollte das Haus hüten, und dem wollten sie eine recht schöne Braut mitbringen.

Das war der Jüngste gar wohl zufrieden und die sechse machten sich fröhlich und wohlgemut auf den Weg. Unterwegs kamen sie an ein kleines Häuschen, das stand ganz einsam in einem Walde, und vor dem Häuschen stand ein alter alter Mann, der rief die Brüder an und fragte: »Heda! Ihr jungen Gieke in die Welt! Wohin denn so lustig und so geschwind?« – »Ei, wir wollen uns jeder eine hübsche Braut holen, und unsern jüngsten Bruder daheim auch eine!« antworteten die Brüder.

»O liebe Jungen!« sprach da der Alte: »ich lebe hier so mutterseelensternallein, bringt mir doch auch eine Braut mit, aber eine junge hübsche muß es sein!«

Die Brüder gingen von dannen und dachten: Hm, was will so ein alter eisgrauer Hozelmann mit einer jungen hübschen Braut anfangen? –

Da nun die Brüder in eine Stadt gekommen waren, so fanden sie dort sieben Schwestern, so jung und so hübsch als sie sie nur wünschen konnten, die nahmen sie und die jüngste nahmen sie für ihren Bruder mit. Der Weg führte sie wieder durch den Wald, und der Alte stand wieder vor seinem Häuschen, als wartete er auf sie, und sagte: »Ei ihr braven Jungen! Das lob ich, daß ihr mir so eine junge hübsche Braut mitgebracht habt!« – »Nein!« sagten die Brüder, »die ist nicht für dich, die ist für unsern Bruder zu Hause, den haben wir sie versprochen!« –

»So?« sagte der Alte: »versprochen? Ei daß dich! ich will euch auch versprechen!« und nahm ein weißes Stäbchen und murmelte ein paar Zauberworte, und rührte die Brüder und die Bräute mit dem Stäbchen an – bis auf die jüngste – da wurden sie alle in graue Steine verwandelt. Die jüngste aber von den Schwestern führte der Mann in das Haus, und das mußte sie nun beschicken und in Ordnung halten, tat das auch gern, aber sie hatte immer Angst, der Alte könne bald sterben, und dann werde sie in dem einsamen Häuschen im wilden öden Walde auch so mutterseelensternallein sein, wie der Alte zuvor gewesen war. Das sagte sie ihm und er antwortete: »Hab kein Bangen, fürchte nicht und hoffe nicht, daß ich sterbe. Sieh, ich habe kein Herz in der Brust! stürbe ich aber dennoch, so findest du über der Türe mein weißes Zauberstäbchen, und rührst damit an die grauen Steine, so sind deine Schwestern und ihre Freier befreit und du hast Gesellschaft genug.«

»Wo aber in aller Welt hast du denn dein Herz, wenn du es nicht in der Brust hast?« fragte die junge Braut. »Mußt du alles wissen?« fragte der Alte. »Nun wenn du es denn wissen mußt, in der Bettdecke steckt mein Herz.«

Da nähte und stickte die junge Braut, wenn der Alte fort und seinen Geschäften nachging, in ihrer Einsamkeit gar schöne Blumen auf seine Bettdecke, damit sein Herz eine Freude haben sollte. Der Alte aber lächelte darüber und sagte: »Du gutes Kind, es war ja nur mein Scherz;mein Herz das steckt – das steckt –« »Nun wo steckt es denn lieber Vater?« – »Das steckt in der – Stubentür!« –

Da hat die junge Frau am andern Tage, als der Alte fort war, die Stubentüre gar schön geschmückt mit bunten Federn und frischen Blumen und hat Kränze daran gehangen. Fragte der Alte, als er heimkam, was das bedeuten solle? sagte sie: »Das tat ich, deinem Herzen was zu Liebe zu tun.« Da lächelte wieder der Alte, und sagte: »Gutes Kind, ganz wo anders, als in der Stubentüre, ist mein Herz.« Da wurde die junge Braut sehr betrübt, und sprach: »Ach Vater, so hast du doch ein Herz, und kannst sterben und ich werde dann so allein sein.« Da wiederholte der Alte alles, was er ihr schon zweimal gesagt, und sie drang aufs neue in ihn, ihr zu sagen, wo doch eigentlich sein Herz sei? Da sprach der Alte: »Weit weit von hier liegt in tiefer Einsamkeit eine große uralte Kirche, die ist fest verwahrt mit eisernen Türen, um sie ist ein tiefer Wallgraben gezogen, über den führt keine Brücke, und in der Kirche da fliegt ein Vogel wohl ab und auf, der ißt nicht und trinkt nicht und stirbt nicht, und niemand vermag ihn zu fangen und so lange der Vogel lebt, so lange lebe auch ich, denn in dem Vogel ist mein Herz.«

Da wurde die Braut traurig, daß sie dem Herzen ihres Alten nichts zu Liebe tun konnte, und die Zeit wurde ihr lang, wenn sie so allein saß, denn der Alte war fast den ganzen Tag auswärts.

Da kam einmal ein junger Wandergesell am Häuschen vorüber, der grüßte sie und sie grüßte ihn und sie gefiel ihm, und er kam näher und sie fragte ihn, wohin er reise, woher er komme? – »Ach!« seufzte der junge Gesell: »Ich bin gar traurig. Ich hatte noch sechs Brüder, die sind von dannen gezogen sich Bräute zu holen und mir, dem Jüngsten, wollten sie auch eine mitbringen, sind aber nimmer wieder gekommen, und da bin ich nun auch fort vom Hause, und will meine Brüder suchen.«

»Ach lieber Gesell!« rief die Braut: »da brauchst du nicht weiter zu gehen! Erst setze dich und iß und trinke etwas, und dann laß dir erzählen!« Und gab ihm zu essen und zu trinken, und erzählte ihm, wie seine Brüder in die Stadt gekommen, und wie sie ihre Schwestern und sie selbst als Bräute mit sich nach Hause hätten führen wollen, und daß sie für ihn, ihren Gast, bestimmt gewesen, und wie der Alte sie bei sich behalten, und die andern in graue Steine verwandelt habe. Das alles erzählte sie ihm aufrichtig und weinte dazu, und auch daß der Alte kein Herz in der Brust habe und daß es weit weit weg sei in einer festen Kirche und in einem unsterblichen Vogel. Da sagte der Bräutigam: »Ich will fort, ich will den Vogel suchen, vielleicht hilft mir Gott, daß ich ihn fange.« – »Ja das tue, daran wirst du wohl tun, dann werden deine Brüder und meine Schwestern wieder Menschen werden!« und versteckte den Bräutigam, denn es wurde schon Abend, und als am andern Morgen der Alte wieder fort war, da packte sie dem Wandergesellen viel zu essen und zu trinken ein, und gab es ihm mit, und wünschte ihm alles Glück und Gottes Segen auf seine Fahrt.

