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Schiller, Friedrich von

· TONEELGROEP AMSTERDAM speelt MARIA STUART van FRIEDRICH SCHILLER · Friedrich von Schiller: Der Kampf mit dem Drachen · Friedrich von Schiller: Die Künstler · Friedrich von Schiller: Die Entzückung an Laura · Friedrich von Schiller: Der Tanz · Friedrich von Schiller: An Goethe · Schiller: Das Mädchen aus der Fremde

TONEELGROEP AMSTERDAM speelt MARIA STUART van FRIEDRICH SCHILLER

mariastuart_schiller

 

Maria Stuart is een majestueus koninginnendrama waarin twee legendarische vorstinnen uit de Europese geschiedenis elkaar naar het leven staan: Elizabeth I van Engeland (Chris Nietvelt) en de katholieke Maria Stuart van Schotland (Halina Reijn).

Schiller schreef een bloedstollende reconstructie van de laatste dagen van Maria Stuart, veroordeeld wegens het beramen van een aanslag op Elizabeths leven en wachtend op haar executie. Haar gevangenschap is de culminatie van een jarenlange rivaliteit tussen de twee vorstinnen waarbij Maria zich voortdurend opwerpt als Engelse troonopvolger en zodoende zorgt voor een klimaat van achterdocht en dreiging. Schiller laat op subtiele wijze zien hoe Elizabeth net op het ogenblik dat ze haar aartsrivale definitief in haar macht heeft, terugdeinst voor de verantwoordelijkheid haar ter dood te brengen. Maria Stuart lijkt minder bang te sterven dan Elizabeth om haar te doden.

Achter de maskers van de politieke macht, gaan bij Schiller vrouwen schuil van vlees en bloed; vrouwen gefascineerd door elkaar maar ook gevangen in een web van onderlinge rivaliteit en jaloezie. De puriteinse, pragmatische Elizabeth herkent in de verfijnde, flamboyante Maria die de mannen in haar leven bespeelt en voor haar kar spant, eenzelfde eenzaamheid. Zo wordt Maria Stuart niet alleen een rijk geborsteld historisch drama over macht, ambitie en verantwoordelijkheid maar ook een intiem portret van twee vrouwen gevangen in het keurslijf van hun politieke rol.

Met zijn prachtige verzen en verfijnde psychologische karaktertekening vormt Maria Stuart een hoogtepunt in het oeuvre van Friedrich Schiller (1759-1805) en het Duitse classicisme.

acteurs: Chris Nietvelt, Eelco Smits, Halina Reijn, Hans Kesting, Jip van den Dool, Robert de Hoog, Katelijne Damen, Maarten Heijmans, Marc Van Eeghem, Matteo Simoni
auteur: Friedrich Schiller
vertaling: Barber van de Pol
dramaturgie: Jan Peter Gerrits
scenografie, lichtontwerp: Jan Versweyveld
muziek: Daniel Freitag
choreograaf: Emio Greco, Pieter C Scholten
kostuums: Wojciech Dziedzic
assistentie regie: Olivier Diepenhorst
assistentie scenografie: Bart Van Merode
castingadviezen: Hans Kemna
producent: Toneelgroep Amsterdam, Toneelhuis

mariastuart_schiller2TONEELGROEP AMSTERDAM
MARIA STUART
regisseur ivo van hove
van friedrich schiller
duur 2:45, incl. 1 pauze
première 03 dec 2014

# Website TGA speellijst

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More in: Archive S-T, Schiller, Friedrich von, THEATRE


Friedrich von Schiller: Der Kampf mit dem Drachen

Friedrich von Schiller

(1759-1805)

 

Der Kampf mit dem Drachen

 

Was rennt das Volk, was wälzt sich dort
Die langen Gassen brausend fort?
Stürzt Rhodus unter Feuers Flammen?
Es rottet sich im Sturm zusammen,
Und ein Ritter, hoch zu Ross,
Gewahr’ ich aus dem Menschentross;
Und hinter ihm, welch Abenteuer!
Bringt man geschleppt ein Ungeheuer;
Ein Drache scheint es von Gestalt,
Mit weitem Krokodilesrachen,
Und alles blickt verwundert bald
Den Ritter an und bald den Drachen.

   Und tausend Stimmen werden laut:
"Das ist der Lindwurm, kommt und schaut,
Der Hirt und Herden uns verschlungen!
Das ist der Held, der ihn bezwungen!
Viel’ andre zogen vor ihm aus,
Zu wagen den gewalt’gen Strauß,
Doch Keinen sah man wiederkehren;
Den kühnen Ritter soll man ehren!"
Und nach dem Kloster geht der Zug,
Wo Sankt Johanns, des Täufers, Orden,
Die Ritter des Spitals, im Flug
Zu Rate sind versammelt worden.

   Und vor den edeln Meister tritt
Der Jüngling mit bescheidnem Schritt;
Nachdrängt das Volk, mit wildem Rufen,
Erfüllend des Geländers Stufen.
Und Jener nimmt das Wort und spricht:
"Ich hab’ erfüllt die Ritterpflicht.
Der Drache, der das Land verödet,
Er liegt von meiner Hand getötet;
Frei ist dem Wanderer der Weg,
Der Hirte treibe ins Gefilde,
Froh walle auf dem Felsensteg
Der Pilger zu dem Gnadenbilde."

   Doch strenge blickt der Fürst ihn an,
Und spricht: "Du hast als Held getan;
Der Mut ist’s, der den Ritter ehret,
Du hast den kühnen Geist bewähret.
Doch sprich! Was ist die erste Pflicht
Des Ritters, der für Christum ficht,
Sich schmücket mit des Kreuzes Zeichen?"
Und Alle rings herum erbleichen.
Doch er, mit edlem Anstand, spricht,
Indem er sich errötend neiget:
"Gehorsam ist die erste Pflicht,
Die ihn des Schmuckes würdig zeiget."

