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O. HENRY: LET ME FEEL YOUR PULSE

OHENRY11_01

Let Me Feel Your Pulse
by O. Henry

 

So I went to a doctor.

“How long has it been since you took any alcohol into your system?” he asked.

Turning my head sideways, I answered, “Oh, quite a while.”

He was a young doctor, somewhere between twenty and forty. He wore heliotrope socks, but he looked like Napoleon. I liked him immensely.

“Now,” said he, “I am going to show you the effect of alcohol upon your circulation.” I think it was “circulation” he said; though it may have been “advertising.”

He bared my left arm to the elbow, brought out a bottle of whisky, and gave me a drink. He began to look more like Napoleon. I began to like him better.

Then he put a tight compress on my upper arm, stopped my pulse with the fingers, and squeezed a rubber bulb connected with an apparatus on a stand that looked like a thermometer. The mercury jumped up and down without seeming to stop anywhere; but the doctor said it registered two hundred and thirty- seven or one hundred and sixty-five or some such number.

“Now,” said he, “you see what alcohol does to the blood-pressure.”

“It’s marvellous,” said I, “but do you think it a sufficient test? Have one on me, and let’s try the other arm.” But, no!

Then he grasped my hand. I thought I was doomed and he was saying good-bye. But all he wanted to do was to jab a needle into the end of a finger and compare the red drop with a lot of fifty-cent. Poker chips that he had fastened to a card.

“It’s the hæmoglobin test,” he explained. “The colour of your blood is wrong.”

“Well,” said I, “I know it should be blue; but this is a country of mix-ups. Some of my ancestors were cavaliers; but they got thick with some people on Nantucket Island, so—”

“I mean,” said the doctor, “that the shade of red is too light.”

“Oh,” said I, “it’s a case of matching instead of matches.”

The doctor then pounded me severely in the region of the chest. When he did that I don’t know whether he reminded me most of Napoleon or Battling or Lord Nelson. Then he looked grave and mentioned a string of grievances that the flesh is heir to—most ending in “itis.” I immediately paid him fifteen dollars on account.

“Is or are it or some or any of them necessarily fatal?” I asked. I thought my connection with the matter justified my manifesting a certain amount of interest.

“All of them,” he answered cheerfully. “But their progress may be arrested. With care and proper continuous treatment you may live to be eighty-five or ninety.”

I began to think of the doctor’s bill. “Eighty-five would be sufficient, I am sure,” was my comment. I paid him ten dollars more on account.

“The first thing to do,” he said, with renewed animation, “is to find a sanatorium where you will get a complete rest for awhile, and allow your nerves to get into a better condition. I myself will go with you and select a suitable one.”

O. Henry
(1862 – 1910)
Let Me Feel Your Pulse
fleursdumal.nl magazine

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KAROLINE VON GÜNDERRODE: BRIEFE ZWEIER FREUNDE

Handschrift_Guenderrode2

Karoline von Günderrode
(1780 – 1806)

Briefe zweier Freunde

An Eusebio

Mit Freude denk ich oft zurück an den Tag, an welchem wir uns zuerst fanden, als ich Dir mit einer ehrfurchtsvollen Verlegenheit entgegentrat wie ein lehrbegieriger Laie dem Hohenpriester. Ich hatte es mir vorgesetzt, Dir womöglich zu gefallen, und das Bewußtsein meines eigenen Wertes wäre mir in seinen Grundfesten erschüttert worden, hättest Du Dich gleichgültig von mir abgewendet; wie es mir aber gelang, Dich mit solchem Maße für mich zu gewinnen, begreife ich noch nicht; mein eigner Geist muß bei jener Unterredung zwiefach über mir gewesen sein. Mit ihr ist mir ein neues Leben aufgegangen, denn erst in Dir habe ich jene wahrhafte Erhebung zu den höchsten Anschauungen, in welchen alles Weltliche als ein wesenloser Traum verschwindet, als einen herrschenden Zustand gefunden. In Dir haben mir die höchsten Ideen auch eine irdische Realität erlangt. Wir andern Sterblichen müssen erst fasten und uns leiblich und geistig zubereiten, wenn wir zum Mahle des Herrn gehen wollen, Du empfängst den Gott täglich ohne diese Anstalten.

Mir, o Freund! sind die himmlischen Mächte nicht so günstig, und oft bin ich mißmutig und weiß nicht, über wen ich es am meisten sein soll, ob über mich selbst oder über diese Zeit, denn auch sie ist arm an begeisternden Anschauungen für den Künstler jeder Art; alles Große und Gewaltige hat sich an eine unendliche Masse, unter der es beinah verschwindet, ausgeteilt. Unselige Gerechtigkeit des Schicksals! Damit keiner prasse und keiner hungere, müssen wir uns alle in nüchterner Dürftigkeit behelfen. Ist es da auch noch ein Wunder, wenn die Ökonomie in jedem Sinn und in allen Dingen zu einer so beträchtlichen Tugend herangewachsen ist. Diese Erbärmlichkeit des Lebens, laß es uns gestehen, ist mit dem Protestantismus aufgekommen. Sie werden alle zum Kelch hinzugelassen, die Laien wie die Geweihten, darum kann niemand genugsam trinken, um des Gottes voll zu werden, der Tropfen aber ist keinem genug; da wissen sie denn nicht, was ihnen fehlt, und geraten in ein Disputieren und Protestieren darüber. – Doch was sage ich Dir das! angeschaut im Fremden hast Du diese Zeitübel wohl schon oft, aber sie können Dich nicht so berühren, da Du sie nur als Gegensatz mit Deiner eigensten Natur sehen kannst und kein Gegensatz durch sie in Dich selbst gekommen ist. Genug also von dem aufgeblasenen Jahrhundert, an dessen Torheiten noch ferne Zeiten erkranken werden. Rückwärts in schönre Tage laß uns blicken, die gewesen. Vielleicht sind wir eben jetzt auf einer Bildungsstufe angelangt, wo unser höchstes und würdigstes Bestreben sich dahin richten sollte, die großen Kunstmeister der Vorwelt zu verstehen und mit dem Reichtum und der Fülle ihrer poesiereichen Darstellungen unser dürftiges Leben zu befruchten. Denn abgeschlossen sind wir durch enge Verhältnisse von der Natur, durch engere Begriffe vom wahren Lebensgenuß, durch unsere Staatsformen von aller Tätigkeit im Großen. So fest umschlossen ringsum, bleibt uns nur übrig, den Blick hinauf zu richten zum Himmel oder brütend in uns selbst zu wenden. Sind nicht beinahe alle Arten der neuern Poesie durch diese unsere Stellung bestimmt? Liniengestalten entweder, die körperlos hinaufstreben, im unendlichen Raum zu zerfließen, oder bleiche, lichtscheue Erdgeister, die wir grübelnd aus der Tiefe unsers Wesens heraufbeschwören; aber nirgends kräftige, markige Gestalten. Der Höhe dürfen wir uns rühmen und der Tiefe, aber behagliche Ausdehnung fehlt uns durchaus. Wie Shakespeare’s Julius Cäsar möcht ich rufen: «Bringt fette Leute zu mir, und die ruhig schlafen, ich fürchte diesen hagern Cassius.» Da ich nun selbst nicht über die Schranken meiner Zeit hinausreiche, dünkt es Dir nicht besser für mich, den Weg eigner poetischer Produktion zu verlassen und ein ernsthaftes Studium der Poeten der Vorzeit und besonders des Mittelalters zu beginnen? Ich weiß zwar, daß es mir Mühe kosten wird, ich werde gleichsam einen Zweig aus meiner Natur herausschneiden müssen, denn ich schaue mich am fröhlichsten in einem Produkt meines Geistes an und habe nur wahrhaftes Bewußtsein durch dieses Hervorgebrachte; aber um etwas desto gewisser zu gewinnen, muß man stets ein anderes aufgeben, das ist ein allgemeines Schicksal, und es soll mich nicht erschrecken. Eins aber hat mir stets das innerste Gemüt schmerzlich angegriffen, es ist dies: daß hinter jedem Gipfel sich der Abhang verbirgt; dieser Gedanke macht mir die Freude bleich in ihrer frischesten Jugend und mischt in all mein Leben eine unnennbare Wehmut. Darum erfreut mich jeder Anfang mehr als das Vollendete, und nichts berührt mich so tief wie das Abendrot; mit ihm möcht ich jeden Abend versinken, in der gleichen Nacht, um nicht sein Verlöschen zu überleben. Glückliche! denen vergönnt ist zu sterben in der Blüte der Freude, die aufstehen dürfen vom Mahle des Lebens, ehe die Kerzen bleich werden und der Wein sparsamer perlt. Eusebio! wenn mir auch dereinst das freundliche Licht Deines Lebens erlöschen sollte, o! dann nimm mich gütig mit wie der göttliche Pollux den sterblichen Bruder, und laß mich gemeinsam mit Dir in den Orkus gehen und mit Dir zu den unsterblichen Göttern, denn nicht möcht ich leben ohne Dich, der Du meiner Gedanken und Empfindungen liebster Inhalt bist, um den sich alle Formen und Blüten meines Seins herumwinden, wie das labyrinthische Geäder um das Herz, das sie all’ erfüllt und durchglüht.