Als nun der Gesell eine tüchtige Strecke gegangen war, deuchte ihm, es sei wohl Zeit zu frühstücken, packte seine Reisetasche aus, freute sich der vielen Gaben und rief: »Holla! nun wollen wir schmausen! herbei, wer mein Gast sein will!«

Da rief es hinter dem Gesellen: »Muh!« und wie er sich umsah, stand ein großer roter Ochse da und sprach: »Du hast eingeladen, ich möchte wohl dein Gast sein!« – »Sei willkommen und lange zu, so gut ich’s habe!« Da legte sich der Ochse gemächlich an den Boden, und ließ sich’s schmecken, und leckte sich dann mit der Zunge sein Maul recht schön ab, und als er satt war, sagte er: »Habe du großen Dank und wenn du einmal jemand brauchst, dir in Not und Gefahr zu helfen, so rufe nur in Gedanken nach mir, deinem Gast.« Und erhob sich und verschwand im Gebüsch. Der Gesell packte seine Tafelreste zusammen und pilgerte weiter; wieder eine tüchtige Strecke, da deuchte ihm nach dem kurzen Schatten den er warf, es müsse Mittag sein, und seinem Magen deuchte das nämliche. Da setzte er sich an den Boden hin, breitete sein Tafeltuch aus, setzte seine Speisen und Getränke darauf, und rief: »Wohlan! Mittagmahlzeit! Jetzt melde sich, was mittafeln will!« Da rauschte es ganz stark in den Büschen, und es brach ein wildes Schwein heraus, das grunzte: »Qui oui oui«, und sagte: »Es hat hier jemand zum Essen gerufen! Ich weiß nicht ob du es warst, und ob ich gemeint bin?«

»Immerhin, lange nur zu, was da ist!« sprach der Wandersmann und da aßen sie beide wohlgemut miteinander und schmeckte beiden gut. Darauf erhob sich das wilde Schwein und sagte: »Habe Dank, bedarfst du mein so rufe dem Schwein!« und damit trollte es in die Büsche. Nun wanderte der Gesell gar eine lange Strecke, und war schon gar weit gewandert, da wurde es gegen Abend, und er fühlte wieder Hunger und hatte auch noch Vorrat, und da dachte er: wie wär es mit dem Vespern? Zeit wär es dächt ich; und breitete wieder sein Tuch aus und legte seine Speisen darauf, hatte auch noch etwas zu trinken, und rief: »Wer Lust hat mit zu essen, der soll eingeladen sein. Es ist nicht, als wenn nichts da wäre!« Da rauschte über ihm ein schwerer Flügelschlag und wurde dunkel auf dem Boden, wie vom Schatten einer Wolke, und es ließ sich ein großer Vogel Greif sehen, der rief: »Ich hörte jemand hier unten zur Tafel einladen! Für mich wird wohl nichts abfallen?«

»Warum denn nicht? Lasse dich nieder und nimm vorlieb, viel wird’s nicht mehr sein!« rief der Jüngling, und da ließ sich der Vogel Greif nieder und aß zur Genüge und dann sagte er: »Brauchst du mich, so rufe mich!« hob sich in die Lüfte und verschwand. Ei, dachte der Geselle: der hat’s recht eilig; er hätte mir wohl den Weg nach der Kirche zeigen können, denn so finde ich sie wohl nimmer und raffte seine Sachen zusammen, und wollte vor dem Schlafengehen noch ein Stückchen wandern. Und wie er gar nicht lange gegangen war, so sah er mit einem Male die Kirche vor sich liegen und war bald bei ihr, das heißt, am breiten und tiefen Graben, der sie rings ohne Brücke umzog. Da suchte er sich ein hübsches Ruheplätzchen, denn er war müde von dem weiten Weg und schlief, und am andern Morgen da wünschte er sich über den Graben und dachte: Schau, wenn der rote Ochse da wär und hätte rechten Durst, so könnte der den Graben aussaufen und ich käme trocken hinüber. Kaum war dieser Wunsch getan, so stand der Ochse schon da und begann den Graben auszusaufen. Nun stand der Gesell an der Kirchenmauer, die war gar dick und die Türme waren von Eisen, da dachte er so in seinen Gedanken: ach, wer doch einen Mauerbrecher hätte! Das starke wilde Schwein könnte vielleicht hier eher etwas ausrichten, als ich. Und siehe, gleich kam das wilde Schwein daher gerannt und stieß heftig an die Mauer und wühlte mit seinen Hauern einen Stein los, und wie erst einer los war, so wühlte es immer mehr und immer mehr Steine aus der Mauer, bis ein großes tiefes Loch gewühlt war, durch das man in die Kirche einsteigen konnte. Da stieg nun der Jüngling hinein, und sah den Vogel darin herumfliegen, vermochte aber nicht ihn zu ergreifen. Da sprach er: »Wenn jetzt der Vogel Greif da wäre, der würde dich schon greifen, dafür ist er ja der Vogel Greif!« Und gleich war der Greif da und gleich griff er den Vogel, in dem des alten Mannes Herz war, und der junge Gesell verwahrte selbigen Vogel sehr gut, der Vogel Greif aber flog davon.

Nun eilte der Jüngling so sehr er konnte zur jungen Braut, kam noch vor Abends an und erzählte ihr alles, und sie gab ihm wieder zu essen und zu trinken und hieß ihn unter die Bettstelle kriechen mitsamt seinem Vogel, damit ihn der Alte nicht sähe. Dies tat er alsbald, nachdem er gegessen und getrunken hatte; der Alte kam nach Hause und klagte, daß er sich krank fühle, daß es nicht mehr mit ihm fortwolle – das mache, weil sein Herzvogel gefangen war. Das hörte der Bräutigam unter dem Bette und dachte, der Alte hat dir zwar nichts Böses getan, aber er hat deine Brüder und ihre Bräute verzaubert, und deine Braut hat er für sich behalten, das ist des Bösen nicht zu wenig, und da kneipte er den Vogel, und da wimmerte der Alte: »Ach, es kneipt mich! Ach, der Tod kneipt mich, Kind – ich sterbe!« Und fiel vom Stuhl und war ohnmächtig, und ehe sich’s der Jüngling versah, hatte er den Vogel totgekneipt, und da war es aus mit dem Alten. Nun kroch er hervor, und die Braut nahm den weißen Stab, wie ihr der Alte gelehrt hatte, und schlug damit an die zwölf grauen Steine, siehe, da wurden sie wieder die sechs Brüder und die sechs Schwestern, das war eine Freude und ein Umarmen und Herzen und Küssen, und der alte Mann war tot und blieb tot, konnt ihn keine Meisterwurz wieder lebendig machen, wenn sie ihn auch hätten wieder lebendig haben wollen. Da zogen sie alle miteinander fort, und hielten Hochzeit miteinander und lebten gut und glücklich miteinander lange Jahre.

Ludwig Bechstein
(1801 – 1860)
Der Mann ohne Herz
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Ludwig Bechstein: Die schöne junge Braut (Märchen)

Die schöne junge Braut

Es ging einmal ein hübsches Landmädchen in den Wald, um Futter für ihre Kuh zu holen; wie sie nun in Gottes Namen grasete und an gar nichts Arges dachte, so kamen auf einmal vier Räuber, umringten sie und führten sie mit sich fort, ohne Gnad und Barmherzigkeit, sie mochte schreien und zappeln, bitten und betteln so viel sie wollte. Weit ab von des Mädchens Heimat in einem finstern Walde hatten die Räuber ein Haus, worin sie sich aufhielten, wenigstens blieben immer einige daheim, wenn die andern auf Raub auszogen. Dem Mädchen taten aber die Räuber weiter nichts zu Leide, als daß sie sie eben aus ihrer Heimat fortführten, und sie in dem Hause gleichsam gefangen hielten; sie mußte den Haushalt besorgen, kochen, backen und waschen, sonst hatte sie es gut, wurde aber immer scharf bewacht. Dabei hatten ihr die Räuber den Namen gegeben: Schöne junge Braut.

So war nun das Mädchen schon einige Jahre in der Räuberherberge, als es sich einmal traf, daß ein Hauptraub ausgeführt werden sollte, an dem, wenn er gelingen sollte, die ganze helle Bande teilnehmen mußte.

Da das Mädchen sich an das Leben in der Räuberhöhle gewöhnt zu haben schien, auch noch keinen Versuch zu entfliehen gemacht hatte, und auch schwerlich durch den wilden Wald die Wege finden würde – so dachte der Hauptmann – so blieb sie diesesmal allein und unbewacht im Waldhause zurück. Aber die Räuber waren kaum fort, so sann die schöne Braut darauf, wie sie unerkannt entfliehen könne. Sie machte geschwind eine Gestalt von Stroh, zog derselben ihre Kleider an, setzte ihr ihre Haube auf, sich selbst aber bestrich sie von Kopf bis zu den Füßen mit Honig, wälzte sich darauf über und über in Federn, so daß sie ganz unkennbar wurde, und aussah, wie ein seltsamer Vogel. Die Gestalt in ihren Kleidern lehnte sie an ein Fenster über der Haustür, und ließ sie hinaussehen, doch mit verdecktem Gesicht, und dann eilte sie von dannen.