   "Und diese Pflicht, mein Sohn," versetzt
Der Meister, "Hast du frech verletzt
Den Kampf, den das Gesetz versaget,
Hast du mit frevlem Mut gewaget!" –
"Herr, richte, wenn du Alles weißt,"
Spricht Jener mit gesetztem Geist,
"Denn des Gesetzes Sinn und Willen
Vermeint! ich treulich zu erfüllen.
Nicht unbedachtsam zog ich hin,
Das Ungeheuer zu bekriegen;
Durch List und klug gewandten Sinn
Versucht’ ich’s, in dem Kampf zu siegen."

"Fünf unsers Ordens waren schon,
Die Zierden der Religion,
Des kühnen Mutes Opfer worden:
Da wehrtest du den Kampf dem Orden.
Doch an dem Herzen nagten mir
Der Unmut und die Streitbegier,
Ja, selbst im Traum der stillen Nächte
Fand ich mich keuchend im Gefechte;
Und wenn der Morgen dämmernd kam
Und Kunde gab von neuen Plagen,
Da fasste mich ein wilder Gram,
Und ich beschloss, es frisch zu wagen."

   "Und zu mir selber sprach ich dann:
Was schmückt den Jüngling, ehrt den Mann?
Was leisteten die tapfern Helden,
Von denen uns die Lieder melden,
Die zu der Götter Glanz und Ruhm
Erhub das blinde Heidentum?
Sie reinigten von Ungeheuern
Die Welt in kühnen Abenteuern,
Begegneten im Kampf dem Leun
Und rangen mit dem Minotauren,
Die armen Opfer zu befrein,
Und ließen sich das Blut nicht dauren."

   "Ist nur der Sarazen es wert,
Dass ihn bekämpft des Christen Schwert?
Bekriegt er nur die falschen Götter?
Gesandt ist er der Welt zum Retter,
Von jeder Not und jedem Harm
Befreien muss sein starker Arm;
Doch seinen Mut muss Weisheit leiten,
Und list muss mit der Stärke streiten.
So sprach ich oft und zog allein,
Des Raubtiers Fährte zu erkunden;
Da flösste mir der Geist es ein,
Froh rief ich aus: Ich hab’s gefunden!"

   "Und trat zu dir und sprach das Wort:
Mich zieht es nach der Heimat fort.
Du, Herr, willfahrtest meinen Bitten,
Und glücklich war das Meer durchschnitten.
Kaum stieg ich aus am heim’schen Strand,
Gleich ließ ich durch des Künstlers Hand,
Getreu den wohl bemerkten Zügen,
Ein Drachenbild zusammenfügen.
Auf kurzen Füßen wird die Last
Des langen Leibes aufgetürmet;
Ein schuppicht Panzerhemd umfasst
Den Rücken, den es furchtbar schirmet."

   "Lang strecket sich der Hals hervor,
Und grässlich, wie ein Höllentor,
Als schnappt’ es gierig nach der Beute,
Eröffnet sich des Rachens Weite,
Und aus dem schwarzen Schlunde dräun
Der Zähne stachelichte Reihn;
Die Zunge gleicht des Schwertes Spitze,
Die kleinen Augen sprühen Blitze;
In eine Schlange endigt sich
Des Rückens ungeheure Länge,
Rollt ums ich selber fürchterlich,
Dass es um Mann und Ross sich schlänge."

   "Und Alles bild’ ich nach, genau,
Und kleid’ es in ein scheußlich Grau;
Halb Wurm erschien’s, halb Molch und Drache,
Gezeuget in der gift’gen Lache.
Und als das Bild vollendet war,
Erwähl’ ich mir ein Doggenpaar,
Gewaltig, schnell, von flinken Läufen,
Gewohnt, den wilden Ur zu greifen;
Die hetz’ ich auf den Lindwurm an,
Erhitze sie zu wildem Grimme,
Zu fassen ihn mit scharfem Zahn,
Und lenke sie mit meiner Stimme."

   "Und wo des Bauches weiches Vließ
Den scharfen Bissen Blöße ließ,
Da reiz’ ich sie, den Wurm zu packen,
Die spitzen Zähne einzuhacken.
Ich selbst, bewaffnet mit Geschoss,
Besteige mein arabisch Ross,
Von adeliger Zucht entstammet,
Und als ich seinen Zorn entflammet,
Rasch auf den Drachen spreng’ ich’s los,
Und stachl’ es mit den scharfen Sporen,
Und werfe zielend mein Geschoss,
Als wollt’ ich die Gestalt durchbohren."

   "Ob auch das Ross sich grauend bäumt
Und knirscht und in den Zügel schäumt,
Und meine Doggen ängstlich stöhnen,
Nicht rast’ ich, bis sie sich gewöhnen.
So üb’ ich’s aus mit Emsigkeit,
Bis dreimal sich der Mond erneut,
Und als sie Jedes recht begriffen,
Führ’ ich sie her auf schnellen Schiffen.
Der dritte Morgen ist es nun,
Dass mir’s gelungen hier zu landen;
Den Gliedern gönnt’ ich kaum zu ruhn,
Bis ich das große Werk bestanden."

   "Denn heiß erregte mir das Herz
Des Landes frisch erneuter Schmerz:
Zerrissen fand man jüngst die Hirten;
Die nach dem Sumpfe sich verirrten,
Und ich beschließe rasch die Tat,
Nur von dem Herzen nehm’ ich Rat.
Flugs unterricht’ ich meine Knappen,
Besteige den versuchten Rappen,
Und von dem edeln Doggenpaar
Begleitet, auf geheimen Wegen,
Wo meiner Tat kein Zeuge war,
Reit’ ich dem Feinde frisch entgegen."

   "Das Kirchlein kennst du, Herr, das hoch
Auf eines Felsenberges Joch,
Der weit die Insel überschauet,
Des Meisters kühner Geist erbauet.
Verächtlich scheint es, arm und klein,
Doch ein Mirakel schließt es ein,
Die Mutter mit dem Jesusknaben,
Den die drei Könige begaben.
Auf dreimal dreißig Stufen steigt
Der Pilgrim nach der steilen Höhe;
Doch hat er schwindelnd sie erreicht,
Erquickt ihn seines Heilands Nähe."