Fragmente aus Eusebios Antwort

– Gestalt hat nur für uns, was wir überschauen können; von dieser Zeit aber sind wir umfangen, wie Embryonen von dem Leibe der Mutter, was können wir also von ihr Bedeutendes sagen? Wir sehen einzelne Symptome, hören Einen Pulsschlag des Jahrhunderts, und wollen daraus schließen, es sei erkrankt. Eben diese uns bedenklich scheinenden Anzeichen gehören vielleicht zu der individuellen Gesundheit dieser Zeit. Jede Individualität aber ist ein Abgrund von Abweichungen, eine Nacht, die nur sparsam von dem Licht allgemeiner Begriffe erleuchtet wird. Darum Freund! weil wir nur wenige Züge von dem unermeßlichen Teppich sehen, an welchem der Erdgeist die Zeiten hindurch webt, darum laß uns bescheiden sein. Es gibt eine Ergebung, in der allein Seligkeit und Vollkommenheit und Friede ist, eine Art der Betrachtung, welche ich Auflösung im Göttlichen nennen möchte; dahin zu kommen laß uns trachten und nicht klagen um die Schicksale des Universums. Damit Du aber deutlicher siehst, was ich damit meine, so sende ich Dir hiermit einige Bücher über die Religion der Hindu. Die Wunder uralter Weisheit, in geheimnisvollen Symbolen niedergelegt, werden Dein Gemüt berühren, es wird Augenblicke geben, in welchen Du Dich entkleidet fühlst von dieser persönlichen Einzelheit und Armut und wieder hingegeben dem großen Ganzen; wo Du es mehr als nur denkst, daß Alles, was jetzt Sonne und Mond ist, und Blume und Edelstein, und Äther und Meer, ein Einziges ist, ein Heiliges, das in seinen Tiefen ruht ohne Aufhören, selig in sich selbst, sich selbst ewig umfangend, ohne Wunsch nach dem Tun und Leiden der Zweiheit, die seine Oberfläche bewegt. In solchen Augenblicken, wo wir uns nicht mehr besinnen können, weil das, was das einzelne und irdische Bewußtsein weckt, dem äußern Sinn verschwunden ist unter der Herrschaft der Betrachtung des Innern; in solchen Augenblicken versteh ich den Tod, der Religion Geheimnis, das Opfer des Sohnes und der Liebe unendliches Sehnen. Ist es nicht ein Winken der Natur, aus der Einzelheit in die gemeinschaftliche Allheit zurückzukehren, zu lassen das geteilte Leben, in welchem die Wesen etwas für sich sein wollen und doch nicht können? Ich erblicke die rechte Verdammnis in dem selbstsüchtigen Stolz, der nicht ruhen konnte in dem Schoß des Ewigen, sondern ihn verlassend seine Armut und Blöße decken wollte mit der Mannigfaltigkeit der Gestalten und Baum wurde und Stein und Metall und Tier und der begehrliche Mensch.