Mochte es aber nun sein, daß dem Hauptmann eine Ahnung von des Mädchens beabsichtigter Flucht kam, oder daß etwas vergessen worden war, genug, er sandte einige seiner Räuber nach dem Hause zurück, und gerade mußte es sich treffen, daß ihnen auf ihrem Wege das fiedrige Käuzlein aufstieß. Sie dachten aber es wäre einer ihrer Kumpane, der sich unkenntlich gemacht hätte, und riefen die Gestalt lachend und fragend an:

»Wohin, wohin, Herr Federsack?
Was macht die schöne junge Braut?«

Diese, die es selbst war, war zwar sehr erschrocken, doch faßte sie sich ein Herz und antwortete mit verstellter Stimme:

»Sie fegt und säubert unser Haus
Und schaut wohl auch zum Fenster heraus!«

Damit machte sie, daß sie den Räubern aus dem Gesichte kam, kam auch glücklich aus dem Walde, erreichte ein Dorf, kaufte sich Kleider, badete sich und erlangte glücklich und wohlbehalten, obschon nach langer Wanderung, ihre Heimat wieder, und da sie nicht gerade das Beste in der Räuberherberge zurückgelassen hatte, sondern für ihren Jahrlohn mitgehen heißen, so hatte sie auch wohl zu leben und heiratete einen wackern Burschen.

Jene Räuber, wie die nun des Hauses ansichtig wurden, sahen die Gestalt der schönen jungen Braut am Fenster und grüßten schon von weitem, indem sie riefen:

»Grüß Gott, o schöne junge Braut,
Die freundlich uns entgegenschaut.«

Da aber der Gruß unerwidert blieb, so verwunderten sich die Räuber, und als sie näher kamen, vermeinten sie, die schöne junge Braut sei eingeschlafen. Vergebens riefen sie, sie ermunterte sich nicht; vergebens geboten sie ihr, zu öffnen, alle ihr Pochen und Schreien, Rufen und Schelten war erfolglos, und wütend traten sie zuletzt die Türe in Trümmern, stürmten die Treppe hinauf und faßten die Gestalt der schönen jungen Braut hart an, da fiel ihnen die Strohpuppe in die Arme. Da riefen die Räuber:

»Fahr wohl, du schöne junge Braut!
Ein Tor ist, wer auf Weiber baut!«

Ludwig Bechstein
(1801 – 1860)
Die schöne junge Braut
Sämtliche Märchen

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Ludwig Bechstein: Der weiße Wolf (Märchen)

Der weiße Wolf

Ein König ritt jagen in einem großen Walde, darinnen er sich verirrte, und mußte manchen Tag wandern und manche Nacht, fand immer nicht den rechten Weg und mußte Hunger und Durst leiden. Endlich begegnete ihm ein kleines schwarzes Männlein, das fragte der König nach dem rechten Weg. »Ich will dich wohl führen und geleiten«, sagte das Männlein, »aber du mußt mir auch etwas dafür geben, du mußt mir das geben, was dir aus deinem Hause zuerst entgegen kommt.« Der König war froh und sprach unterwegs: »Du bist recht brav, Männchen; wahrlich und wenn mein bester Hund mir entgegenlief, so wollt ich dir ihn doch gern zum Lohne geben.« Das Männlein aber erwiderte: »Deinen besten Hund, den mag ich nicht, mir ist was andres lieb.« Wie sie nun beim Schlosse ankamen, so sah des Königs jüngste Tochter durchs Fenster ihren Vater geritten kommen und sprang ihm fröhlich entgegen. Da sie ihn aber in ihre Arme schloß, sprach er: »Ei wollt ich doch, daß lieber mein bester Hund mir entgegen gekommen wäre!« Über diese Rede erschrak die Königstochter gar sehr, und weinte und rief: »Wie das, mein Vater? Ist dir dein Hund lieber denn ich, und sollte er dich froher willkommen heißen?« aber der König tröstete sie und sagte: »O liebe Tochter, so war es ja nicht gemeint!« und erzählte ihr alles. Sie aber blieb ganz standhaft und sagte: »Es ist besser so, als daß mein lieber Vater umgekommen wäre im wilden Walde«, und das Männchen sagte: »Nach acht Tagen hole ich dich.«

Und nach acht Tagen richtig, da kam ein weißer Wolf in das Königsschloß, und die Königstochter mußte sich auf seinen Rücken setzen, und heisa, da ging’s durch dick und dünn, bergauf und ab, und die Königstochter konnte das Reiten auf dem Wolf nicht aushalten, und fragte: »Ist’s noch weit?« – »Schweig! Weit weit ist’s noch zum gläsernen Berge – schweigst du nicht, so werf ich dich herunter!« Nun ging es wieder so fort, bis die arme Königstochter wieder zagte und klagte und fragte, ob es noch weit sei? Und da sagte ihr der Wolf die nämlichen drohenden Worte, und rannte immer fort, immer weiter, bis sie zum drittenmale die Frage wagte, da warf er sie auf der Stelle von seinen Rücken herunter und rannte davon.

Nun war die arme Prinzessin ganz allein in dem finstern Walde, und ging und ging und dachte, endlich werde ich doch einmal zu Leuten kommen. Und endlich kam sie an eine Hütte, da brannte ein Feuerchen und da saß ein altes Waldmütterchen, das hatte ein Töpfchen am Feuer. Und da fragte die Königstochter: »Mütterchen, hast du den weißen Wolf nicht gesehen?« – »Nein, da mußt du den Wind fragen, der fragt überall herum, aber bleibe erst noch ein wenig hier, und iß mit mir. Ich koche hier ein Hühnersüppchen.« Das tat die Prinzessin, und als sie gegessen hatten, sagte die Alte: »Nimm die Hühnerknöchelchen mit dir, du wirst sie gut gebrauchen können.« Dann zeigte ihr die Alte den rechten Weg nach dem Winde.

Als die Königstochter bei dem Winde ankam, fand sie ihn auch am Feuer sitzen und sich eine Hühnersuppe kochen, aber auf ihre Frage nach dem weißen Wolf antwortete er ihr: »Liebes Kind, ich habe ihn nicht gesehen, ich bin heute einmal nicht gegangen, und wollte mich einmal hübsch ausruhen. Frage die Sonne, die geht alle Tage auf und unter, aber erst mache es wie ich, ruhe dich aus, und iß mit mir, kannst hernach auch alle die Hühnerknöchlein mit dir nehmen, wirst sie wohl gut brauchen können.«

Als dies geschehen war, ging die Kleine nach der Sonne zu, und es ging da gerade wieder wie beim Winde, die Sonne kochte sich gerade eine Hühnersuppe an sich selbst, daher es damit sehr geschwind ging, hatte auch den weißen Wolf nicht gesehen, und lud die Prinzessin zum Mitessen ein. »Du mußt den Mond fragen, denn wahrscheinlich läuft der weiße Wolf nur des Nachts, und da sieht der Mond alles.« Als nun die Königstochter mit der Sonne gegessen und die Knöchlein aufgesammelt hatte, ging sie weiter und fragte den Mond. Auch er kochte Hühnersuppe und sagte: »Es ist fatal, ich habe letzt nicht geschienen, oder bin zu spät aufgegangen, ich weiß gar nichts von dem weißen Wolf.« Da weinte das Mädchen und rief: »O Himmel, wen soll ich nun fragen?« – »Nun nur Geduld mein Kind«, sagte der Mond. – »Vor Essen, wird kein Tanz, setze dich und iß erst die Hühnersuppe mit mir und nimm auch die Knöchelchen mit, du wirst sie wohl brauchen. Etwas Neues weiß ich doch; im gläsernen Berge das schwarze Männchen – das hält heute Hochzeit, der Mann im Mond ist auch dazu eingeladen.« – »Ach der gläserne Berg, der gläserne Berg! dahin wollte ich ja eben, dahin hat mich ja der weiße Wolf tragen sollen!« rief die Königstochter. »Nun bis dorthin kann ich dir schon leuchten und den Weg zeigen«, sagte der Mond, »sonst könntest du dich leichtlich irren, denn ich zum Beispiel bestehe ganz und gar aus lauter gläsernen Bergen. Nimm immer deine Knöchlein hübsch alle mit.« Das tat die Prinzessin, aber in der Eile vergaß sie doch ein Knöchlein.

