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SIbylla Schwarz

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Sibylla SCHWARZ: Ohne die Liebste ist keine Freude

Sibylla Schwarz
Ohne die Liebste ist keine Freude

Kan die Welt auch wohl bestehen
ohn der Sonnen klahres Liecht?
kan man in der Nacht auch sehen,
wenn da Stern und Mond gebricht?
kan ein Schiffman auch wohl lachen
wenn sein Schiff begündt zu krachen?

Eben wenig kan ich leben,
wenn mir meine Dorile,
nicht ihr klares Liecht wil geben;
Eben wenig ich besteh,
wenn sie nicht mein Schiff regieret,
und durch ihre Freundschafft führet.

Springt ein Rehbock bey der Mutter,
mehr nicht, als er sonsten tuht?
hat ein Pferd bey vollem Futter,
auch nicht einen frischen Muht?
Also kan ich besser leben,
wenn ihr Liecht mir wird gegeben.

Zweyen Herzen, die sich lieben,
ist die allerhöchste Pein,
und das grösseste Betrüben,
wenn sie nicht zusammen sein,
weil sie sonsten nichts gedencken,
alß nur Arm in Arm zu schrenken.

Wie die Ulmen üm den Reben
gleichsam als verliebt sich drehn:
Also wündsch ich auch, mein Leben,
bey dir umgefast zu stehn,
und dir etwas vor zusagen
von den süssen Liebes=Plagen.

Darüm wil ich mich bemühen
auff mein Fretow hinzuziehn,
und mein Leben selbst nicht fliehen,
weil ich sonst erstorben bin,
alß denn wird sie mich erfreuen,
und mir meinen Geist verneuen.

Darüm wil ich gerne lassen
der Tollense Liebligkeit,
wil mein Leben selbst nicht hassen,
weil es nuhr erlaubt die Zeit;
weg mit disen schlechten Auen,
ich wil bald mein Fretow schauen.

Sibylla Schwarz (1621 – 1638)
Gedicht: Ohne die Liebste ist keine Freude
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Sibylla SCHWARZ: Wie kan der Liebe Joch doch süß und lieblich seyn

Sibylla Schwarz
Wie kan der Liebe Joch doch süß und lieblich seyn

Wie kan der Liebe Joch doch süß und lieblich seyn,
weil manches Herze pflegt vohn ihren Schmertzen sagen,
und über ihre Last, und tieffe Wunden klagen?
wie ist dan süße das, das allen bringet Pein,
das wie ein starckes Gifft die Hertzen nimmet ein,
das manchen Helden würgt, ihr vihl auch heist verzagen?
wie kan uns das alsdan doch Frewd und Lust erjagen?
Nein, nein, der Liebe Tranck ist bitter Wermuhtwein.
Doch gleichwohl ist sie süß, weil vielen wird gegeben,
durch ihre Süßigkeit, ein angenehmes Leben.
Drüm / schließ ich, ist die Lieb ein angenehmes Leid;
(wiewohl eß selten kompt, daß wiedrig’ Eigenschafften
an einem Dinge nuhr zu gleiche können hafften)
die Liebe heisst und ist die süße Bitterkeit.

Sibylla Schwarz (1621 – 1638)
Gedicht: Wie kan der Liebe Joch doch süß und lieblich seyn
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Sibylla SCHWARZ: Sonnet

 

Sibylla Schwarz
Sonnet
(Daphne aus der Schäfererzählung: Faunus)

Hier hab ich nun mein sehnliches Verlangen:
hier liegt mein Lieb, hier ligt mein ander ich:
hier giebt das Glück sich selbst gefangen mich:
hier mag ich nun mein Lieb vielmahl umfangen:
hier mag ich nun auch küssen seine Wangen:
Cupido hört mein Klagen inniglich,
und wil nun auch so hülffreich zeigen sich;
Nun mag ich wohl mit meinem Glücke prangen;
die Venus zeigt mir iezt ein guhtes Ziel,
ich wil nur selbst, nicht was ich gerne wil;
O Blödigkeit, du must nur von mir weichen!
weil du hir bist, wärt meine grosse Pein;
Wer lieben wil, mus nicht so blöde seyn,
sonst kan er nicht der Liebe Lohn erreichen.

Sibylla Schwarz (1621 – 1638)
Gedicht: Sonnet
(Daphne aus der Schäfererzählung: Faunus)
(Blödigkeit bedeutet Schüchternheit)
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Sibylla SCHWARZ: Auß dem Lied vohn der beständigen Liebe

Sibylla Schwarz
Auß dem Lied vohn der beständigen Liebe

Wol dem, der also ist verliebet,
daß seine Liebe nimmer weicht!
Wer sich der Wanckelmuht ergiebet,
der ist eß, der dem Mond sich gleicht.
Der Neidt, der sonst die Liebe bricht,
der bricht doch meine Liebe nicht.

Soll mich dan nuhn der Neidt betrügen,
mich der kein Tod abschrecken kan?
soll mich die Welt mit ihrem Liegen
izt führen eine frembde Bahn?
Der Neidt, der sonst die Liebe bricht,
der bricht doch meine Liebe nicht.