GUNDERRODE011Ja, auch das, o Freund! was sie alle nicht ohne Murren und Zweifeln betrachten mögen, das trübere Alter, ich verstehe seinen höheren Sinn jetzt. Entwickeln soll sich im Lauf der Jahre das persönliche Leben, sich ergötzen im für sich sein, seinen Triumph feiern in der Blüte der Jugend; aber absterben sollen wir im Alter dieser Einzelheit, darum schwinden die Sinne, bleicher wird das Gedächtnis, schwächer die Begierde, und des Daseins fröhlicher Mut trübt sich in Ahndungen der nahen Auflösung. – Es sind die äußeren Sinne, die uns mannigfaltige Grade unsers Gegensatzes mit der fremden Welt deutlich machen. Wenn aber die Scheidewand der Persönlichkeit zerfällt, mögen sie immerhin erlöschen; denn es bedarf des Auges nicht, unser Inneres und was mit ihm Eins ist zu schauen; auch ohne Ohr können wir die Melodie des ewigen Geistes vernehmen; und das Gedächtnis ist für die Vergangenheit, es ist das Organ des Wissens von uns selbst im Wechsel der Zeiten. Wo aber nicht die Zeit ist, nicht Vergangenes noch Künftiges, sondern ewige Gegenwart, da bedarfs der Erinnerung nicht. Was uns also abstirbt im Alter, ist die Vollkommenheit unseres Verhältnisses zur Außenwelt; abgelebt mögen also die wohl im Alter zu nennen sein, die von nichts wußten als diesem Verhältnis. – So fürchte ich höhere Jahre nicht, und der Tod ist mir willkommen; und zu dieser Ruhe der Betrachtung in allen Dingen zu gelangen, sei das Ziel unseres Strebens. – Deutlich liegt Deine Bahn vor mir, Geliebtester! Denn erkannt habe ich Dich vom ersten Augenblick unserer Annäherung, die, das Bewußtsein wird mir immer bleiben, von Gott gefügt war; nie habe ich so das Angesicht eines Menschen zum erstenmal angesehen, nie solch Gefühl bei einer menschlichen Stimme gehabt; und dies Göttliche und Notwendige ist mir immer geblieben im Gedanken an Dich; und so weiß ich auch, was notwendig ist in Dir und für Dich, und wie Du ganz solltest leben in der Natur, der Poesie und einer göttlichen Weisheit. Ich weiß, daß es Dir nicht geziemt, Dir so ängstliche Studien vorzuschreiben. Die großen Kunstmeister der Vorwelt sind freilich da, um gelesen und verstanden zu werden, aber, wenn von Kunst- Schulen die Frage ist, so sage ich, sie sind dagewesen, jene Meister, eben deswegen sollen sie nicht noch einmal wiedergeboren werden; die unendliche Natur will sich stets neu offenbaren in der unendlichen Zeit. In der Fülle der Jahrhunderte ist Brahma oftmals erschienen, aber in immer neuen Verwandlungen; dieselbe Gestalt hat er nie wieder gewählt. So tue und dichte doch jeder das, wozu er berufen ist, wozu der Geist ihn treibt, und versage sich keinen Gesang als den mißklingenden. Doch zag’ ich im Ernste nicht für Dich, die strebende Kraft wird den, welchen sie bewohnt, nicht ruhen lassen; es wird ihm oft wehe und bange werden ums Herz, bis die neugeborene Idee gestillet hat des Gebärens Schmerz und Sehnsucht.

Gestern lebte ich ein paar selige Stunden recht über der Erde, ich hatte einen Berg erstiegen, an dessen Umgebungen jede Spur menschlichen Anbaus zu Zweck und Nutzen verschwand; es ward mir wohl und heiter. Zwei herrliche Reiher schwebend über mir badeten ihre sorgenfreie Brust in blauer Himmelsluft. Ach! wer doch auch schon so dem Himmel angehörte, dachte ich da, und klein schien mir alles Irdische. In solchen Augenblicken behält nur das Ewige Wert, der schaffende Genius und das heilige Gemüt; da dacht ich Dein, wie immer, wenn die Natur mich berührt; oft gab ich dem Flusse, wenn der Sonne letzte Strahlen ihn erhellen, Gedanken an Dich mit, als würden seine Wellen sie zu Dir tragen und dein Haupt umspielen. Leb wohl, in meinen besten Stunden bin ich stets bei dir. –

An Eusebio

Eine der größten Epochen meines kleinen Lebens ist vorübergegangen, Eusebio! ich habe auf dem Scheidepunkt gestanden zwischen Leben und Tod. Was sträubt sich doch der Mensch, sagte ich in jenen Augenblicken zu mir selbst, vor dem Sterben? ich freue mich auf jede Nacht, indem ich das Unbewußtsein und dunkle Träume dem hellern Leben vorziehe; warum grauet mir doch vor der langen Nacht und dem tiefen Schlummer? Welche Taten warten noch meiner, oder welche bessere Erkenntnis auf Erden, daß ich länger leben müßte? – Eine Notwendigkeit gebiert uns alle in die Persönlichkeit, eine gemeinsame Nacht verschlinget uns alle. Jahre werden mir keine bessere Weisheit geben, und wann Lernen, Tun und Leiden drunten noch Not tut, wird ein Gott mir geben, was ich bedarf. So sprach ich mir selbst zu, aber die Gedanken, die ich liebe, traten zu mir, und die Heroen, die ich angebetet hatte von Jugend auf: «Was willst Du am hohen Mittage die Nacht ersehnen?» riefen sie mir zu. «Warum untertauchen in dem alten Meer und darin zerrinnen mit allem, was Dir lieb ist?» So wechselten die Vorstellungen in mir, und Deiner gedacht ich, und immer Deiner, und fast alles andre nur in bezug auf Dich, und wenn anders den Sterblichen vergönnt ist, noch eines ihrer Güter aus dem Schiffbruch des irdischen Lebens zu retten, so hätte ich gewiß Dein Andenken mit hinabgenommen zu den Schatten. Daß Du mir aber könntest verloren sein, war der Gedanken schmerzlichster. Ich zagte, daß Dein Ich und das meine sollten aufgelöst werden in die alten Urstoffe der Welt; dann tröstete ich mich wieder, daß unsere befreundeten Elemente, dem Gesetze der Anziehung gehorchend, sich selbst im unendlichen Raume aufsuchen und zueinander gesellen würden. So wogten Hoffnung und Zweifel auf und nieder in meiner Seele, und Mut und Zagheit. Doch das Schicksal wollte – ich lebe noch. – Aber was ist es doch, das Leben? Dieses schon aufgegebene, wieder erlangte Gut! so frag ich mich oft: Was bedeutet es, daß aus der Allheit der Natur ein Wesen sich mit solchem Bewußtsein losscheidet und sich abgerissen von ihr fühlt? Warum hängt der Mensch mit solcher Stärke an Gedanken und Meinungen, als seien sie das Ewige, warum kann er sterben für sie, da doch für ihn eben dieser Gedanke mit seinem Tode verloren ist? und warum, wenn gleichwohl diese Gedanken und Begriffe dahinsterben mit den Individuen, warum werden sie von denselben immer wieder aufs neue hervorgebracht und drängen sich so durch die Reihen des aufeinanderfolgenden Geschlechtes zu einer Unsterblichkeit in der Zeit? Lange wußt’ ich diesen Fragen nicht Antwort, und sie verwirrten mich; da war mir plötzlich in einer Offenbarung alles deutlich und wird es mir ewig bleiben. Zwar weiß ich, das Leben ist nur das Produkt der innigsten Berührung und Anziehung der Elemente; weiß, daß alle seine Blüten und Blätter, die wir Gedanken und Empfindungen nennen, verwelken müssen, wenn jene Berührung aufgelöst wird, und daß das einzelne Leben dem Gesetz der Sterblichkeit dahingegeben ist; aber so gewiß mir dieses ist, ebenso über allem Zweifel ist mir auch das andre, die Unsterblichkeit des Lebens im Ganzen; denn dieses Ganze ist eben das Leben, und es wogt auf und nieder in seinen Gliedern, den Elementen, und was es auch sei, das durch Auflösung (die wir zuweilen Tod nennen) zu denselben zurückgegangen ist, das vermischt sich mit ihnen nach Gesetzen der Verwandtschaft, d. h. das Ähnliche zu dem Ähnlichen. Aber anders sind diese Elemente geworden, nachdem sie einmal im Organismus zum Leben hinaufgetrieben gewesen, sie sind lebendiger geworden; wie zwei, die sich in langem Kampf übten, stärker sind, wenn er geendet hat, als ehe sie kämpften, so die Elemente, denn sie sind lebendig, und jede lebendige Kraft stärkt sich durch Übung. Wenn sie also zurückkehren zur Erde, vermehren sie das Erdleben. Die Erde aber gebiert den ihr zurückgegebenen Lebensstoff in andern Erscheinungen wieder, bis durch immer neue Verwandlungen alles Lebensfähige in ihr ist lebendig geworden. Dies wäre, wenn alle Massen organisch würden. –