Bald stand sie an dem gläsernen Berge, aber der war ganz glatt und glitschig, da war nicht hinauf zu kommen, aber da nahm die Königstochter alle Hühnerknöchlein von der alten Waldmutter, von dem Wind, von der Sonne und von dem Monde, und machte sich daraus eine Leiter, die wurde sehr lang, aber o weh, zuletzt fehlte noch eine einzige Sprosse, noch ein Glied. Da schnitt sich die Prinzessin das oberste Gelenk von ihrem kleinen Finger ab, und so tat es gut, und sie konnte nun rasch zum Gipfel des gläsernen Berges klimmen. Oben war eine große Öffnung, da führte eine schöne Treppe hinunter, und war alles voll Glanz und Pracht, und war ein Saal da voll Hochzeitgäste und viele Musikanten und reichbesetzte Tafeln. Und da saß das schwarze Männlein und an seiner Seite saß eine Dame, die war seine Braut, das schwarze Männlein aber schien traurig. Und der Königstochter tat es auch so weh, so weh, daß sie nun zu spät kam, und daß das schwarze Männlein so traurig war, und dachte bei sich, ich will ein Lied vom weißen Wolf singen, vielleicht kennt er mich dann – denn er hatte sie noch gar nicht angesehen, folglich auch nicht wieder erkannt. Und da stand eine Harfe an der Wand, welche die Prinzessin gut spielte, die nahm sie nun und sang

»Deinen besten Hund, den mag ich nicht,
Mir ist was andres lieb!
Die jüngste Königstochter.
Der weiße Wolf, der lief davon,
Sie weiß nicht, wo er blieb;
Die jüngste Königstochter.«

Da horchte das schwarze Männlein hoch auf,
aber die Prinzessin fuhr fort zu spielen und zu singen.

»Sie ist dem Wolfe nachgereist,
Schnitt ab ihr Fingerglied,
Die jüngste Königstochter.
Nun ist sie da – du kennst sie nicht,
Traurig singt dir dies Lied
Die jüngste Königstochter.«

Da sprang das schwarze Männlein von seinem Sitze auf und war plötzlich ein ganz schöner junger Prinz und eilte auf sie zu, und schloß sie in seine Arme.

Alles war Zauber gewesen. Der Prinz war in das alte Männlein und in den weißen Wolf und in den gläsernen Berg hinein verzaubert so lange bis eine Prinzessin, um zu ihm zu gelangen, sich’s ein Glied von ihrem kleinen Finger kosten lassen würde, wenn das aber bis zu einer gewissen Zeit nicht geschähe, so müsse er eine andre freien und ein schwarzes Männlein bleiben all sein Leben lang. Nun war der Zauber gelöst, die andre Braut verschwand, der entzauberte Prinz heiratete die Königstochter, reiste darauf mit ihr zu ihrem Vater, der sich herzlich freute, sie wieder zu sehen, und lebten alle glücklich miteinander bis an ihr Ende. Sollte dieses aber nicht erfolgt sein, so ist es einigermaßen wahrscheinlich, daß sie noch heute leben.

Ludwig Bechstein
(1801 – 1860)
Der weiße Wolf
Sämtliche Märchen

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Koos Meinderts: De schelmenstreken van Reinaert de Vos

Terwijl Reinaert de Vos tijdens het monopoly-spelen met zijn kinderen stiekem een briefje van duizend uit de bank jatte en zich te goed deed aan een kipkluifje, verklaarde Koning Nobel in de paleistuin de jaarlijkse Hofdag voor geopend.

Met de opening van de Hofdag opent ook de fonkelende bewerking die Koos Meinderts maakte van het bekendste epos uit de Middelnederlandse literatuur: Van den Vos Reynaerde.

In achttien hoofdstukken verhaalt Meinderts over de belevenissen van de geslepen vos Reinaert en zijn beklagenswaardige tegenspelers, waaronder Tibeert de Kater, Bruun de Beer en Cuwaert de Haas. Elk hoofdstuk werd geïllustreerd door een vooraanstaand kinderboekillustrator.

Koos Meinderts:
De schelmenstreken van Reinaert de Vos
1e druk
EAN: 978 90 8967 273 5
NUR: 274
Verschenen 12-11-2018
Formaat: 23,5 x 27 cm
48 bladzijden
Gebondend
Bindwijze Hardcover
Genre Kinderboeken
Uitgever Hoogland & Van Klaveren, Uitgeverij
Taal Nederlands
Illustraties Charlotte Dematons e.a.
Prijs: € 17,50

# New books
Koos Meinderts
Reinaert de Vos

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Annet Schaap wint De Gouden Griffel 2018 met haar prozadebuut Lampje

De Gouden Griffel is gewonnen door Annet Schaap voor haar prozadebuut Lampje.

De bekendste kinderboekenprijs van Nederland en Vlaanderen is gisteren bekendgemaakt en uitgereikt op het Kinderboekenbal in Amsterdam.

Annet Schaap is geen onbekende in de Nederlandse kinderboekenwereld: velen kennen haar illustraties uit de Hoe overleef ik-reeks van Francine Oomen, de boeken van Janneke Schotveld en Jacques Vriens.

De Gouden Griffel is de derde prijs die zij wint voor Lampje (Querido): al eerder ontving zij de Nienke van Hichtum-prijs en de Woutertje Pieterse Prijs. De overige genomineerden waren Joukje Akveld, Annet Huizing, Pim Lammers, Joke van Leeuwen, Marit Törnqvist, Susanne Wouda, Bette Westera, Tjibbe Veldkamp en Edward van de Vendel.

Annet wilde altijd al tekenaar worden of schrijver of ontdekkingsreizigster. Ze studeerde aan twee kunstacademies en een schrijversschool. Sinds 1991 illustreerde ze bijna 200 kinderboeken en is in Nederland het meest bekend door haar tekeningen in de succesvolle kinderboeken van Francine Oomen, Janneke Schotveld en Jacques Vriens.

           

kinderboekenweek van 3 t/m 14 oktober 2018

De Gouden Griffel:  Annet Schaap – Lampje

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Barbara Zoeke: Die Stunde der Spezialisten

Deutschland 1940: Max Koenig ist Professor für Altertumsforschung. Ein vererbtes Nervenleiden reißt ihn aus seinem beruflichen Leben und fort von seiner Familie.

Er kommt in die Wittenauer Heilstätten und trifft dort auf Schwester Rosemarie, die versucht zu helfen, wo sie kann. Trotz seiner Hinfälligkeit wird Koenig zum Mittelpunkt einer kleinen Gruppe: dem Studienrat Dr. Carl Hohein, der eine Litanei auf die Farbe »Schwarz« komponiert, der jungen Pianistin Elfie, deren Hände zittern und die »Traumdeutsch« spricht, und schließlich Oscar, einem Jungen mit Trisomie 21.

Der Alltag auf der Station, die mangelhaften Essensrationen und die rassenhygienischen Kommentare der medizinischen »Spezialisten« werden nur durch die gegenseitige Unterstützung und kleine Freuden, wie die Besuche von Frau und Schwägerin, erträglich. Sie hoffen darauf, sich nach dem Krieg im Traumland Italien wiederzufinden. Doch Max Koenig und Oscar werden verlegt und ihren Angehörigen entzogen.