Das ist eß, das wir armen klagen:
Wan einer sich ein Ziel erkießt,
so bald wil ihn der Neidt verjagen,
der aller Liebe Schewsahl ist:
Der Neid der sonst die Liebe bricht,
der bricht doch meine Liebe nicht.

Will nuhn der Neid das Brodt mir nehmen,
und denckt mich damit abzuziehn,
was will ich mich doch darümb grähmen,
die Lieb ernehrt mich immer hin;
Der Neidt der sonst die Liebe bricht,
der bricht doch meine Liebe nicht.

Will mich der Neidt in grünen Zeiten,
da meine Jugend Blumen trägt,
schon in Verzweiflungs Banden leiten,
eh ich mit Reiff und Schnee bedeckt?
Der Neidt, der sonst die Liebe bricht,
der bricht doch meine Liebe nicht.

Bin ich der ärmste zwahr im Lande,
bin ich zwahr der, dem Geld gebricht,
so nehm ich Armuht für die Schande,
die Armuht tuht der Liebe nicht:
der Neid, der sonst die Liebe bricht,
der bricht doch meine Liebe nicht.

Wan mir nuhr gibt mein Liecht, mein Leben
die Hand voll Lieb und trewer Gunst,
wil ich doch nicht dis kleine geben
ümb aller Welt Gelt, Guht und Kunst:
der Neidt, der sonst die Liebe bricht,
der bricht doch meine Liebe nicht.

Hiemit wil ich die Seuffzer enden;
Gelück, ich geb dir guhte Nacht
du magst dich links und rechts ümbwenden,
Ich bin der, der des Glückes lacht,
und vohn der Liebe lass ich nicht,
biß daß der Tod sie selber bricht.

Sibylla Schwarz (1621 – 1638)
Gedicht: Auß dem Lied vohn der beständigen Liebe
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SIBYLLA SCHWARZ: CLORIS

SCHWARZ_SIBYLLE

Sibylla Schwarz
(1621 – 1638)

Cloris

Cloris
deine rohte Wangen
deiner Augen helles Licht
und dein Purpurangesicht
hält mich nuhn nicht mehr gefangen.

Ich kan nicht mehr an dir hangen
weil du dich erbarmest nicht
ob mir schon mein Hertze bricht;
deiner schnöden Hoffart Prangen

und dein hönisches Gemüht
krencket mir mein jung Geblüht

daß ich dich wil gerne meiden
wan mich meine Galate
die mir macht dis süße Weh
wil in ihren Diensten leiden.

Sibylla Schwarz poetry
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SIBYLLA SCHWARZ: POËTEN GEHN DEM UNADELICHEN ADEL WEIT VOHR

SCHWARZ_SIBYLLE

Sibylla Schwarz
(1621 – 1638)

Poëten gehn
dem unadelichen Adel
weit vohr

Ob zwar mein schlechter Leib
zu deme sich muß halten
was schlecht und niedrig ist
und lassen alles walten
was reiche Güter hat
was grossen Titul führet
was Weißheit
Kunst und Lob mit
blassem Ansehn zieret.
So bleibt dennoch mein Sinn
allzeit am Himmel kleben
da ein Poëte kan
ohn Schimpff und Schaden leben
da niemand sagen kan: Sih
diser geht dich für!
da keine Leumder sein
da bloß des Himmels Zier
mit ihnen Sprache helt
da alles muß erbleichen
da ein vom Adel muß
dem schlechsten Diener weichen.
Und wenn ein hoher Heldt
bey seinem Degen geht
der sehe sich wohl für
daß er ja feste steht;
denn wer
auß Hoffahrt nur
den Degen angehencket
dem wird gemeinlich auch
der Schwerdter Schmach geschenket
und wenn die Hoffart denn
wird endlich untergehn
wird der Poëten Volck
doch immer oben stehn.

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SIBYLLA SCHWARZ: DIE LIEB IST BLIND

SCHWARZ_SIBYLLE

Sibylla Schwarz
(1621 – 1638)

Die Lieb ist Blind

Die Lieb ist blind
und gleichwohl kan sie sehen
hat ein Gesicht
und ist doch stahrenblind
sie nennt sich groß
und ist ein kleines Kind
ist wohl zu Fuß
und kan dannoch nicht gehen.

Doch diss muß man auff ander’ art verstehen:
sie kan nicht sehn
weil ihr Verstand zerrint
und weil das Aug des Herzens ihr verschwindt
so siht sie selbst nicht
was ihr ist geschehen.

Das
was sie liebt
hat keinen Mangel nicht
wie wohl ihm mehr
als andern
offt gebricht.

Das
was sie liebt
kan ohn Gebrechen leben;
doch weil man hier ohn Fehler nichtes find
so schließ ich fort: Die Lieb ist sehend blind:
sie siht selbst nicht
und kans Gesichte geben.

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SIBYLLA SCHWARZ: WER KAN JEDERMAN GEFALLEN?

SCHWARZ_SIBYLLE

Sibylla Schwarz
(1621 – 1638)

Wer kan jederman gefallen?

Ob schon des Höchsten Hand
die ganze Welt versehen
daß nicht es drinn gebricht
doch sol noch in der Welt
gebohren werden der
der allen wohl gefält
und eh der lebend wird
wird wohl die Welt vergehen.

Sibylla Schwarz poetry
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