Guenderode - Letter2So gibt jeder Sterbende der Erde ein erhöhteres, entwickelteres Elementarleben zurück, welches sie in aufsteigenden Formen fortbildet; und der Organismus, indem er immer entwickeltere Elemente in sich aufnimmt, muß dadurch immer vollkommener und allgemeiner werden. So wird die Allheit lebendig durch den Untergang der Einzelheit, und die Einzelheit lebt unsterblich fort in der Allheit, deren Leben sie lebend entwickelte und nach dem Tode selbst erhöht und mehrt und so durch Leben und Sterben die Idee der Erde realisieren hilft. Wie also auch meine Elemente zerstreut werden mögen, wenn sie sich zu schon Lebendem gesellen, werden sie es erhöhen; wenn zu dem, dessen Leben noch dem Tode gleicht, so werden sie es beseelen. Und wie mir deucht, Eusebio, so entspricht die Idee der Indier von der Seelenwanderung dieser Meinung; nur dann erst dürfen die Elemente nicht mehr wandern und suchen, wann die Erde die ihr angemessene Existenz, die organische, durchgehende erlangt hat. Alle bis jetzt hervorgebrachten Formen müssen aber wohl dem Erdgeist nicht genügen, weil er sie immer wieder zerbricht und neue sucht; die ihm ganz gleichen würde er nicht zerstören können, eben weil sie ihm gleich und von ihm untrennbar wären. Diese vollkommene Gleichheit des inneren Wesens mit der Form kann, wie mir scheint, überhaupt nicht in der Mannigfaltigkeit der Formen erreicht werden; das Erdwesen ist nur eines, so dürfte also seine Form auch nur eine, nicht verschiedenartig sein; und ihr eigentliches wahres Dasein würde die Erde erst dann erlangen, wann sich alle ihre Erscheinungen in einem gemeinschaftlichen Organismus auflösen würden; wann Geist und Körper sich so durchdrängen, daß alle Körper, alle Form auch zugleich Gedanken und Seele wäre und aller Gedanke zugleich Form und Leib und ein wahrhaft verklärter Leib, ohne Fehl und Krankheit und unsterblich; also ganz verschieden von dem, was wir Leib oder Materie nennen, indem wir ihm Vergänglichkeit, Krankheit, Trägheit und Mangelhaftigkeit beilegen, denn diese Art von Leib ist gleichsam nur ein mißglückter Versuch, jenen unsterblichen göttlichen Leib hervorzubringen. – Ob es der Erde gelingen wird, sich so unsterblich zu organisieren, weiß ich nicht. Es kann in ihren Urelementen ein Mißverhältnis von Wesen und Form sein, das sie immer daran hindert; und vielleicht gehört die Totalität unseres Sonnensystems dazu, um dieses Gleichgewicht zustande zu bringen; vielleicht reicht dieses wiederum nicht zu, und es ist eine Aufgabe für das gesamte Universum.

In dieser Betrachtungsweise, Eusebio, ist mir nun auch deutlich geworden, was die großen Gedanken von Wahrheit, Gerechtigkeit, Tugend, Liebe und Schönheit wollen, die auf dem Boden der Persönlichkeit keimen und, ihn bald überwachsend, sich hinaufziehen nach dem freien Himmel, ein unsterbliches Gewächs, das nicht untergehet mit dem Boden, auf dem es sich entwickelte, sondern immer neu sich erzeugt im neuen Individuum, denn es ist das Bleibende, Ewige, das Individuum aber das zerbrechliche Gefäß für den Trank der Unsterblichkeit. – Denn, laß es uns genauer betrachten, Eusebio, alle Tugenden und Trefflichkeiten, sind sie nicht Annäherungen zu jenem höchst vollkommenen Zustand, soviel die Einzelheit sich ihm nähern kann? Die Wahrheit ist doch nur der Ausdruck des sich selbst gleichseins überhaupt, vollkommen wahr ist also nur das Ewige, das keinem Wechsel der Zeiten und Zustände unterworfen ist. Die Gerechtigkeit ist das Streben, in der Vereinzelung untereinander gleich zu sein. Die Schönheit ist der äußere Ausdruck des erreichten Gleichgewichtes mit sich selbst. Die Liebe ist die Versöhnung der Persönlichkeit mit der Allheit; und die Tugend aller Art ist nur eine, d. h. ein Vergessen der Persönlichkeit und Einzelheit für die Allheit. Durch Liebe und Tugend also wird schon hier auf eine geistige Weise der Zustand der Auflösung der Vielheit in der Einheit vorbereitet, denn wo Liebe ist, da ist nur ein Sinn, und wo Tugend, ist einerlei Streben nach Taten der Gerechtigkeit, Güte und Eintracht. Was aber sich selbst gleich ist und äußerlich und innerlich den Ausdruck dieses harmonischen Seins an sich trägt und selbst dieser Ausdruck ist, was eins ist und nicht zerrissen in Vielheit, das ist gerade jenes Vollkommene, Unsterbliche und Unwandelbare, jener Organismus, den ich als das Ziel der Natur, der Geschichte und der Zeiten, kurz des Universums betrachte. Durch jede Tat der Unwahrheit, Ungerechtigkeit und Selbstsucht wird jener selige Zustand entfernt und der Gott der Erde in neue Fesseln geschlagen, der seine Sehnsucht nach besserem Leben in jedem Gemüt durch Empfänglichkeit für das Treffliche ausspricht, im verletzten Gewissen aber klagt, daß sein seliges, göttliches Leben noch fern sei.

