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Hölderlin, Friedrich

· Friedrich Hölderlin: An Stella · Hans Hermans photos: An die Natur · Friedrich Hölderlin Gedichte

Friedrich Hölderlin: An Stella

siddal-photo

Friedrich Hölderlin
(1770-1843)

An Stella

Du gute Stella! wähnest du mich beglückt,
Wann ich im Tale still und verlassen, und
Von dir vergessen wandle, wann in
Flüchtigen Freuden dein Leben hinhüpft?
Schon oft, wenn meine Brüder, die Glückliche,
So harmlos schliefen, blickt ich hinauf, und fragt
Im Geiste, ob ich glücklich seie –
Bin ich ein glücklicher Jüngling, Stella?
Es streut der Schöpfer seliges Lächeln oft
In meine Tage, gibt mir der heiligen
Empfindungen, der Freuden, recht zu
Handeln, so viele, der gute Schöpfer:
Doch gibt es Wünsche, denen der Spötter höhnt –
O Stella! du nicht! höhne dem Armen nicht! –
Gibt unerfüllte Wünsche – – Tugend,
Hehre Gefährtin! du kennst die Wünsche.
Ach laß mich weinen! – nein! ich will heiter sein!
Ist ja nimmer gewünscht wird, wo
Der Sterbliche sein Schicksal preiset, –
Dort ist es, wo ich dich wiedersehe.
Und stürb ich erst mit grauem, gebeugtem Haupt
Nach langem Sehnen, endlich erlöst zu sein,
Und sähe dich als Pilger nimmer,
Stella! so seh ich dich jenseits wieder.

Friedrich Hölderlin poetry
fleursdumal.nl magazine

More in: Archive G-H, Hölderlin, Friedrich


Hans Hermans photos: An die Natur

 

Friedrich Hölderlin

(1784-1843)

 

An die Natur


Da ich noch um deinen Schleier spielte,
Noch an dir, wie eine Blüte hing,
Noch dein Herz in jedem Laute fühlte,
Der mein zährtlichbebend Herz umfing,
Da ich noch mit Glauben und mit Sehnen
Reich, wie du, vor deinem Bilde stand,
Eine Stelle noch für meine Tränen,
Eine Welt für meine Liebe fand,

Da zur Sonne noch mein Herz sich wandte,
Als vernähme seine Töne sie,
Und die Sterne seine Brüder nannte
Und den Frühling Gottes Melodie,
Da im Hauche, der den Hain bewegte,
Noch dein Geist, dein Geist der Freude sich
In des Herzens stiller Welle regte,
Da umfingen goldne Tage mich.

Wenn im Tale, wo die Quell mich kühlte,
Wo der jugendlichen Sträuche Grün
Um die stillen Felsenwände spielte
Und der Aether durch die Zweige schien,
Wenn ich da, von Blüten übergossen,
Still und trunken ihren Othem trank
Und zu mir, von Licht und Glanz umflossen,
Aus den Höhn die goldne Wolke sank –

Wenn ich fern auf nackter Heide wallte,
Wo aus dämmernder Geklüfte Schoß
Der Titanensang der Ströme schallte
Und die Nacht der Wolken mich umschloß,
Wenn der Sturm mit seinen Wetterwogen
Mir vorüber durch die Berge fuhr
Und des Himmels Flammen mich umflogen,
Da erschienst du, Seele der Natur !

Oft verlor ich da mit trunknen Tränen
Liebend, wie nach langer Irre sich
In den Ozean die Ströme sehnen,
Schöne Welt ! in deiner Fülle mich;
Ach ! da stürzt ich mit den Wesen allen
Freudig aus der Einsamkeit der Zeit,
Wie ein Pilger in des Vaters Hallen,
In die Arme der Unendlichkeit.-

Seid gesegnet, goldne Kinderträume,
Ihr verbargt des Lebens Armut mir,
Ihr erzogt des Herzens gute Keime,
Was ich nie erringe, schenktet ihr !
O Natur ! an deiner Schönheit Lichte,
Ohne Müh und Zwang entfalteten
Sich der Liebe königliche Früchte,
Wie die Ernten in Arkadien.

Tot ist nun, die mich erzog und stillte,
Tot ist nun die jugendliche Welt,
Diese Brust, die einst ein Himmel füllte,
Tot und dürftig, wie ein Stoppelfeld;
Ach ! es singt der Frühling meinen Sorgen
Noch, wie einst, ein freundlich tröstend Lied,
Aber hin ist meines Lebens Morgen,
Meines Herzens Frühling ist verblüht.

Ewig muß die liebste Liebe darben,
Was wir liebten, ist ein Schatten nur,
Da der Jugend goldne Träume starben,
Starb für mich die freundliche Natur;
Das erfuhrst du nicht in frohen Tagen,
Daß so ferne dir die Heimat liegt,
Armes Herz, du wirst sie nie erfragen,
Wenn dir nicht ein Traum von ihr genügt.

 

Hans Hermans Natuurdagboek Augustus 2009

Photos: Hans Hermans

Gedicht Friedrich Hölderlin: An die Natur

kempis poetry magazine

More in: Hans Hermans Photos, Hölderlin, Friedrich, MUSEUM OF NATURAL HISTORY - department of ravens & crows, birds of prey, riding a zebra


Friedrich Hölderlin Gedichte

 

Friedrich Hölderlin

(1784-1843)

 

Dichterberuf                 

 

Des Ganges Ufer hörten des Freudengotts

     Triumph, als allerobernd vom Indus her

         Der junge Bacchus kam mit heilgem

             Weine vom Schlafe die Völker weckend.