   "Tief in den Fels, auf dem es hängt,
ist eine Grotte eingesprengt,
Vom Tau des nahen Moors befeuchtet,
Wohin des Himmels Strahl nicht leuchtet.
Hier hausete der Wurm und lag,
Den Raub erspähend, Nacht und Tag.
So hielt er, wie der Höllendrache,
Am Fuß des Gotteshauses Wache;
Und kam der Pilgrim hergewallt
Und lenkte in die Unglückstraße,
hervorbrach aus dem Hinterhalt
Der Feind und trug ihn fort zum Fraße."

   "Den Felsen stieg ich jetzt hinan,
Eh’ ich den schweren Strauß begann;
Hin kniet’ ich vor dem Christuskinde
Und reinigte mein Herz von Sünde.
Darauf gürt’ ich mir im Heiligtum
Den blanken Schmuck der Waffen um,
Bewehre mit dem Spieß die Rechte,
Und nieder steig’ ich zum Gefechte.
Zurücke bleibt der Knappen Tross;
Ich gebe scheidend die Befehle,
Und schwinge mich behend aufs Ross,
Und Gott empfehl’ ich meine Seele."

   "Kaum seh’ ich mich im ebnen Plan,
Flugs schlagen meine Doggen an,
Und bang beginnt das Ross zu keuchen
Und bäumet sich und will nicht weichen;
Denn nahe liegt, zum Knäul geballt,
Des Feiendes scheußliche Gestalt
Und sonnet sich auf warmem Grunde.
Auf jagen ihn die flinken Hunde;
Doch wenden sie sich pfeilgeschwind,
Als es den Rachen gähnend teilet
Und von sich haucht den gift’gen Wind
Und winselnd wie der Schakal heulet."

   "Doch schnell erfrisch’ ich ihren Mut,
Sie fassen ihren Feind mit Wut,
Indem ich nach des Tieres Lende
Aus starker Faust den Speer versende;
Doch machtlos, wie ein dünner Stab,
Prallt er vom Schuppenpanzer ab,
Und eh’ ich meinen Wurf erneuet,
Da bäumet sich mein Ross und scheuet
An seinem Basiliskenblick
Und seines Atems gift’gem Wehen,
Und mit Entsetzen springt’s zurück,
Und jetzo war’s um mich geschehen -"

   "Da schwing’ ich mich behend vom Ross,
Schnell ist des Schwertes Schneide bloß;
Doch alle Streiche sind verloren,
Den Felsenharnisch zu durchbohren.
Und wütend mit des Schweifes Kraft
Hat es zur Erde mich gerafft;
Schon seh’ ich seinen Rachen gähnen,
Es haut nach mir mit grimmen Zähnen,
Als meine Hunde, wutentbrannt,
An seinen Bauch mit grimm’gen Bissen
Sich warfen, dass es heulend stand,
Von ungeheurem Schmerz zerrissen."

   "Und eh’ es ihren Bissen sich
Entwindet, rasch erheb’ ich mich,
Erspähe mir des Feindes Blöße
Und stoße tief ihm ins Gekröse,
Nachbohrend bis ans Heft den Stahl;
Schwarz quellend springt des Blutes Strahl;
Hin sinkt es und begräbt im Falle
Mich mit des Leibes Riesenballe,
Dass schnell die Sinne mir vergehn,
Und als ich neu gestärkt erwache,
Seh’ ich die Knappen um mich stehn,
Und tot im Blute liegt der Drache."

   Des beifalls lang gehemmte Lust
Befreit jetzt aller Hörer Brust,
So wie der Ritter dies gesprochen;
Und zehnfach am Gewölb gebrochen,
Wälzt der vermischten Stimmen Schall
Sich brausend fort im Widerhall.
Laut fordern selbst des Ordens Söhne,
Dass man die Heldenstirne kröne,
Und dankbar im Triumphgepräng
Will ihn das Volk dem Volke zeigen;
Da faltet seine Stirne streng
Der Meister und gebietet Schweigen.

   Und spricht: "Den Drachen, der dies Land
Verheert, schlugst du mit tapfrer Hand;
Ein Gott bist du dem Volke worden,
Ein Feind kommst du zurück dem Orden,
Und einen schlimmern Wurm gebar
Dein Herz, als dieser Drache war.
Die Schlange, die das Herz vergiftet,
Die Zwietracht und Verderben stiftet,
Das ist der widerspenst’ge Geist,
Der gegen Zucht sich frech empöret,
Der Ordnung heilig Band zerreißt;
Deun der ist’s, der die Welt zerstöret."

   "Muth zeiget auch der Mameluck;
Gehorsam ist des Christen Schmuck;
Denn wo der Herr in seiner Größe
Gewandelt hat in Knechtesblöße,
Da stifteten, auf heil’gem Grund,
Die Väter dieses Ordens Bund,
Der Pflichten schwerste zu erfüllen,
Zu Bändigen den eignen Willen.
Dich hat der eitle Ruhm bewegt,
Drum wende dich aus meinen Blicken!
Denn wer des Herren Joch nicht trägt,
Darf sich mit seinem Kreuz nicht schmücken."

   Da bricht die Menge tobend aus,
Gewalt’ger Sturm bewegt das Haus,
Um Gnade flehen alle Brüder;
Doch schweigend blickt der Jüngling nieder,
Still legt er von sich das Gewand
Und küsst des Meisters strenge Hand
Und geht. Der folgt ihm mit dem Blicke,
Dann ruft er liebend ihn zurücke
Und spricht: "Umarme mich, mein Sohn!
Dir ist der härtre Kampf gelungen.
Nimm dieses Kreuz. Es ist der Lohn
Der Demut, die sich selbst bezwungen."