Karoline Günderrode: Briefe zweier Freunde
fleursdumal.nl magazine

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O. HENRY: AN UNFINISHED STORY

OHENRY11_01An Unfinished Story
by O. Henry

We no longer groan and heap ashes upon our heads when the flames of Tophet are mentioned. For, even the preachers have begun to tell us that God is radium, or ether or some scientific compound, and that the worst we wicked ones may expect is a chemical reaction. This is a pleasing hypothesis; but there lingers yet some of the old, goodly terror of orthodoxy.

There are but two subjects upon which one may discourse with a free imagination, and without the possibility of being controverted. You may talk of your dreams; and you may tell what you heard a parrot say. Both Morpheus and the bird are incompetent witnesses; and your listener dare not attack your recital. The baseless fabric of a vision, then, shall furnish my theme—chosen with apologies and regrets instead of the more limited field of Pretty Polly’s small talk.

I had a dream that was so far removed from the higher criticism that it had to do with the ancient, respectable, and lamented bar-of-judgment theory.

Gabriel had played his trump; and those of us who could not follow suit were arraigned for examination. I noticed at one side a gathering of professional bondsmen in solemn black and collars that buttoned behind; but it seemed there was some trouble about their real estate titles; and they did not appear to be getting any of us out.

A fly cop—an angel policeman—flew over to me and took me by the left wing. Near at hand was a group of very prosperous-looking spirits arraigned for judgment.

“Do you belong with that bunch?” the policeman asked.

“Who are they?” was my answer.

“Why,” said he, “they are—”

But this irrelevant stuff is taking up space that the story should occupy.

Dulcie worked in a department store. She sold Hamburg edging, or stuffed peppers, or automobiles, or other little trinkets such as they keep in department stores. Of what she earned, Dulcie received six dollars per week. The remainder was credited to her and debited to somebody else’s account in the ledger kept by G—Oh, primal energy, you say, Reverend Doctor—Well then, in the Ledger of Primal Energy.

During her first year in the store, Dulcie was paid five dollars per week. It would be instructive to know how she lived on that amount. Don’t care? Very well; probably you are interested in larger amounts. Six dollars is a larger amount. I will tell you how she lived on six dollars per week.

One afternoon at six, when Dulcie was sticking her hat-pin within an eighth of an inch of her medulla oblongata, she said to her chum, Sadie—the girl that waits on you with her left side:

“Say, Sade, I made a date for dinner this evening with Piggy.”

“You never did!” exclaimed Sadie admiringly. “Well, ain’t you the lucky one? Piggy’s an awful swell; and he always takes a girl to swell places. He took Blanche up to the Hoffman House one evening, where they have swell music, and you see a lot of swells. You’ll have a swell time, Dulcie.”

Dulcie hurried off homeward. Her eyes were shining, and her cheeks showed the delicate pink of life’s—real life’s—approaching dawn. It was Friday; and she had fifty cents of her last week’s wages.

The streets were filled with the rush-hour floods of people. The electric lights of Broadway were glowing—calling moths from miles, from leagues, from hundreds of leagues out of darkness around to come in and attend the singeing school. Men in accurate clothes, with faces like those carved on cherry-stones.

O. Henry
(1862 – 1910)
An Unfinished Story
fleursdumal.nl magazine

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IN MEMORIAM HENK HOFLAND (1927 – 2016)

hoflandhenk-12Henk Hofland (1927 – 2016) was een Nederlandse journalist, columnist, essayist, romancier en schrijver.

Hofland ontving in 2011 de P.C. Hooft-prijs 2011 en werd in 1999 door zijn collega’s uitgeroepen tot de Nederlandse journalist van de twintigste eeuw. Henk Hofland schreef onder de naam H.J.A. Hofland, evenals onder de pseudoniemen S. (Samuel) Montag, K. van Hippel, H.W.S. Wuster en (eenmalig) Gronk.

Het bekendste journalistieke boek van Hofland was Tegels lichten (1972). Daarin behandelde hij zaken die de Nederlandse autoriteiten in de doofpot hadden proberen te stoppen, zoals de Greet Hofmansaffaire.

In 2011 ontving Henk Hofland de P.C. Hooftprijs voor zijn gehele oeuvre.

Op 21 juni 2016 overleed Henk Hofland thuis in zijn slaap.

hoflandhenk-11Bibliografie Henk Hofland
Geen tijd (op zoek naar oorzaken en gevolgen van het moderne tijdgebrek), essay, 1955, Uitgeverij Scheltema en Holkema
Vakantie (over zakelijke en onzakelijke kanten van de moderne volksverhuizing), essay, 1957, Uitgeverij Amsterdam
Opmerkingen over de chaos, essay, 1964, Uitgeverij De Bezige Bij
Waarom verdedigen wij ons, essay, 1964, Uitgeverij Nijgh & van Ditmar
Tegels lichten. of Ware verhalen over de autoriteiten in het land van de voldongen feiten, beschouwing, 1972, Uitgeverij Bert Bakker[12]
Prolegomena tot een nieuwe mens- en dierkunde, beschouwing, 1974, Uitgeverij Contact
Betrekkelijke kleinigheden (waarin opgenomen Mens en dier), 1976, Uitgeverij Contact
Boven en onder de grond op Schiermonnikoog, overdenking, 1979, Uitgeverij Rap
Twee helden uit de jaren zeventig, essay, 1979, Uitgeverij Bert Bakker
Een teken aan de wand, beschouwing, 1983, Uitgeverij Bert Bakker
De weg naar Jalta en terug (aan de Zwarte Zee werd 40 jaar geleden Europa verdeeld), beschouwing, 1984, Uitgeverij NRC
Orde bestaat niet (en is verderfelijk), essays, 1985, Uitgeverij De Bezige Bij
Het kruiend wereldbeeld, reisverslagen, 1987, Uitgeverij De Bezige Bij
Persvrijheid in Nederland (nederigheid is erger dan censuur), Coornhertrede, 1988, Uitgeverij Coornhertstichting
We passeerden het vrijheidsbeeld, 1989, Uitgeverij Amsterdam
Over en weer, schrijversbrieven, 1989, Uitgeverij Contact
De alibicentrale, roman, 1990, Uitgeverij De Bezige Bij
De Jupiter, roman, 1991, Uitgeverij De Bezige Bij
De wording van het Wilde Oosten, columns, Uitgeverij Amsterdam
Nacht over Alicante, roman, 1991, Uitgeverij De Bezige Bij
Man van zijn eeuw, roman, 1993, Uitgeverij De Bezige Bij
Het diepste punt van Nederland, 1993, Uitgeverij De Bezige Bij
De draagbare Hofland, verzameld werk, 1993, Prometheus
De elite verongelukt, essays, 1995, Uitgeverij De Bezige Bij
De tijden van Sem Presser (The times of Sem Presser), voetnoot, 2000, Uitgeverij Amsterdam
Het voorgekookt bestaan, essay over techniek, Vermeerlezing 2002 – Uitgeverij Bèta Imaginations
De Hollandse metamorfose, essay/fotoboek, 2002, Uitgeverij De Verbeelding
Op zoek naar de pool (het beste van H.J.A. Hofland), verzameld werk, 2002, Uitgeverij De Bezige Bij
Cicero Consultants (een scenario), politieke roman, 2007, Uitgeverij De Bezige Bij
De grote stilte, overdenkingen, 2007, Uitgeverij Damon
Jean Tinguely, Beeldende kunst, 2007, Uitgeverij Waanders
Rederij Hofland (bootjes, karretjes en machines om zelf te maken), 2008, Uitgeverij De Bezige Bij
Dikker en platter (met foto’s van Roel Visser), 2011, Uitgeverij Bas Lubberhuizen