Töten wird sie Dr. Friedel Lerbe, ein Arzt, SS-Mann und fanatischer Verfechter der Rassenhygiene. Als Leiter einer Tötungsanstalt führt er das NS-»Euthanasie«-Programm mit bürokratischer Präzision aus – jedes Detail des Ablaufs wird von ihm kontrolliert. Ein ganzer Stab von »Pflegern«, Sekretärinnen, Technikern und Leichenbrennern steht diesem »Spezialisten« bei seinem Handwerk zur Seite.

Barbara Zoeke schildert das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven – empathisch und erschütternd klar. Es gelingt ihr, dieses Verbrechen der Nationalsozialisten zu vergegenwärtigen und den Opfern, Angehörigen und Tätern eine literarische Stimme zu geben.

Barbara Zoeke erhält für ihren Roman „Die Stunde der Spezialisten“ den Brüder-Grimm-Preis 2017 der Stadt Hanau!
Die Preisverleihung findet am 17. November in der Hanauer Stadtbibliothek/Kulturforum Hanau statt. Die Laudatio auf die Preisträgerin wird der Literatur-Chef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Andreas Platthaus halten. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Die Jury mit Literaturkritikerin Dr. Insa Wilke, Literaturprofessor Professor Dr. Heiner Boehncke und dem ehemaligen Vorsitzenden des hessischen Bibliotheksverbandes Aloys Lenz MdL a.D. votierte nach eingehender Diskussion der eingereichten Veröffentlichungen einstimmig für das kürzlich im Verlag „Die Andere Bibliothek“ erschienene Buch. Der Magistrat der Stadt Hanau schloss sich einmütig dem Votum der Jury an.

Aus der Jury-Entscheidung:
„Barbara Zoekes Roman „Die Stunde der Spezialisten“ widmet sich einem in der deutschsprachigen Literatur immer noch auffällig selten erzählten Verbrechen der Nationalsozialisten: der Ermordung von Psychiatriepatienten und Behinderten, allgemein unter dem Euphemismus „Euthanasie“ bekannt. Autorinnen wie Olga Martynova und entfernt auch Angela Steidele haben sich zuletzt mit diesem Stoff auseinandergesetzt; Barbara Zoeke ist jedoch die erste Autorin, die wohl auch aufgrund ihrer psychiatrischen Praxis die besondere Sprache der Patienten in eine literarische verwandelt und ihnen so auf besondere Weise ein Denkmal setzt. Virtuos komponiert sie auf diese Weise aus den Stimmen der Opfer wie auch der Täter in je spezifischen Sprechweisen ein beklemmendes Kunstwerk in humanistischen Traditionen, das bei seinen Leserinnen und Lesern für einen inneren Aufruhr sorgt, wie ihn nur hervorragende literarische Werke hervorzubringen imstande sind. Die Jury sieht in der meisterlichen Sprache des Romans und dem sensiblen Umgang mit den unterschiedlichen Stimmen überdies eine Nähe zu dem Werk der Brüder Grimm, das sich auf der Grenze zwischen Archiv, Sprachforschung und Erzählen bewegt.“

Dr. Barbara Zoeke verbrachte ihre Kindheit im thüringischen Vogtland und studierte in Köln und Münster. Sie ist habilitierte Psychologin, forschte in den USA und war über mehrere Jahre im Vorstand der “International Society of Comparative Psychology”. Sie lehrte und forschte an den Universitäten von Münster, Frankfurt, Würzburg und München. Neben wissenschaftlichen Arbeiten zur Wahrnehmung und zum Gedächtnis veröffentlichte sie erzählende Prosa, Lyrik und Sachbuchtexte. Die Autorin lebt seit 2008 in Berlin.

Barbara Zoeke
Die Stunde der Spezialisten
Seitenanzahl: 300
Originalausgaben
Bandnummer: 393
Originalausgabe,
nummeriert und limitiert
Gestaltung: Lars Henkel.
Kunstvolle Collagen für Cover,
Bezug, Vor- und Nachsatzpapier.
Fadenheftung, Lesebändchen.
ISBN: 9783847703938
2017 – 42,00 EUR
Die Andere Bibliothek
10969 Berlin

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HANS CHRISTIAN ANDERSEN: ‘BEAUTIFUL’

Hans Christian Andersen: ‘Beautiful’

Alfred the sculptor – yes, you know him, don’t you? We all know him; he was awarded the gold medal, traveled to Italy, and came home again. He was young then; in fact, he is still young, though he is ten years older than he was at that time.

After he returned home, he visited one of the little provincial towns on the island of Zealand. The whole village knew who the stranger was, and in his honor one of the richest families gave a party. Everyone of any importance or owning any property was invited. It was quite an event, and all the village knew about it without its being announced by the town crier. Apprentice boys and the children of poor people, and even some of their parents, stood outside the house, looking at the lighted windows with their drawn curtains; and the watchman could imagine that he was giving the party, there were so many people in his street. There was an air of festivity everywhere, and inside the house, too, for Mr. Alfred the sculptor was there.

He talked and told stories, and everybody listened to him with pleasure and enthusiasm, but none more so than the elderly widow of a state official. As far as Mr. Alfred was concerned, she was like a blank sheet of gray blotting paper, absorbing everything that was said and demanding more. She was highly susceptible and unbelievably ignorant-a sort of female Kaspar Hauser.

“I should love to see Rome!” she said. “It must be a wonderful city, with all the many strangers continually arriving there. Now, do tell us what Rome is like. How does the city look when you come in by the gate?”

“It is not easy to describe it,” said the young sculptor. “There’s a great open place, and in the middle of it there is an obelisk that is four thousand years old.”

“An organist!” cried the lady, who had never heard the word “obelisk.”

Some of the guests could hardly keep from laughing, among them the sculptor, but the smile that rose to his lips quickly faded away, for he saw, close by the lady, a pair of dark-blue eyes; they belonged to the daughter of the lady who had been talking, and anyone with such a daughter could not really be silly! The mother was like a fountain of questions, and the daughter, who listened silently, might pass for the naiad of the fountain. How beautiful she was! She was something for a sculptor to look at, but not to speak with, for indeed she talked but very little.

“Has the Pope a large family?” asked the lady.

And the young man answered considerately, as if the question had been put differently, “No, he doesn’t come of a very great family.”

“That’s not what I mean,” said the lady. “I mean, does he have a wife and children?”

“The Pope isn’t allowed to marry,” he replied.

“I don’t approve of that,” said the lady.

She might well have talked and questioned him more intelligently, but if she hadn’t said and asked what she did, would her daughter have leaned so gracefully on her shoulder, looking straight before her with an almost melancholy smile on her lips?

And Mr. Alfred told them of the glorious colors of Italy, the purple of the mountains, the blue of the Mediterranean, the blue of the southern skies, a beauty that could only be surpassed in the North by the deep-blue eyes of a maiden. This he said with peculiar meaning, but she who should have understood it looked quite unconscious, and that, too, was charming!

“Ah, Italy!” sighed some of the guests.

“Traveling!” sighed others.

“Charming, charming!”

“Well,” said the widow, “if I win fifty thousand dollars in the lottery, we’ll travel! My daughter and I. You Mr. Alfred, must be our guide. We’ll all three go, with just one or two good friends with us.” Then she smiled in such a friendly manner at the company that each of them could imagine he was the person who would accompany them to Italy. “Yes, we’ll go to Italy! But not to the parts where the robbers are; we’ll stay in Rome and only travel by the great highways where we’ll be safe.”

And the daughter sighed very gently. And how much may lie in one little sigh or be read into it! The young man read a great deal into it. Those two blue eyes, bright that evening in his honor, must conceal treasures of heart and mind rarer than all the glories of Rome! When he left the party, he had lost his heart-lost it completely-to the young lady.

Now, the widow’s house was where Mr. Alfred the sculptor could most frequently be found. It was understood that his calls were not for the lady herself, though he and she did all the talking; he really came for the sake of the daughter. They called her Kala. Her real name was Karen Malene, but the two names had been contracted into the single name Kala. She was extremely, but some people said she was rather dull and probably slept late in the mornings.