Friedrich von Schiller Gedichte

kempis poetry magazine

More in: Schiller, Friedrich von


Friedrich von Schiller: Die Künstler

Friedrich von Schiller

(1759-1805)

 

D i e   K ü n s t l e r

Wie schön, o Mensch, mit deinem Palmenzweige
Stehst du an des Jahrhunderts Neige
In edler stolzer Männlichkeit,
Mit aufgeschloss’nem Sinn, mit Geistesfülle,
Voll milden Ernsts, in tatenreicher Stille,
Der reifste Sohn der Zeit,
Frei durch Vernunft, stark durch Gesetze,
Durch Sanftmut groß und reich durch Schätze
Die lange Zeit dein Busen dir verschwieg,
Herr der Natur, die deine Fesseln liebet,
Die deine Kraft in tausend Kämpfen übet,
Und prangend unter dir aus der Verwildrung stieg.

   Berauscht von dem errungnen Sieg,
Verlerne nicht, die Hand zu preisen,
Die an des Lebens ödem Strand
Den weinenden verlass’nen Waisen,
Des wilden Zufalls Beute, fand,
Die frühe schon der künft’gen Geisterwürde
Dein junges Herz im Stillen zugekehrt,
Und die befleckende Begierde
Von deinem zarten Busen abgewehrt,
Die Gütige, die deine Jungend
In hohen Pflichten spielend unterwies
Und das Geheimnis der erhabnen Tugend
In leichten Rätseln dich erraten ließ,
Die, reifer nur ihn wieder zu empfangen,
In fremde Arme ihren Liebling gab –
O falle nicht mit ausgeartetem Verlangen
Zu ihren niedern Dienerinnen ab!
Im Fleiß kann dich die Biene meistern,
In der Geschicklichkeit ein Wurm dein Lehrer sein.
Dein Wissen teilest du mit vorgezognen Geistern.
Die Kunst, o Mensch, hast du allein.

   Nur durch das Morgentor des Schönen
Drangst du in der Erkenntnis Land.
An höhern Glanz sich zu gewöhnen,
Übt sich am Reize der Verstand.
Was bei dem Saitenklang der Musen
Mit süßem Beben dich durchdrang,
Erzog die Kraft in deinem Busen,
Die sich dereinst zum Weltgeist schwang.

   Was erst, nachdem Jahrtausende verflossen,
Die alternde Vernunft erfand,
Lag im Symbol des Schönen und des Großen,
Voraus geoffenbart dem kindischen Verstand.
Ihr holdes Bild hieß uns die Tugend lieben,
Ein zarter Sinn hat vor dem Laster sich gesträubt,
Eh’ noch ein Solon das Gesetz geschrieben,
Das matte Blüten langsam treibt.
Eh’ vor des Denkers Geist der kühne
Begriff des ew’gen Raumes stand –
Wer sah hinauf zur Sternenbühne,
Der ihn nicht ahnend schon empfand?

   Die, eine Glorie von Orionen
Ums Angesicht, in hehrer Majestät,
Nur angerauscht von reineren Dämonen,
Verzehrend über Sternen geht,
Geflohn auf ihrem Sonnenthrone,
Die furchtbar herrliche Urania –
Mit abgelegter Feuerkrone
Steht sie – als Schönheit vor uns da,
Der Anmut Gürtel umgewunden,
Wird sie zum Kind, dass Kinder sie verstehn.
Was wir als Schönheit hier empfunden,
Wird einst als Wahrheit uns entgegen gehn.

   Als der Erschaffende von seinem Angesichte
Den Menschen in die Sterblichkeit verwies,
Und eine späte Wiederkehr zum Lichte
Auf schwerem Sinnenpfad ihn finden hieß,
Als alle Himmlischen ihr Antlitz von ihm wandten,
Schloss sie, die Menschliche, allein
Mit dem verlassenen Verbannten
Großmütig in die Sterblichkeit sich ein.
Hier schwebt sie, mit gesenktem Fluge,
Um ihren Liebling, nah’ am Sinnenland,
Und malt mit lieblichem Betruge
Elysium auf seine Kerkerwand.

   Als in den weichen Armen dieser Amme
Die zarte Menschheit noch geruht,
Da schürte heil’ge Mordsucht seine Flamme,
Da rauchte kein unschuldig Blut.
Das Herz, das sie an sanften Banden lenket,
Verschmäht der Pflichten knechtisches Geleit;
Ihr Lichtpfad, schöner nur geschlungen, senket
Sich in die Sonnenbahn der Sittlichkeit.
Die ihrem keuschen Dienste leben,
Versucht kein niedrer Trieb, bleicht kein Geschick;
Wie unter heilige Gewalt gegeben,
Empfangen sie das reine Geisterleben,
Der Freiheit süßes Recht, zurück.

   Glückselige, die sie – aus Millionen
Die Reinsten – ihrem Dienst geweiht,
In deren Brust sie würdigte zu thronen,
Durch deren Mund die Mächtige gebeut,
Die sie auf ewig flammenden Altären
Erkor, das heil’ge Feuer ihr zu nähren,
Vor deren Aug’ allein sie hüllenlos erscheint,
Die sie in sanftem Bund um sich vereint!
Freut euch der ehrenvollen Stufe,
Worauf die hohe Ordnung euch gestellt!
In die erhabne Geisterwelt
War’t ihr der Menschheit erste Stufe!

   Eh’ ihr das Gleichmaß in die Welt gebracht,
Dem alle Wesen freudig dienen –
Ein unermess’ner Bau im schwarzen Flor der Nacht,
Nächst um ihn her mit mattem Strahl beschienen,
Ein streitendes Gestaltenheer,
Die seinen Sinn in Sklavenbanden hielten,
Und ungesellig, rau wie er,
Mit tausend Kräften auf ihn zielten,
– So stand die Schöpfung vor dem Wilden.
Durch der Begierde blinde Fessel nur
An die Erscheinungen gebunden,
Entfloh ihm, ungenossen, unempfunden,
Die schöne Seele der Natur.