Onder pseudoniem S. Montag:
Het gevoel van Columbus en andere overpeinzingen, 1982, Uitgeverij De Bezige Bij
Overpeinzingen, 1983, Uitgeverij Querido
De alibicentrale (een sprookje voor bedriegers), 1990
De Zippo van ’14-’18, verhalenbundel, 1991, Uitgeverij De Bezige Bij
De kronieken van S. Montag, 2010, Uitgeverij De Bezige Bij

Onder pseudoniem K. van Hippel:
Nederland een eigen bom, pamflet, 1965, Uitgeverij De Bezige Bij

21 juni 2016
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ZWEEDSE DICHTER EN ROMANSCHRIJVER LARS GUSTAFSSON (1936 – 2016) OVERLEDEN

lars_gustafssonDe Zweedse dichter en schrijver Lars Gustafsson is op 3 april 2016 op 79-jarige leeftijd overleden.

Een deel van zijn gedichten en romans zijn ook in het Nederlands vertaald, onder meer de romans De decaan, De mooie blanke armen van mevrouw Sorgedahl (Vertaling: Hoogland & Van Klaveren) en De dood van een een imker (Vertaling: Peter van der Velden).

Zijn gedichten, zoals de bundel De stilte van de wereld voor Bach, kregen ook in Nederland veel aandacht en waardering. Op de website van Terras zijn enige door Bernlef vertaalde gedichten te vinden. Op de site van Poetry International, waar hij meermalen te gast was, zijn enkele geluidsfragmenten van hem te beluisteren.

Mijn graf valt nog nergens te bekennen.
En dus zweef ook ik:
rust ook ik, onwetend van mijzelf,
in een luchtzee.

In memoriam Lars Gustafsson (1936 – 2016)

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AMERIKAANSE SCHRIJVER EN DICHTER JIM HARRISON (78) OVERLEDEN

De Amerikaanse schrijver Jim Harrison (1937 – 2016) overleed op 26 maart 2016 in zijn huis in Arizona. Harrison, geboren in Grayling, Michigan, werd gerekend tot een van de grootste nog levende schrijvers. Zijn vrouw, Linda King Harrison, overleed afgelopen najaar na een huwelijk van meer dan vijftig jaar.

HARRISONJIMHarrison schreef romans, verhalen, kinderboeken, filmscenario’s, poëzie en essays. Zijn romans werden in meer dan 25 talen vertaald. Harrisons werk werd vaak vergeleken met dat van William Faulkner en Ernest Hemingway. Harrison was (net als Hemingway) een bevlogen jager en visser. Veel van zijn verhalen spelen in dunbevolkte streken in het westen van de VS waar de natuur overheerst.
Twee van Harrisons romans kregen een vervolg op het witte doek: Legends of the Fall (1994) en Revenge (1999). Zijn meest recente werk is The Ancient Minstrel (2016), drie romans over een oudere schrijver.

“In fact he was as lovesick as a high schooler of an especially sensitive sort who wonders if he dare share a poem with his beloved or whether she will laugh at him. He does read her the poem and her feminine capacity for romanticism for a moment approaches his own and they are suffused in a love trance, a state that so ineluctably peels back the senses making them fresh again whatever ages the lovers might be.”
― Jim Harrison, Legends of the Fall

Beknopte bibliografie
Fiction:
Wolf: A False Memoir (1971)
A Good Day to Die (1973)
Farmer (1976)
Legends of the Fall (Three novellas: “Revenge,” “The Man Who Gave Up His Name,” and “Legends of the Fall”) (1979)
Warlock (1981)
Sundog: The Story of an American Foreman, Robert Corvus Strang (1984)
Dalva (1988)
The Woman Lit By Fireflies (Three novellas: “Brown Dog,” “Sunset Limited,” and “The Woman Lit by Fireflies”) (1990)
Julip (Three novellas: “Julip,” “The Seven-Ounce Man,” and “The Beige Dolorosa”) (1994)
The Road Home (1998)
The Beast God Forgot to Invent (Three novellas: “The Beast God Forgot to Invent,” “Westward Ho,” and “I Forgot to Go to Spain”) (2000)
True North (2004)
The Summer He Didn’t Die (Three novellas: “The Summer He Didn’t Die,” “Republican Wives,” and “Tracking”) (2005)
Returning To Earth (2007)
The English Major (2008)
The Farmer’s Daughter (Three novellas: “The Farmer’s Daughter,” “Brown Dog Redux,” and “The Games of Night”) (2009)
The Great Leader (2011)
The River Swimmer (Two novellas: “The Land of Unlikeness” and “The River Swimmer”) (2013)
Brown Dog (2013)
The Big Seven (2015)
The Ancient Minstrel: Novellas (2016)

HARRISONJIM2Poetry:
Plain Song (1965)
Walking (1967)
Locations (1968)
Outlyer and Ghazals (1971)
Letters to Yesenin (1973)
Returning to Earth (Court Street Chapbook Series) (1977)
Selected and New Poems, 1961-1981 (Drawings by Russell Chatham) (1981)
Natural World: A Bestiary (1982)
The Theory & Practice of Rivers (1986)
The Theory & Practice of Rivers and New Poems (1989)
After Ikkyu and Other Poems (1996)
The Shape of the Journey: New and Collected Poems (Copper Canyon Press, 1998)
Braided Creek: A Conversation in Poetry (with Ted Kooser) (Copper Canyon Press, 2003)
Livingston Suite (Illustrated by Greg Keeler) (2005)
Saving Daylight (Copper Canyon Press, 2006)
In Search of Small Gods (Copper Canyon Press, 2009)
Songs of Unreason (Copper Canyon Press, 2011)
Dead Man’s Float (Copper Canyon Press, 2016)

 

Let’s not get romantic or dismal about death.
Indeed it’s our most unique act along with birth.
We must think of it as cooking breakfast,
it’s that ordinary. Break two eggs into a bowl
or break a bowl into two eggs. Slip into a coffin
after the fluids have been drained, or better yet,
slide into the fire. Of course it’s a little hard
to accept your last kiss, your last drink,
your last meal about which the condemned
can be quite particular as if there could be
a cheeseburger sent by God. (. . .)