“She has been accustomed to that since childhood,” said her mother. “She is as beautiful as Venus, and a beauty always tires easily. She does sleep rather late, but that’s what makes her eyes so bright.”

What a power there was in these clear eyes, these deep blue eyes! “Still waters run deep.” The young man felt the truth of that proverb, and his heart sank into the depths. He spoke of his adventures, and Mamma always asked the same naïve and pertinent questions she had asked at their first meeting.

It was a delight to hear Mr. Alfred speak. He told them of Naples, of trips to Mount Vesuvius, and showed them colored prints of some of the eruptions. The widow had never heard of such things before, much less taken time to think about them.

“Mercy save us!” she said. “So that’s a burning mountain! But isn’t it dangerous for the people who live there?”

“Entire cities have been destroyed,” he answered. “For example, Pompeii and Herculaneum.”

“Oh, the poor people! And you saw all that yourself?”

“Well, no, I didn’t see any of the eruptions shown in these pictures, but I’ll show you a drawing I made of an eruption I did see.”

He laid a pencil sketch on the table, and when Mamma, who had been studying the highly colored prints, glanced at the black-and-white drawing, she cried in amazement, “When you saw it did it throw up white fire?”

For a moment Alfred’s respect for Kala’s mamma nearly vanished; but then, dazzled by the light from Kala, he decided it was natural for the old lady to have no eye for color. After all, it didn’t matter, for Kala’s mamma had the most wonderful thing of all-she had Kala herself.

And Alfred and Kala were engaged, which was inevitable, and the engagement was announced in the town newspaper. Mamma brought thirty copies of the paper, so she could cut out the announcement and send it to her friends. The betrothed couple were happy, and the mamma-in-law-to-be was happy, too; she said it seemed like being related to Thorvaldsen himself.

“At any rate, you are his successor,” she told Alfred.

And it seemed to Alfred that Mamma had this time really said something clever. Kala said nothing, but her eyes sparkled; her every gesture was graceful. Yes, she was beautiful; that cannot be repeated too often.

Alfred made busts of Kala and his future mamma-in-law; they sat for him and watched how he molded and smoothed the soft clay between his fingers.

“I suppose it’s only for us that you do this common work,” said Mamma-in-law-to-be, “and don’t have your servant do all that dabbing together.”

“No, I have to mold the clay myself,” he explained.

“Oh, yes, you’re always so exceedingly polite,” said Mamma, while Kala silently pressed his hand, still soiled by the clay.

Then he unfolded to both of them the loveliness of nature in creation, explaining how the living stood higher in the scale than the dead, how the plant was above the mineral, the animal above the plant, and man above the animal, how mind and beauty are united in outward form, and how it was the task of the sculptor to seize that beauty and imprison it in his works.

Kala sat silent and nodded approval of the thought, while Mamma-in-law confessed, “It’s hard to follow all that. But my thoughts manage to hobble slowly along after you; they whirl around, but I try to hold them fast.”

And the power of Kala’s beauty held Alfred fast, seizing him and mastering him and filling his whole soul. There was beauty in Kala’s every feature; it sparkled in her eyes, lurked in the corners of her mouth and even in each movement of her fingers. The sculptor saw this; he spoke only of her, thought only of her, until the two became one. Thus it might be said that she also spoke often, for he was always talking of her, and they two were one.

Such was the betrothal; and now came the wedding day, with bridesmaids and presents, all duly mentioned in the wedding speech.

Mamma-in-law had set up a bust of Thorvaldsen, attired in a dressing gown, at one end of the table, for it was her whim that he was to be a guest. There were songs and toasts, for it was a gay wedding and they were a handsome pair. “Pygmalion gets his Galatea,” one of the songs said.

“That is something from mythology!” said Mamma-in-law.

Next day the young couple left for Copenhagen, where they were to live. Mamma-in-law went with them, “to give them a helping hand,” she explained-which meant to take charge of the house. Kala was to live in a doll’s house. Everything was so bright, new, and fine. There the three of them sat, and as for Alfred, to use a proverb that describes his circumstances, he sat like the bishop in the goose yard.

The magic of form had fascinated him. He had regarded the case and had no interest in learning what the case contained, and that is unfortunate, very unfortunate, in married life! If the case breaks and the gilding rubs off, the purchaser may repent of his bargain. It is very embarrassing to discover in a large party that one’s suspender buttons are coming off and that one has no belt to fall back on; but it is still worse to realize at a great party that one’s wife and mother-in-law are talking nonsense and that one cannot think of a clever piece of wit to cover up the stupidity of it.

The young couple often sat hand in hand, he speaking and she letting drop a word now and then-with always the same melody, like a clock striking the same two or three notes constantly. It was really a mental relief when one of her friends, Sophie, came to visit them.

Sophie wasn’t pretty. To be sure, she was not deformed; Kala always said she was a little crooked, but no one but a female friend would have noticed that. She was a very levelheaded girl and had no idea that she might ever become dangerous here. Her visits brought a fresh breath of air into the doll’s house, air that they all agreed was certainly needed there. But they felt they needed more airing, so they came out into the air, and Mamma-in-law and the young couple traveled to Italy.

“Thank heaven we are back in our own home again!” said both mother and daughter when they and Alfred returned home a year later.

“Traveling is no fun,” said Mamma-in-law. “On the contrary, it’s very tiring; pardon me for saying so. I found the time dragged, even though I had my children with me; and it is expensive, very expensive, to travel. All those galleries you have to see, and all the things you have to look at! You must do it for self-protection, because when you get back people are sure to ask you about them; and then they’re sure to tell you that you’ve missed the most worth-while things. I got so tired at last of those everlasting Madonnas; I thought I would turn into a Madonna myself!”

“And the food one gets!” said Kala.

“Yes,” agreed Mamma. “Not even a dish of honest meat soup! It is awful the way they cook!”

And Kala had become tired from traveling; she was always tired; that was the trouble. Sophie came to live with them, and her presence was a real help.

Mamma-in-law had to admit that Sophie understood both housekeeping and art, though you would hardly have expected a knowledge of the last from a person of her modest background. Moreover, she was honest and loyal; she showed that clearly when Kala lay sick, fading away.

If the case is everything, that case should be strong, or it is all over. And it was all over with the case-Kala died.

“She was so beautiful,” said Mamma. “She was very different from the antiques, because they’re all so damaged. Kala was completely perfect, just as a beauty should be.”

Alfred wept and the Mother wept, and both went into mourning. The black dresses became Mamma very well, so she wore her mourning the longer. Moreover, she soon experienced another grief, when she saw Alfred marry again. And he married Sophie, who had no looks at all!

“He has gone from one extreme to the other!” said Mamma-in-law. “Gone from the most beautiful to the ugliest! How could he forget his first wife! Men have no constancy. Now, my husband was entirely different, and he died before I did.”

“Pygmalion got his Galatea,” said Alfred. “Yes, that’s what the wedding song said. I really fell in love with a beautiful statue, which came to life in my arms, but the soul mate that heaven sends down to us, one of its angels who can comfort and sympathize with and uplift us, I have not found or won till now. You came to me, Sophie, not in the glory of superficial beauty – but fair enough, prettier than was necessary. The most important thing is still the most important. You came to teach a sculptor that his work is only clay and dust, only the outward form in a fabric that passes away, and that we must seek the spirit within. Poor Kala! Ours was but a wayfarer’s life. In the next world, where we shall come together through sympathy, we shall probably be half strangers to each other.

“That was not spoken kindly,” said Sophie, ” not like a true Christian. In the next world, where there is no marriage, but where, as you say, souls find each other through sympathy, where everything beautiful is developed and elevated, her soul may attain such completeness that it may resound far more melodiously than mine. Then you will again utter the first exciting cry of your love, ‘Beautiful, beautiful!'”