   Und wie sie fliehend jetzt vorüber fuhr,
Ergriffet ihr die nachbarlichen Schatten
Mit zartem Sinn, mit stiller Hand,
Und lerntet in harmon’schem Band
Gesellig sie zusammen gatten.
Leicht schwebend fühlte sich der Blick
Vom schlanken Wuchs der Zeder aufgezogen,
Gefällig strahlte der Kristall der Wogen
Die hüpfende Gestalt zurück.
Wie konntet ihr des schönen Winks verfehlen,
Womit euch die Natur hilfreich entgegen kam?
Die Kunst, den Schatten ihr nachahmend abzustehlen,
Wies euch das Bild, das auf der Woge schwamm.
Von ihrem Wesen abgeschieden,
Ihr eignes liebliches Phantom,
Warf sie sich in den Silberstrom,
Sich ihrem Räuber anzubieten.
Die schöne Bildkraft ward in eurem Busen wach.
Zu edel schon, nicht müßig zu empfangen,
Schuft ihr im Sand, im Ton den holden Schatten nach,
Im Umriss war sein Dasein aufgefangen.
Lebendig regte sich des Wirkens süße Lust,
Die erste Schöpfung trat aus eurer Brust.

   Von der Betrachtung angehalten,
Von eurem Späheraug’ umstrickt,
Verrieten die vertraulichen Gestalten
Den Talisman, wodurch sie euch entzückt.
Die Wunder wirkenden Gesetze,
Des Reizes ausgeforschte Schätze,
Verknüpfte der erfindende Verstand
In leichtem Bund in Werken eurer Hand.
Der Obeliske stieg, die Pyramide,
Die Herme stand, die Säule sprang empor,
Des Waldes Melodie floss aus dem Haberrohr,
Und Siegestaten lebten in dem Liede.

   Die Auswahl einer Blumenflur
Mit weiser Wahl in einen Strauß gebunden –
So trat die erste Kunst aus der Natur;
Jetzt wurden Sträuße schon in einen Krug gewunden.
Und eine zweite, höhre Kunst erstand
Aus Schöpfungen der Menschenhand.
Das Kind der Schönheit, sich allein genug,
Vollendet schon aus eurer Hand gegangen.
Verliert die Krone, die es trug,
Sobald es Wirklichkeit empfangen.
Die Säule muss, dem Gleichmaß untertan,
An ihre Schwestern nachbarlich sich schließen,
Der Held im Heldenheer zerfließen.
Des Mäoniden Harfe stimmt voran.

   Bald drängten sich die staunenden Barbaren
Zu diesen neuen Schöpfungen heran.
Seht, riefen die erfreuten Scharen,
Seht an, das hat der Mensch getan!
In lustigen, geselligeren Paaren
Riss sie des Sängers Leier nach,
Der von Titanen sang und Riesenschlachten,
Und Löwentötern, die, so lang der Sänger sprach,
Aus seinen Hörern Helden machten.
Zum ersten Mal genießt der Geist,
Erquickt von ruhigeren Freuden,
Die aus der Ferne nur ihn weiden,
Die seine Gier nicht in sein Wesen reißt,
Die im Genuss nicht verscheiden.

Jetzt wand sich von dem Sinnenschlafe
Die freie, schöne Seele los;
Durch euch entfesselt, sprang der Sklave
Der Sorge in der Freude Schoß.
Jetzt fiel der Tierheit dumpfe Schranke,
Und Menschheit trat auf die entwölkte Stirn,
Und der erhabne Fremdling, der Gedanke,
Sprang aus dem staunenden Gehirn.
Jetzt stand der Mensch und wies den Sternen
Das königliche Angesicht;
Schon dankte nach erhabnen Fernen
Sein sprechend Aug’ dem Sonnenlicht.
Das Lächeln blühte auf der Wange;
Der Stimme seelenvolles Spiel
Entfaltete sich zum Gesange;
Im feuchten Auge schwamm Gefühl.
Und Scherz mit Huld in anmutsvollem Bunde
Entquollen dem beseelten Munde.

   Begraben in des Wurmes Triebe,
Umschlungen von des Sinnes Lust,
Erkanntet ihr in seiner Brust
Den edeln Keim der Geisterliebe.
Dass von des Sinnes niedrem Triebe
Der Liebe bessrer Keim sich schied,
Dankt er dem ersten Hirtenlied.
Geadelt zur Gedankenwürde,
Floss die verschämtere Begierde
Melodisch aus des Sängers Mund.
Sanft glühten die betauten Wangen;
Das überlebende Verlangen
Verkündigte der Seelen Bund.

  Der Weisen Weisestes, der Milden Milde –
Der Starken Kraft, der Edeln Grazie
Vermähltet ihr in einem Bilde
Und stelltet es in eine Glorie.
Der Mensch erbebte vor dem Unbekannten,
Er liebte seinen Widerschein;
Und herrliche Heroen brannten
Dem großen Wesen gleich zu sein.
Den ersten Klang vom Urbild alles Schönen –
Ihr ließet ihn in der Natur ertönen.

   Der Leidenschaften wilden Drang,
Des Glückes regellose Spiele,
Der Pflichten und Instinkte Zwang
Stellt ihr mit prüfendem Gefühle,
Mit strengem Richtscheid nach dem Ziele.
Was die Natur auf ihrem großen Gange
In weiten Fernen auseinander zieht,
Wird auf dem Schauplatz, im Gesange,
Der Ordnung licht gefasstes Glied.
Vom Eumenidenchor geschrecket,
zieht sich der Mord, auch nie entdecket,
Das Los des Todes aus dem Lied.
Lang eh’ die Weisen ihren Ausspruch wagen,
Löst eine Ilias des Schicksals Rätselfragen
Der jugendlichen Vorwelt auf;
Still wandelte von Thespis Wagen
Die Vorsicht in den Weltenlauf.