[Jim Harrison: from SONGS OF UNREASON, Copper Canyon Press, 2011]

 

In Memoriam: Jim Harrison, 1937–2016

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MICHEL HOUELLEBECQ: ONDERWORPEN

hoeullebecq11Onderworpen
Michel Houellebecq

Een professor aan de Sorbonne, groot kenner van het oeuvre van Joris-Karl Huysmans, ziet zijn land in 2022 aan de vooravond van de presidentsverkiezingen steeds verder polariseren: een burgeroorlog lijkt onvermijdelijk. De traditionele partijen zijn uitgespeeld, de strijd gaat tussen het Front National en de Fraternité musulmane (Moslimbroederschap). Op de valreep doet een van de leiders een politiekemeesterzet. Na de kalme triomf van De kaart het gebied, waarmee hij de Prix Goncourt won, is Michel Houellebecq helemaal terug als Frankrijks grootste provocateur. Ook zijn bekende thema’s keren terug: liefde, seks, eenzaamheid… Maar voor het eerst eindigt hij met een verrassend majeurakkoord.

Michel Houellebecq: Onderworpen
Uitgeverij De Arbeiderspers, 2015
ISBN 9789029538619
Vertaling van Martin de Haan
Paperback, 224 pag.

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ARNON GRUNBERG À LA MAISON DE LA POÉSIE PARIS

Rencontre avec Arnon Grunberg et Marcela Iacub, le jeudi 17 septembre à 19h à la Maison de la Poésie Paris

grunberg_toutcru11Une rencontre franco-néerlandaise autour du roman d’Arnon Grunberg Tout cru (parution le 2 septembre 2015 aux éditions Actes Sud).

Virtuose des partitions inavouables de l’âme, l’écrivain néerlandais Arnon Grunberg est aujourd’hui mondialement reconnu. Avec Tout cru, il signe une comédie grinçante autour d’un personnage d’économiste qui, avec un mélange de séduction, de calcul et d’arrogance désinvoltes, mène un travail de recherche sur les bénéfices économiques générés par l’Holocauste.

Arnon Grunberg dialoguera avec Marcela Iacub, écrivain, chercheuse, essayiste et journaliste à Libération, autour des thématiques communes qu’explorent leurs ouvrages : entre monstruosité et banalité, de quoi les excès de notre époque sont-ils le nom ? Dans une société où cynisme et capitalisme semblent aller de pair, quel modèle subsiste pour penser la sexualité et l’amour?

La rencontre aura lieu en français et sera animée par Margot Dijkgraaf, chargée de la littérature et des débats auprès de l’ambassade des Pays-Bas en France.

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Jean-Louis Aubert & Michel Houellebecq – Performance

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Jean-Louis Aubert & Michel Houellebecq – Performance

Avant le démarrage de sa tournée officielle dans toute la France, Jean-Louis Aubert sera sur scène avec Michel Houellebecq pour une performance unique.

L’écrivain et le chanteur seront à la Maison de la Poésie le 13 septembre pour une soirée exceptionnelle autour des Parages du vide, le dernier album de Jean-Louis Aubert sorti en avril dernier, qui adapte des poèmes de Michel Houellebecq.

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Maison de la Poésie
Passage Molière
157, rue Saint-Martin
75003 Paris

Jean-Louis Aubert et Michel Houellebecq – Isolement [clip officiel]

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Märchen der Brüder Grimm: Die Sterntaler

Märchen der Brüder Grimm

Jacob Grimm (1785-1863) & Wilhelm Grimm (1786-1859)

 

Die Sterntaler

Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.

Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: “Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig.” Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: “Gott segne dir’s,” und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: “Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.” Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: “Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben,” und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.

Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.

ENDE

 

Die Märchen der Brüder Grimm

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Märchen der Brüder Grimm: Frau Trude

Märchen der Brüder Grimm

Jacob Grimm (1785-1863) & Wilhelm Grimm (1786-1859)

 

Frau Trude

Es war einmal ein kleines Mädchen, das war eigensinnig und vorwitzig, und wenn ihm seine Eltern etwas sagten, so gehorchte es nicht: wie konnte es dem gut gehen? Eines Tages sagte es zu seinen Eltern: “Ich habe so viel von der Frau Trude gehört, ich will einmal zu ihr hingehen, die Leute sagen, es sehe so wunderlich bei ihr aus, und erzählen, es seien so seltsame Dinge in ihrem Hause, da bin ich ganz neugierig geworden.” Die Eltern verboten es ihr streng und sagten: “Die Frau Trude ist eine böse Frau, die gottlose Dinge treibt, und wenn du zu ihr hingehst, so bist du unser Kind nicht mehr.” Aber das Mädchen kehrte sich nicht an das Verbot seiner Eltern und ging doch zu der Frau Trude. Und als es zu ihr kam, fragte die Frau Trude: “Warum bist du so bleich?” “Ach,” antwortete es und zitterte am Leibe, “ich habe mich so erschrocken über das, was ich gesehen habe.” “Was hast du gesehen?” “Ich sah auf Eurer Stiege einen schwarzen Mann.” “Das war ein Köhler.” “Dann sah ich einen grünen Mann.” “Das war ein Jäger.” “Danach sah ich einen blutroten Mann.” “Das war ein Metzger.” “Ach, Frau Trude, mir grauste, ich sah durchs Fenster und sah Euch nicht, wohl aber den Teufel mit feurigem Kopf.” “Oho,” sagte sie, “so hast du die Hexe in ihrem rechten Schmuck gesehen: ich habe schon lange auf dich gewartet und nach dir verlangt, du sollst mir leuchten.” Da verwandelte sie das Mädchen in einen Holzblock und warf ihn ins Feuer. Und als er in voller Glut war, setzte sie sich daneben, wärmte sich daran und sprach: “Das leuchtet einmal hell!”