END

Hans Christian Andersen (1805—1875)  fairy tales and stories

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HANS CHRISTIAN ANDERSEN: THE NIGHTINGALE

Hans Christian Andersen

(1805—1875)

The nightingale

In China, you know, the emperor is a Chinese, and all those about him are Chinamen also. The story I am going t tell you happened a great many years ago, so it is well to hear it now before it is forgotten. The emperor’s palac was the most beautiful in the world. It was built entirely of porcelain, and very costly, but so delicate and brittle tha whoever touched it was obliged to be careful. In the garden could be seen the most singular flowers, with prett silver bells tied to them, which tinkled so that every one who passed could not help noticing the flowers.

Indeed everything in the emperor’s garden was remarkable, and it extended so far that the gardener himself did not kno where it ended. Those who travelled beyond its limits knew that there was a noble forest, with lofty trees, slopin down to the deep blue sea, and the great ships sailed under the shadow of its branches. In one of these trees live a nightingale, who sang so beautifully that even the poor fishermen, who had so many other things to do, woul stop and listen. Sometimes, when they went at night to spread their nets, they would hear her sing, and say, “Oh, i not that beautiful?” But when they returned to their fishing, they forgot the bird until the next night. Then they woul hear it again, and exclaim “Oh, how beautiful is the nightingale’s song!

Travellers from every country in the world came to the city of the emperor, which they admired very much, as well as the palace and gardens; but when they heard the nightingale, they all declared it to be the best of all.

And the travellers, on their return home, related what they had seen; and learned men wrote books, containing descriptions of the town, the palace, and the gardens; but they did not forget the nightingale, which was really the greatest wonder. And those who could write poetry composed beautiful verses about the nightingale, who lived in a forest near the deep sea.

The books travelled all over the world, and some of them came into the hands of the emperor; and he sat in his golden chair, and, as he read, he nodded his approval every moment, for it pleased him to find such a beautiful description of his city, his palace, and his gardens. But when he came to the words, “the nightingale is the most beautiful of all,” he exclaimed:

“What is this? I know nothing of any nightingale. Is there such a bird in my empire? and even in my garden? I have never heard of it. Something, it appears, may be learnt from books.”

Then he called one of his lords-in-waiting, who was so high-bred, that when any in an inferior rank to himself spoke to him, or asked him a question, he would answer, “Pooh,” which means nothing.

“There is a very wonderful bird mentioned here, called a nightingale,” said the emperor; “they say it is the best thing in my large kingdom. Why have I not been told of it?”

“I have never heard the name,” replied the cavalier; “she has not been presented at court.”

“It is my pleasure that she shall appear this evening.” said the emperor; “the whole world knows what I possess better than I do myself.”

“I have never heard of her,” said the cavalier; “yet I will endeavor to find her.”

But where was the nightingale to be found? The nobleman went up stairs and down, through halls and passages; yet none of those whom he met had heard of the bird. So he returned to the emperor, and said that it must be a fable, invented by those who had written the book. “Your imperial majesty,” said he, “cannot believe everything contained in books; sometimes they are only fiction, or what is called the black art.”

“But the book in which I have read this account,” said the emperor, “was sent to me by the great and mighty emperor of Japan, and therefore it cannot contain a falsehood. I will hear the nightingale, she must be here this evening; she has my highest favor; and if she does not come, the whole court shall be trampled upon after supper is ended.”

“Tsing-pe!” cried the lord-in-waiting, and again he ran up and down stairs, through all the halls and corridors; and half the court ran with him, for they did not like the idea of being trampled upon. There was a great inquiry about this wonderful nightingale, whom all the world knew, but who was unknown to the court.

At last they met with a poor little girl in the kitchen, who said, “Oh, yes, I know the nightingale quite well; indeed, she can sing. Every evening I have permission to take home to my poor sick mother the scraps from the table; she lives down by the sea-shore, and as I come back I feel tired, and I sit down in the wood to rest, and listen to the nightingale’s song. Then the tears come into my eyes, and it is just as if my mother kissed me.”

“Little maiden,” said the lord-in-waiting, “I will obtain for you constant employment in the kitchen, and you shall have permission to see the emperor dine, if you will lead us to the nightingale; for she is invited for this evening to the palace.”

So she went into the wood where the nightingale sang, and half the court followed her. As they went along, a cow began lowing.

“Oh,” said a young courtier, “now we have found her; what wonderful power for such a small creature; I have certainly heard it before.”

“No, that is only a cow lowing,” said the little girl; “we are a long way from the place yet.”

Then some frogs began to croak in the marsh.

“Beautiful,” said the young courtier again. “Now I hear it, tinkling like little church bells.”

“No, those are frogs,” said the little maiden; “but I think we shall soon hear her now:”

And presently the nightingale began to sing.

“Hark, hark! there she is,” said the girl, “and there she sits,” she added, pointing to a little gray bird who was perched on a bough.

“Is it possible?” said the lord-in-waiting, “I never imagined it would be a little, plain, simple thing like that. She has certainly changed color at seeing so many grand people around her.”

“Little nightingale,” cried the girl, raising her voice, “our most gracious emperor wishes you to sing before him.”

“With the greatest pleasure,” said the nightingale, and began to sing most delightfully.

“It sounds like tiny glass bells,” said the lord-in-waiting, “and see how her little throat works. It is surprising that we have never heard this before; she will be a great success at court.”

“Shall I sing once more before the emperor?” asked the nightingale, who thought he was present.

“My excellent little nightingale,” said the courtier, “I have the great pleasure of inviting you to a court festival this evening, where you will gain imperial favor by your charming song.”

“My song sounds best in the green wood,” said the bird; but still she came willingly when she heard the emperor’s wish.

The palace was elegantly decorated for the occasion. The walls and floors of porcelain glittered in the light of a thousand lamps. Beautiful flowers, round which little bells were tied, stood in the corridors: what with the running to and fro and the draught, these bells tinkled so loudly that no one could speak to be heard.

In the centre of the great hall, a golden perch had been fixed for the nightingale to sit on. The whole court was present, and the little kitchen-maid had received permission to stand by the door. She was not installed as a real court cook. All were in full dress, and every eye was turned to the little gray bird when the emperor nodded to her to begin.

The nightingale sang so sweetly that the tears came into the emperor’s eyes, and then rolled down his cheeks, as her song became still more touching and went to every one’s heart. The emperor was so delighted that he declared the nightingale should have his gold slipper to wear round her neck, but she declined the honor with thanks: she had been sufficiently rewarded already.

“I have seen tears in an emperor’s eyes,” she said, “that is my richest reward. An emperor’s tears have wonderful power, and are quite sufficient honor for me;” and then she sang again more enchantingly than ever.

“That singing is a lovely gift;” said the ladies of the court to each other; and then they took water in their mouths to make them utter the gurgling sounds of the nightingale when they spoke to any one, so thay they might fancy themselves nightingales. And the footmen and chambermaids also expressed their satisfaction, which is saying a great deal, for they are very difficult to please. In fact the nightingale’s visit was most successful.

She was now to remain at court, to have her own cage, with liberty to go out twice a day, and once during the night. Twelve servants were appointed to attend her on these occasions, who each held her by a silken string fastened to her leg. There was certainly not much pleasure in this kind of flying.

The whole city spoke of the wonderful bird, and when two people met, one said “nightin,” and the other said “gale,” and they understood what was meant, for nothing else was talked of. Eleven peddlers’ children were named after her, but not of them could sing a note.

One day the emperor received a large packet on which was written “The Nightingale.”

“Here is no doubt a new book about our celebrated bird,” said the emperor. But instead of a book, it was a work of art contained in a casket, an artificial nightingale made to look like a living one, and covered all over with diamonds, rubies, and sapphires. As soon as the artificial bird was wound up, it could sing like the real one, and could move its tail up and down, which sparkled with silver and gold. Round its neck hung a piece of ribbon, on which was written “The Emperor of China’s nightingale is poor compared with that of the Emperor of Japan’s.”