   Doch in den großen Weltenlauf
Ward euer Ebenmaß zu früh getragen.
Als des Geschickes dunkle Hand,
Was sie vor eurem Auge schürte,
Vor eurem Aug’ nicht auseinander band,
Das Leben in die Tiefe schwand,
Eh’ es den schönen Kreis vollführte –
Da führtet ihr aus kühner Eigenmacht
Den Bogen weiter durch der Zukunft Nacht;
Da stürztet ihr euch ohne Beben
In des Avernus schwarzen Ozean,
Und trafet das entflohne Leben
Jenseits der Urne wieder an;
Da zeigte sich mit umgestürztem Lichte,
An Kastor angelehnt, ein blühend Pollurbild;
Der Schatten in des Mondes Angesichte,
Eh’ sich der schöne Silberkreis erfüllt.

   Doch höher stets, zu immer höhern Höhen
Schwang sich das schaffende Genie.
Schon sieht man Schöpfungen aus Schöpfungen erstehen,
Aus Harmonien Harmonie.
Was hier allein das trunkne Aug’ entzückt,
Dient unterwürfig dort der höhern Schöne;
Der Reiz, der diese Nymphe schmückt,
Schmilzt sanft in eine göttliche Athene;
Die Kraft, die in des Ringers Muskel schwillt,
Muss in des Gottes Schönheit lieblich schweigen;
Das Staunen seiner Zeit, das stolze Jovisbild,
Im Tempel zu Olympia sich neigen.

   Die Welt, verwandelt durch den Fleiß,
Das Menschenherz, bewegt von neuen Trieben,
Dei sich in heißen Kämpfen üben,
Erweitern euren Schöpfungskreis.
Der fortgeschrittne Mensch trägt auf erhobnen Schwingen
Dankbar die Kunst mit sich empor,
Und neue Schönheitswelten springen
Aus der bereicherten Natur hervor.
Des Wissens Schranken gehen auf,
Der Geist, in euren leichten Siegen
Geübt, mit schnell gezeitigtem Vergnügen
Ein künstlich All von Reizen zu durcheilen,
Stellt der Natur entlegenere Säulen,
Ereilet sie auf ihrem dunkeln Lauf.
Jetzt wägt er sie mit menschlichen Gewichten,
Misst sie mit Maßen, die sie ihm geliehn;
Verständlicher in seiner Schönheit Pfichten
Muss sie an seinem Aug’ vorüber ziehn.
In selbstgefäll’ger jugendlicher Freude
Leiht er den Sphären seine Harmonie,
Und preiset er das Weltgebäude.
So prangt es durch die Symmetrie.

   In Allem, was ihn jetzt umlebet,
Spricht ihn das holde Gleichmaß an,
Der Schönheit goldner Gürtel webet
Sich mild in seine Lebensbahn;
Die selige Vollendung schwebet
In euren Werken siegend ihm voran.
Wohin die laute Freude eilet,
Wohin der stille Kummer flieht,
Wo die Betrachtung denkend weilet,
Wo er des Elends Tränen sieht,
Wo tausend Schrecken auf ihn zielen.
Folgt ihm ein Harmonienbach,
Sieht er die Huldgöttinnen spielen,
Und ringt in still verfeinerten Gefühlen
Der lieblichen Begleitung nach.
Sanft, wie des Reizes Linien sich winden,
Wie die Erscheinungen um ihn
In welchem Umriss ineinander schwinden,
Flieht seines Lebens leichter Hauch dahin.
Sein Geist zerrinnt im Harmonienmeere,
Das seine Sinne wolllustreich umfließt,
Und der hinschmelzende Gedanke schließt
Sich still an die allgegenwärtige Cythere.
Mit dem Geschick in hoher Einigkeit,
Gelassen hingestützt auf Grazien und Musen,
Empfängt er das Geschoss, das ihn bedräut,
Mit freundlich dargebotnem Busen
Vom sanften Bogen der Notwendigkeit.

   Vertraute Lieblinge der sel’gen Harmonie,
Erfreuende Begleiter durch das Leben,
Das Edelste, das Teuerste, was sie,
Die Leben gab, zum Leben uns gegeben!
Dass der entjochte Mensch jetzt seine Pflichten denkt,
Die Fessel liebet, die ihn lenkt,
Kein Zufall mehr mit ehrnem Zepter ihm gebeut,
Dies dankt euch – eure Ewigkeit
Und ein erhabner Lohn in eurem Herzen.
Dass um den Kelch, worin uns Freiheit rinnt,
Der Freude Götter lustig scherzen,
Der holde Traum sich leiblich spinnt,
Dafür seid liebevoll umfangen!

   Dem prangenden, dem heitern Geist,
Der die Notwendigkeit mit Grazie umzogen,
Der seinen Äther, seinen Sternenbogen
Mit Anmut uns bedienen heißt,
Der, wo er schreckt, noch durch Erhabenheit entzücket
Und zum Verherren selbst sich schmücket,
Dem großen Künstler ahmt ihr nach.
Wie auf dem spiegelhellen Bach
Die bunten Ufer tanzend schweben,
Das Abendrot, das Blütenfeld,
So schimmert auf dem dürft’gen Leben
Der Dichtung muntre Schattenwelt.
Ihr führet uns im Brautgewande
Die fürchterliche Unbekannte,
Die unerweichte Parce vor.
Wie eure Urnen die Gebeine,
Deckt ihr mit holdem Zauberscheine
Der Sorgen schauervollen Chor.
Jahrtausende hab’ ich durcheilet,
Der Vorwelt unabsehlich Reich:
Wie lacht die Menschheit, wo ihr weilet!
Wie traurig liegt sie hinter euch!

   Die einst mit flüchtigem Gefieder
Voll Kraft aus euren Schöpferhänden stieg,
In eurem Arm fand sie sich wieder,
Als durch der Zeiten stillen Sieg
Des Lebens Blüte von der Wange,
Die Stärke von den Gliedern wich,
Und traurig mit entnervtem Gange
Der Greis an seinem Stabe schlich.
Da reichtet ihr aus frischer Quelle
Dem Lechzenden die Lebenswelle;
Zwei Mal verjüngte sich die Zeit,
Zwei Mal von Samen, die ihr ausgestreut.