 

Und du, des Tages Engel! erweckst sie nicht,

     Die jetzt noch schlafen? gib die Gesetze, gib

         Uns Leben, siege, Meister, du nur

             Hast der Eroberung Recht, wie Bacchus.

 

Nicht, was wohl sonst des Menschen Geschick und Sorg’

     Im Haus und unter offenem Himmel ist,

         Wenn edler, denn das Wild, der Mann sich

             Wehret und nährt! denn es gilt ein anders,

 

Zu Sorg’ und Dienst den Dichtenden anvertraut!

     Der Höchste, der ists, dem wir geeignet sind

         Daß näher, immerneu besungen

             Ihn die befreundete Brust vernehme.

 

Und dennoch, o ihr Himmlischen all und all

     Ihr Quellen und ihr Ufer und Hain’ und Höhn

         Wo wunderbar zuerst, als du die

             Locken ergriffen, und unvergeßlich

 

Der unverhoffte Genius über uns

     Der schöpferische, göttliche kam, daß stumm

         Der Sinn uns ward und, wie vom

             Strahle gerührt das Gebein erbebte,

 

Ihr ruhelosen Taten in weiter Welt!

     Ihr Schicksalstag’, ihr reißenden, wenn der Gott

         Stillsinnend lenkt, wohin zorntrunken

             Ihn die gigantischen Rosse bringen,

 

Euch sollten wir verschweigen, und wenn in uns

     Vom stetigstillen Jahre der Wohllaut tönt

         So sollt’ es klingen, gleich als hätte

             Mutig und müßig ein Kind des Meisters

 

Geweihte, reine Saiten im Scherz gerührt?

     Und darum hast du, Dichter! des Orients

         Propheten und den Griechensang und

             Neulich die Donner gehört, damit du

 

Den Geist zu Diensten brauchst und die Gegenwart

     Des Guten übereilest, in Spott, und den Albernen

         Verleugnest, herzlos, und zum Spiele

             Feil, wie gefangenes Wild, ihn treibest.

 

Bis aufgereizt vom Stachel im Grimme der

     Des Ursprungs sich erinnert und ruft, daß selbst

         Der Meister kommt, dann unter heißen

             Todesgeschossen entseelt dich lässet.

 

Zu lang ist alles Göttliche dienstbar schon

     Und alle Himmelskräfte verscherzt, verbraucht

         Die Gütigen, zur Lust, danklos, ein

             Schlaues Geschlecht und zu kennen wähnt es

 

Wenn ihnen der Erhabne den Acker baut

     Das Tagslicht und den Donnerer, und es späht

         Das Sehrohr wohl sie all und zählt und

             Nennet mit Namen des Himmels Sterne

 

Der Vater aber decket mit heilger Nacht,

     Damit wir bleiben mögen, die Augen zu.

         Nicht liebt er Wildes! doch es zwinget

             Nimmer die weite Gewalt den Himmel.

 

Noch ists auch gut, zu weise zu sein. Ihn kennt

     Der Dank. Doch nicht behält er es leicht allein,

         Und gern gesellt, damit verstehn sie

             Helfen, zu anderen sich ein Dichter.

 

Furchtlos bleibt aber, so er es muß, der Mann

     Einsam vor Gott, es schützet die Einfalt ihn,

         Und keiner Waffen brauchts und keiner

             Listen, so lange, bis Gottes Fehl hilft.

 

 


Dichtermut    
         

 

Sind denn dir nicht verwandt alle Lebendigen,

     Nährt die Parze denn nicht selber im Dienste dich?

         Drum, so wandle nur wehrlos

             Fort durchs Leben, und fürchte nichts!

 

Was geschiehet, es sei alles gesegnet dir,

     Sei zur Freude gewandt! oder was könnte denn

         Dich beleidigen, Herz! was

             Da begegnen, wohin du sollst?

 

Denn, seitdem der Gesang sterblichen Lippen sich

     Friedenatmend entwand, frommend in Leid und Glück

         Unsre Weise der Menschen

             Herz erfreute, so waren auch

 

Wir, die Sänger des Volks, gerne bei Lebenden

     Wo sich vieles geselle, freudig und jedem hold,

         Jedem offen; so ist ja

             Unser Ahne, der Sonnengott,

 

Der den fröhlichen Tag Armen und Reichen gönnt,

     Der in flüchtiger Zeit uns, die Vergänglichen,

         Aufgerichtet an goldnen

             Gängelbanden, wie Kinder, hält.

 

Ihn erwartet, auch ihn nimmt, wo die Stunde kömmt,

     Seine purpurne Flut; sieh! und das edle Licht

         Gehet, kundig des Wandels,

             Gleichgesinnet hinab den Pfad.

 

So vergehe denn auch, wenn es die Zeit einst ist

     Und dem Geiste sein Recht nirgend gebracht, so sterb’

         Einst im Ernste des Lebens

             Unsre Freude, doch schönen Tod!

 

 

More in: Hölderlin, Friedrich


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