In this category:

    FLEURSDUMAL POETRY LIBRARY - classic, modern, experimental & visual & sound poetry, poetry in translation, city poets, poetry archive, pre-raphaelites, editor's choice, etc.
    POETRY ARCHIVE
    Archive K-L
    TOMBEAU DE LA JEUNESSE - early death: writers, poets & artists who died young
    Heinrich von Kleist
    FLEURSDUMAL POETRY LIBRARY - classic, modern, experimental & visual & sound poetry, poetry in translation, city poets, poetry archive, pre-raphaelites, editor's choice, etc.
    CLASSIC POETRY
    Kleist, Heinrich von

New on FdM

  1. Bert Bevers: Gouy (Gedicht)
  2. Agnita Feis: Oorlog (gedicht)
  3. Georg Trakl: An die Melancholie (Gedicht)
  4. Marcel Schwob: Sonnet Pour Lui (Poème)
  5. August Stramm: Schön (Gedicht)
  6. The Dream by Mary Shelley
  7. Victor Hugo: Le Poëte (Poème)
  8. Lord Byron: It is the hour (Poem)
  9. Gladys Cromwell: The Gates of Utterance (Poem)
  10. Karel van de Woestijne: Gelijk een arme, blinde hond (Gedicht)

Or see the index

All categories

  1. AUDIO, CINEMA, RADIO & TV (121)
  2. DANCE (50)
  3. DICTIONARY OF IDEAS (162)
  4. EXHIBITION – art, art history, photos, paintings, drawings, sculpture, ready-mades, video, performing arts, collages, gallery, etc. (1,353)
  5. FICTION & NON-FICTION – books, booklovers, lit. history, biography, essays, translations, short stories, columns, literature: celtic, beat, travesty, war, dada & de stijl, drugs, dead poets (2,714)
  6. FLEURSDUMAL POETRY LIBRARY – classic, modern, experimental & visual & sound poetry, poetry in translation, city poets, poetry archive, pre-raphaelites, editor's choice, etc. (3,752)
  7. LITERARY NEWS & EVENTS – art & literature news, in memoriam, festivals, city-poets, writers in Residence (1,418)
  8. MONTAIGNE (97)
  9. MUSEUM OF LOST CONCEPTS – invisible poetry, conceptual writing, spurensicherung (47)
  10. MUSEUM OF NATURAL HISTORY – department of ravens & crows, birds of prey, riding a zebra (88)
  11. MUSEUM OF PUBLIC PROTEST (75)
  12. MUSIC (165)
  13. PRESS & PUBLISHING (72)
  14. REPRESSION OF WRITERS, JOURNALISTS & ARTISTS (87)
  15. STORY ARCHIVE – olv van de veestraat, reading room, tales for fellow citizens (16)
  16. STREET POETRY (39)
  17. THEATRE (172)
  18. TOMBEAU DE LA JEUNESSE – early death: writers, poets & artists who died young (231)
  19. ULTIMATE LIBRARY – danse macabre, ex libris, grimm & co, fairy tales, art of reading, tales of mystery & imagination, sherlock holmes theatre, erotic poetry, ideal women (170)
  20. WAR & PEACE (65)
  21. · (4)

Or see the index



  1. Subscribe to new material: RSS

Heinrich von Kleist: Das letzte Lied

Heinrich von Kleist

(1777-1811)

 

Das letzte Lied

 

Fernab am Horizont, auf Felsenrissen,

Liegt der gewitterschwarze Krieg getürmt;

Die Blitze zucken schon, die Ungewissen,

Der Wandrer sucht das Laubdach, das ihn schirmt;

Und wie ein Strom, geschwellt von Regengüssen,

Aus seines Ufers Bette heulend stürmt,

Kommt das Verderben mit entbundnen Wogen

Auf alles, was besteht, herangezogen.

 

Der alten Staaten graues Prachtgerüste

Sinkt donnernd ein, von ihm hinweggespült,

Wie auf der Heide Grund ein Wurmgeniste,

Von einem Knaben scharrend weggewühlt;

Und wo das Leben um der Menschen Brüste

In tausend Lichtern jauchzend hat gespielt,

Ist es so lautlos jetzt wie in den Reichen,

Durch die die Wellen des Cocytus schleichen.

 

Und ein Geschlecht, von düsterm Haar umflogen,

Tritt aus der Nacht, das keinen Namen führt,

Das, wie ein Hirngespinst der Mythologen,

Hervor aus der Erschlagnen Knochen stiert;

Das ist geboren nicht und nicht erzogen

Vom alten, das im deutschen Land regiert:

Das läßt in Tönen, wie der Nord an Strömen,

Wenn er im Schilfrohr seufzet, sich vernehmen.

 

Und du, o Lied voll unnennbarer Wonnen,

Das das Gefühl so wunderbar erhebt,

Das, einer Himmelsurne wie entronnen,

Zu den entzückten Ohren niederschwebt,

Bei dessen Klang empor ins Reich der Sonnen,

Von allen Banden frei, die Seele strebt:

Dich trifft der Todespfeil; die Parzen winken,

Und stumm ins Grab mußt du daniedersinken.

 

Ein Götterkind, bekränzt im Jugendreigen,

Wirst du nicht mehr von Land zu Lande ziehn,

Nicht mehr in unsre Tänze niedersteigen,

Nicht hochrot mehr bei unserm Mahl erglühn.

Und nur wo einsam unter Tannenzweigen

Zu Leichensteinen stille Pfade fliehn,

Wird Wanderern, die bei den Toten leben,

Ein Schatten deiner Schön’ entgegenschweben.

 

Und stärker rauscht der Sänger in die Saiten,

Der Töne ganze Macht lockt er hervor,

Er singt die Lust, fürs Vaterland zu streiten,

Und machtlos schlägt sein Ruf an jedes Ohr,

Und wie er flatternd das Panier der Zeiten

Sich näher pflanzen sieht, von Tor zu Tor,

Schließt er sein Lied; er wünscht mit ihm zu enden

Und legt die Leier tränend aus den Händen.

 

Heinrich von Kleist poetry

fleursdumal.nl magazine

More in: Archive K-L, Heinrich von Kleist, Kleist, Heinrich von

Previous and Next Entry

« | »

Thank you for reading FLEURSDUMAL.NL - magazine for art & literature