   Vertrieben von Barbarenheeren,
Entrisset ihr den letzten Opferbrand
Des Orients entheiligten Altären
Und brachtet ihn dem Abendland.
Da stieg der schöne Flüchtling aus dem Osten,
Der junge Tag, im Westen neu empor,
Und auf Hesperiens Gefilden sprossten
Verjüngte Blüten Ioniens hervor.
Die schönere Natur warf in die Seelen
Sanft spiegelnd einen schönen Widerschein,
Und prangend zog in die geschmückten Seelen
Des Lichtes große Göttin ein.
Da sah man Millionen Ketten fallen,
Und über Sklaven sprach jetzt Menschenrecht,
Wie Brüder friedlich mit einander wallen,
So mild erwuchs das jüngere Geschlecht.
Mit innrer hoher Freudenfülle
Genießt ihr das gegebne Glück,
Und tretet in der Demut Hülle
Mit schweigendem Verdienst zurück.

   Wenn auf des Denkens frei gegebnen Bahnen
Der Forscher jetzt mit kühnem Blicke schweift,
Und, trunken von Sieg rufenden Päanen,
Mit rascher Hand schon nach der Krone greift;
Wenn er mit niederm Söldnerslohne
Den edeln Führer zu entlassen glaubt,
Und neben dem geträumten Throne
Der Kunst den ersten Sklavenplatz erlaubt: –
Verzeiht ihm – der Vollendung Krone
Schwebt glänzend über eurem Haupt.
Mit euch, des Frühlings erster Pflanze,
Begann die Seelen bildende Natur;
Mit euch, dem freud’gen Erntekranze,
Schließt die vollendende Natur.

   Die von dem Ton, dem Stein bescheiden aufgestiegen,
Die schöpferische Kunst, umschließt mit stillen Siegen
Des Geistes unermess’nes Reich.
Was in des Wissens Land Entdecker nur ersiegen,
Entdecken sie, ersiegen sie für euch.
Der Schätze, die der Denker aufgehäufet,
Wird er in euren Armen erst sich freun,
Wenn seine Wissenschaft, der Schönheit zugereifet,
Zum Kunstwerk wird geadelt sein –
Wenn er auf einem Hügel mit euch steiget,
Und seinem Auge sich, in mildem Abendschein,
Das malerische Tal – auf einmal zeiget.
Je reicher ihr den schnellen Blick vergnüget,
Je höhre, schönre Ordnungen der Geist
In einem Zauberbund durchflieget,
In einem schwelgenden Genuss umkreist;
Je weiter sich Gedanken und Gefühle
Dem üppigeren Harmonienspiele,
Dem reichern Strom der Schönheit aufgetan –
Je schönre Glieder aus dem Weltenplan,
Die jetzt verstümmelt seine Schöpfung schänden,
Sieht er die hohen Formen dann vollenden,
Je schönre Rätsel treten aus der Nacht,
Je reicher wird die Welt, die er umschließet,
Je breiter strömt das Meer, mit dem er fließet,
Je schwächer wird des Schicksals blinde Macht,
Je höher streben seine Triebe,
Je kleiner wird er selbst, je größer seine Liebe.
So führt ihn, in verborgnem Lauf,
Durch immer reinre Formen, reinre Töne,
Durch immer höhre Höhn und immer schönre Schöne
Der Dichtung Blumenleiter still hinauf –
Zuletzt, am reifen Ziel der Zeiten,
Noch eine glückliche Begeisterung,
Des jüngsten Menschenalters Dichterschwung,
Und – in der Wahrheit Arme wird er gleiten.

   Sie selbst, die sanfte Cypria,
Umleuchtet von der Feuerkrone,
Steht dann vor ihrem münd’gen Sohne
Entschleiert – als Urania.
So schneller nur von ihm erhaschet,
Je schöner er von ihr geflohn!
So süß, so selig überraschet
Stand einst Ulysseus edler Sohn,
Da seiner Jugend himmlischer Gefährte
Zu Jovis Tochter sich verklärte.

   Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben,
Bewahret sie!
Sie sinkt mit euch! Mit euch wird sie sich heben!
Der Dichtung heilige Magie
Dient einem weisen Weltenplane,
Still lenke sie zum Ozeane
Der großen Harmonie!

   Von ihrer Zeit verstoßen, flüchte
Die ernste Wahrheit zum Gedichte
Und finde Schutz in der Kamönen Chor.
In ihres Glanzes höchster Fülle,
Furchtbarer in des Reizes Hülle,
Erstehe sie in dem Gesange
Und räche sich mit Siegesklange
An des Verfolgers feigem Ohr.

   Der freisten Mutter freie Söhne,
Schwingt euch mit festem Angesicht
Zum Strahlensitz der höchsten Schöne!
Um andre Kronen buhlet nicht!
Die Schwester, die euch hier verschwunden,
Holt ihr im Schoß der Mutter ein;
Was schöne Seelen schön empfunden,
Muss trefflich und vollkommen sein.
Erhebet euch mit kühnem Flügel
Hoch über euren Zeitenlauf!
Fern dämmre schon in eurem Spiegel
Das kommende Jahrhundert auf.
Auf tausendfach verschlungnen Wegen
Der eichen Mannichfaltigkeit
Kommt dann umarmend euch entgegen
Am Thron der hohen Einigkeit!
Wie sich in sieben milden Strahlen
Der weiße Schimmer leiblich bricht,
Wie sieben Regenbogenstrahlen
Zerrinnen in das weiße Licht:
So spielt in tausendfacher Klarheit
Bezaubernd um den trunknen Blick,
So fließt in einen Bund der Wahrheit,
In einen Strom des Lichts zurück!