ENDE

 

Die Märchen der Brüder Grimm

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Märchen der Brüder Grimm: Das Rätsel

Märchen der Brüder Grimm

Jacob Grimm (1785-1863) & Wilhelm Grimm (1786-1859)

 

Das Rätsel

Es war einmal ein Königssohn, der bekam Lust, in der Welt umherzuziehen, und nahm niemand mit als einen treuen Diener. Eines Tags geriet er in einen großen Wald, und als der Abend kam, konnte er keine Herberge finden und wußte nicht, wo er die Nacht zubringen sollte. Da sah er ein Mädchen, das nach einem kleinen Häuschen zuging, und als er näher kam, sah er, daß das Mädchen jung und schön war. Er redete es an und sprach ‘liebes Kind, kann ich und mein Diener in dem Häuschen für die Nacht ein Unterkommen finden?’ ‘Ach ja,’ sagte das Mädchen mit trauriger Stimme, ‘das könnt ihr wohl, aber ich rate euch nicht dazu; geht nicht hinein.’ ‘Warum soll ich nicht?’ fragte der Königssohn. Das Mädchen seufzte und sprach ‘meine Stiefmutter treibt böse Künste, sie meints nicht gut mit den Fremden.’ Da merkte er wohl, daß er zu dem Hause einer Hexe gekommen war, doch weil es finster ward und er nicht weiter konnte, sich auch nicht fürchtete, so trat er ein. Die Alte saß auf einem Lehnstuhl beim Feuer und sah mit ihren roten Augen die Fremden an. ‘Guten Abend,’ schnarrte sie und tat ganz freundlich, ‘laßt euch nieder und ruht euch aus.’ Sie blies die Kohlen an, bei welchen sie in einem kleinen Topf etwas kochte. Die Tochter warnte die beiden, vorsichtig zu sein, nichts zu essen und nichts zu trinken, denn die Alte braue böse Getränke. Sie schliefen ruhig bis zum frühen Morgen. Als sie sich zur Abreise fertig machten und der Königssohn schon zu Pferde saß, sprach die Alte ‘warte einen Augenblick, ich will euch erst einen Abschiedstrank reichen.’ Während sie ihn holte, ritt der Königssohn fort, und der Diener, der seinen Sattel festschnallen mußte, war allein noch zugegen, als die böse Hexe mit dem Trank kam. ‘Das bring deinem Herrn,’ sagte sie, aber in dem Augenblick sprang das Glas, und das Gift spritzte auf das Pferd, und war so heftig, daß das Tier gleich tot hinst ürzte. Der Diener lief seinem Herrn nach und erzählte ihm, was geschehen war, wollte aber den Sattel nicht im Stich lassen und lief zurück, um ihn zu holen. Wie er aber zu dem toten Pferde kam, saß schon ein Rabe darauf und fraß davon. ‘Wer weiß, ob wir heute noch etwas Besseres finden,’ sagte der Diener, tötete den Raben und nahm ihn mit. Nun zogen sie in dem Walde den ganzen Tag weiter, konnten aber nicht herauskommen. Bei Anbruch der Nacht fanden sie ein Wirtshaus und gingen hinein. Der Diener gab dem Wirt den Raben, den er zum Abendessen bereiten sollte. Sie waren aber in eine Mördergrube geraten, und in der Dunkelheit kamen zwölf Mörder und wollten die Fremden umbringen und berauben. Ehe sie sich aber ans Werk machten, setzten sie sich zu Tisch, und der Wirt und die Hexe setzten sich zu ihnen, und sie aßen zusammen eine Schüssel mit Suppe, in die das Fleisch des Raben gehackt war. Kaum aber hatten sie ein paar Bissen hinuntergeschluckt, so fielen sie alle tot nieder, denn dem Raben hatte sich das Gift von dem Pferdefleisch mitgeteilt. Es war nun niemand mehr im Hause übrig als die Tochter des Wirts, die es redlich meinte und an den gottlosen Dingen keinen Teil genommen hatte. Sie öffnete dem Fremden alle Türen und zeigte ihm die angehäuften Schätze. Der Königssohn aber sagte, sie möchte alles behalten, er wollte nichts davon, und ritt mit seinem Diener weiter.

Nachdem sie lange herumgezogen waren, kamen sie in eine Stadt, worin eine schöne, aber übermütige Königstochter war, die hatte bekanntmachen lassen, wer ihr ein Rätsel vorlegte, das sie nicht erraten könnte, der sollte ihr Gemahl werden: erriete sie es aber, so müßte er sich das Haupt abschlagen lassen. Drei Tage hatte sie Zeit, sich zu besinnen, sie war aber so klug, daß sie immer die vorgelegten Rätsel vor der bestimmten Zeit erriet. Schon waren neune auf diese Weise umgekommen, als der Königssohn anlangte und, von ihrer großen Schönheit geblendet, sein Leben daransetzen wollte. Da trat er vor sie hin und gab ihr sein Rätsel auf, ‘was ist das,’ sagte er, ‘einer schlug keinen und schlug doch zwölfe.’ Sie wußte nicht, was das war, sie sann und sann, aber sie brachte es nicht heraus: sie schlug ihre Rätselbücher auf, aber es stand nicht darin: kurz, ihre Weisheit war zu Ende. Da sie sich nicht zu helfen wußte, befahl sie ihrer Magd, in das Schlafgemach des Herrn zu schleichen, da sollte sie seine Träume behorchen, und dachte, er rede vielleicht im Schlaf und verrate das Rätsel. Aber der kluge Diener hatte sich statt des Herrn ins Bett gelegt, und als die Magd herankam, riß er ihr den Mantel ab, in den sie sich verhüllt hatte, und jagte sie mit Ruten hinaus. In der zweiten Nacht schickte die Königstochter ihre Kammerjungfer, die sollte sehen, ob es ihr mit Horchen besser glückte, aber der Diener nahm auch ihr den Mantel weg und jagte sie mit Ruten hinaus. Nun glaubte der Herr für die dritte Nacht sicher zu sein und legte sich in sein Bett, da kam die Königstochter selbst, hatte einen nebelgrauen Mantel umgetan und setzte sich neben ihn. Und als sie dachte, er schliefe und träumte, so redete sie ihn an und hoffte, er werde im Traume antworten, wie viele tun: aber er war wach und verstand und hörte alles sehr wohl. Da fragte sie ‘einer schlug keinen, was ist das?’ Er antwortete ‘ein Rabe, der von einem toten und vergifteten Pferde fraß und davon starb.’ Weiter fragte sie ‘und schlug doch zwölfe, was ist das?’ ‘Das sind zwölf Mörder, die den Raben verzehrten und daran starben.’ Als sie das Rätsel wußte, wollte sie sich fortschleichen, aber er hielt ihren Mantel fest, daß sie ihn zurücklassen mußte. Am andern Morgen verkündigte die Königstochter, sie habe das Rätsel erraten, und ließ die zwölf Richter kommen und löste es vor ihnen. Aber der Jüngling bat sich Gehör aus und sagte ‘sie ist in der Nacht zu mir geschlichen und hat mich ausgefragt, denn sonst hätte sie es nicht erraten.’ Die Richter sprachen ‘bringt uns ein Wahrzeichen.’ Da wurden die drei Mäntel von dem Diener herbeigebracht, und als die Richter den nebelgrauen erblickten, den die Königstochter zu tragen pflegte, so sagten sie ‘laßt den Mantel sticken mit Gold und Silber, so wirds Euer Hochzeitsmantel sein.’

ENDE

 

Die Märchen der Brüder Grimm

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