“This is very beautiful,” exclaimed all who saw it, and he who had brought the artificial bird received the title of “Imperial nightingale-bringer-in-chief.”

“Now they must sing together,” said the court, “and what a duet it will be.”

But they did not get on well, for the real nightingale sang in its own natural way, but the artificial bird sang only waltzes. “That is not a fault,” said the music-master, “it is quite perfect to my taste,” so then it had to sing alone, and was as successful as the real bird; besides, it was so much prettier to look at, for it sparkled like bracelets and breast-pins.

Thirty three times did it sing the same tunes without being tired; the people would gladly have heard it again, but the emperor said the living nightingale ought to sing something. But where was she? No one had noticed her when she flew out at the open window, back to her own green woods.

“What strange conduct,” said the emperor, when her flight had been discovered; and all the courtiers blamed her, and said she was a very ungrateful creature. “But we have the best bird after all,” said one, and then they would have the bird sing again, although it was the thirty-fourth time they had listened to the same piece, and even then they had not learnt it, for it was rather difficult. But the music-master praised the bird in the highest degree, and even asserted that it was better than a real nightingale, not only in its dress and the beautiful diamonds, but also in its musical power.

“For you must perceive, my chief lord and emperor, that with a real nightingale we can never tell what is going to be sung, but with this bird everything is settled. It can be opened and explained, so that people may understand how the waltzes are formed, and why one note follows upon another.”

“This is exactly what we think,” they all replied, and then the music-master received permission to exhibit the bird to the people on the following Sunday, and the emperor commanded that they should be present to hear it sing. When they heard it they were like people intoxicated; however it must have been with drinking tea, which is quite a Chinese custom. They all said “Oh!” and held up their forefingers and nodded, but a poor fisherman, who had heard the real nightingale, said, “it sounds prettily enough, and the melodies are all alike; yet there seems something wanting, I cannot exactly tell what.”

And after this the real nightingale was banished from the empire.

The artificial bird was placed on a silk cushion close to the emperor’s bed. The presents of gold and precious stones which had been received with it were round the bird, and it was now advanced to the title of “Little Imperial Toilet Singer,” and to the rank of No. 1 on the left hand; for the emperor considered the left side, on which the heart lies, as the most noble, and the heart of an emperor is in the same place as that of other people. The music-master wrote a work, in twenty-five volumes, about the artificial bird, which was very learned and very long, and full of the most difficult Chinese words; yet all the people said they had read it, and understood it, for fear of being thought stupid and having their bodies trampled upon.

So a year passed, and the emperor, the court, and all the other Chinese knew every little turn in the artificial bird’s song; and for that same reason it pleased them better. They could sing with the bird, which they often did. The street-boys sang, “Zi-zi-zi, cluck, cluck, cluck,” and the emperor himself could sing it also. It was really most amusing.

One evening, when the artificial bird was singing its best, and the emperor lay in bed listening to it, something inside the bird sounded “whizz.” Then a spring cracked. “Whir-r-r-r” went all the wheels, running round, and then the music stopped.

The emperor immediately sprang out of bed, and called for his physician; but what could he do? Then they sent for a watchmaker; and, after a great deal of talking and examination, the bird was put into something like order; but he said that it must be used very carefully, as the barrels were worn, and it would be impossible to put in new ones without injuring the music. Now there was great sorrow, as the bird could only be allowed to play once a year; and even that was dangerous for the works inside it. Then the music-master made a little speech, full of hard words, and declared that the bird was as good as ever; and, of course no one contradicted him.

Five years passed, and then a real grief came upon the land. The Chinese really were fond of their emperor, and he now lay so ill that he was not expected to live. Already a new emperor had been chosen and the people who stood in the street asked the lord-in-waiting how the old emperor was.

But he only said, “Pooh!” and shook his head.

Cold and pale lay the emperor in his royal bed; the whole court thought he was dead, and every one ran away to pay homage to his successor. The chamberlains went out to have a talk on the matter, and the ladies’-maids invited company to take coffee. Cloth had been laid down on the halls and passages, so that not a footstep should be heard, and all was silent and still. But the emperor was not yet dead, although he lay white and stiff on his gorgeous bed, with the long velvet curtains and heavy gold tassels. A window stood open, and the moon shone in upon the emperor and the artificial bird.

The poor emperor, finding he could scarcely breathe with a strange weight on his chest, opened his eyes, and saw Death sitting there. He had put on the emperor’s golden crown, and held in one hand his sword of state, and in the other his beautiful banner. All around the bed and peeping through the long velvet curtains, were a number of strange heads, some very ugly, and others lovely and gentle-looking. These were the emperor’s good and bad deeds, which stared him in the face now Death sat at his heart.

“Do you remember this?” “Do you recollect that?” they asked one after another, thus bringing to his remembrance circumstances that made the perspiration stand on his brow.

“I know nothing about it,” said the emperor. “Music! music!” he cried; “the large Chinese drum! that I may not hear what they say.”

But they still went on, and Death nodded like a Chinaman to all they said.

“Music! music!” shouted the emperor. “You little precious golden bird, sing, pray sing! I have given you gold and costly presents; I have even hung my golden slipper round your neck. Sing! sing!”

But the bird remained silent. There was no one to wind it up, and therefore it could not sing a note. Death continued to stare at the emperor with his cold, hollow eyes, and the room was fearfully still.

Suddenly there came through the open window the sound of sweet music. Outside, on the bough of a tree, sat the living nightingale. She had heard of the emperor’s illness, and was therefore come to sing to him of hope and trust. And as she sung, the shadows grew paler and paler; the blood in the emperor’s veins flowed more rapidly, and gave life to his weak limbs; and even Death himself listened, and said, “Go on, little nightingale, go on.”

“Then will you give me the beautiful golden sword and that rich banner? and will you give me the emperor’s crown?” said the bird.

So Death gave up each of these treasures for a song; and the nightingale continued her singing. She sung of the quiet churchyard, where the white roses grow, where the elder-tree wafts its perfume on the breeze, and the fresh, sweet grass is moistened by the mourners’ tears. Then Death longed to go and see his garden, and floated out through the window in the form of a cold, white mist.

“Thanks, thanks, you heavenly little bird. I know you well. I banished you from my kingdom once, and yet you have charmed away the evil faces from my bed, and banished Death from my heart, with your sweet song. How can I reward you?”

“You have already rewarded me,” said the nightingale. “I shall never forget that I drew tears from your eyes the first time I sang to you. These are the jewels that rejoice a singer’s heart. But now sleep, and grow strong and well again. I will sing to you again.”

And as she sung, the emperor fell into a sweet sleep; and how mild and refreshing that slumber was!

When he awoke, strengthened and restored, the sun shone brightly through the window; but not one of his servants had returned– they all believed he was dead; only the nightingale still sat beside him, and sang.

“You must always remain with me,” said the emperor. “You shall sing only when it pleases you; and I will break the artificial bird into a thousand pieces.”

“No; do not do that,” replied the nightingale; “the bird did very well as long as it could. Keep it here still. I cannot live in the palace, and build my nest; but let me come when I like. I will sit on a bough outside your window, in the evening, and sing to you, so that you may be happy, and have thoughts full of joy. I will sing to you of those who are happy, and those who suffer; of the good and the evil, who are hidden around you. The little singing bird flies far from you and your court to the home of the fisherman and the peasant’s cot. I love your heart better than your crown; and yet something holy lingers round that also. I will come, I will sing to you; but you must promise me one thing.”

“Everything,” said the emperor, who, having dressed himself in his imperial robes, stood with the hand that held the heavy golden sword pressed to his heart.

“I only ask one thing,” she replied; “let no one know that you have a little bird who tells you everything. It will be best to conceal it.”

So saying, the nightingale flew away.

The servants now came in to look after the dead emperor; when, lo! there he stood, and, to their astonishment, said, “Good morning.”

END

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