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Friedrich von Schiller: Die Entzückung an Laura

Friedrich von Schiller

(1759-1805)

 

Die Entzückung an Laura

Laura, über diese Welt zu flüchten
Wähn’ ich – mich in Himmelmaienglanz zu lichten,
   Wenn Dein Blick in meine Blicke stimmt;
Ätherlüste träum’ ich einzusaugen,
Wenn mein Bild in Deiner sanften Augen
   Himmelblauem Spiegel schwimmt.

Leierklang aus Paradieses-Fernen,
Harfenschwung aus angenehmern Sternen
   Ras’ ich in mein trunknes Ohr zu ziehn;
Meine Muse fühlt die Schäferstunde,
Wenn von Deinem wolllustheißen Munde
   Silbertöne ungern fliehn.

Amoretten seh’ ich Flügel schwingen,
Hinter Dir die trunknen Fichten springen,
   Wie von Orpheus Saitenruf belebt;
Rascher rollen um mich her die Pole,
Wenn im Wirbeltanze Deine Sohle
   Flüchtig, wie die Welle, schwebt.

Deine Blicke – wenn sie Liebe lächeln,
Könnten Leben durch den Marmor fächeln,
   Felsenadern Pulse leihn;
Träume werden um mich her zu Wesen,
Kann ich nur in Deinen Augen lesen:
   Laura, Laura mein!

 

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Friedrich von Schiller: Der Tanz

Friedrich von Schiller

(1759-1805)

 

D e r   T a n z

Siehe, wie schwebenden Schritts im Wellenschwung sich die Paare
   Drehen! Den Boden berührt kaum der geflügelte Fuß.
Seh’ ich flüchtige Schatten, befreit von der schwere des Leibes?
   Schlingen im Mondlicht dort Elfen den lustigen Reihn?
Wie, vom Zephyr gewiegt, der leichte Rauch in die Luft fließt,
   Wie sich leise der Kahn schaukelt auf silberner Flut,
Hüpft der gelehrige Fuß auf des Taktes melodischer Woge;
   Säuselndes Saitengetön hebt den ätherischen Leib.
Jetzt, als wollt’ es mit Macht durchreißen die Kette des Tanzes,
   Schwingt sich ein mutiges Paar dort in den dichtesten Reihn.
Schnell vor ihm her entsteht ihm die Bahn, die hinter ihm schwindet,
   Wie durch magische Hand öffnet und schließt sich der Weg.
Sieh! Jetzt schwand es dem Blick; in wildem Gewirr durcheinander
   Stürzt der zierliche Bau dieser beweglichen Welt,
Nein, dort schwebt es frohlockend herauf, der Knoten entwirrt sich;
   Nur mit verändertem Reiz stellet die Regel sich her.
Ewig zerstört, es erzeugt sich ewig die drehende Schöpfung,
   Und ein stilles Gesetz lenkt der Verwandlungen Spiel.
Sprich, wie geschieht’s, dass rastlos erneut die Bildungen schwanken
   Und die Ruhe besteht in der bewegten Gestalt?
Jeder ein Herrscher, frei, nur dem eigenen Herzen gehorchet,
   Und im eilenden Lauf findet die einzige Bahn?
Willst du es wissen? Es ist des Wohllautes mächtige Gottheit,
   Die zum geselligen Tanz ordnet den tobenden Sprung,
Die der Nemesis gleich, an des Rhythmus goldenem Zügel,
   Lenkt die brausende Lust und die verwilderte zähmt.
Und dir rauschen umsonst die Harmonien des Weltalls?
   Dich ergreift nicht der Strom dieses erhabnen Gesangs?
Nicht der begeisternde Takt, den alle Wesen dir schlagen?
   Nicht der wirbelnde Tanz, der durch den ewigen Raum
Leuchtende Sonnen schwingt in kühn gewundenen Bahnen?
   Das du im Spiele doch ehrst, fliehst du im Handeln, das Maß.

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Friedrich von Schiller: An Goethe

F r i e d r i c h   v o n   S c h i l l e r

(1759-1805)

 

A n   G o e t h e

(als er den Mahoment von Voltaire auf die Bühne brachte)

   Du selbst, der uns von falschem Regelzwange
Zur Wahrheit und Natur zurückgeführt,
Der, in der Wiege schon ein Held, die Schlange
Erstickt, die unsern Genius umschnürt,
Du, den die Kunst, die göttliche, schon lange
Mit ihrer reinen Priesterbinde ziert,
Du opferst auf zertrümmerten Altären
Der Aftermuse, die wir nicht mehr ehren?

   Einheim’scher Kunst ist dieser Schauplatz eigen,
Hier wird nicht fremden Götzen mehr gedient;
Wir können mutig einen Lorbeer zeigen,
Der auf dem deutschen Pindus selbst gegrünt.
Selbst in der Künste Heiligtum zu steigen,
Hat sich der deutsche Genius erkühnt,
Und auf der Spur des Griechen und des Britten
Ist er dem bessern Ruhme nachgeschritten.

   Denn dort, wo Sklaven knien, Despoten walten,
Wo sich die eitle Aftergröße bläht,
Da kann die Kunst das Edle nicht gestalten,
Von keinem Ludwig wird es ausgesät;
Aus eigner Fülle muss es sich entfalten,
Es borget nicht von ird’scher Majestät,
Nur mit der Wahrheit wird er sich vermählen,
Und seine Glut durchflammt nur freie Seelen.

   Drum nicht, in alte Fesseln uns zu schlagen,
Erneuerst du dies Spiel der alten Zeit,
Nicht, uns zurückzuführen zu den Tagen
Charakterloser Minderjährigkeit.
Es wär’ ein eitel und vergeblich Wagen
Zu fallen ins bewegte Rad der Zeit;
Geflügelt fort entführen es die Stunden;
Das Neue kommt, das Alte ist verschwunden.

   Erweitert jetzt ist des Theaters Enge,
In seinem Raume drängt sich eine Welt;
Nicht mehr der Worte rednerisch Gepränge,
Nur der Natur getreues Bild gefällt;
Verbannet ist der Sitten falsche Strenge,
Und menschlich handelt, menschlich fühlt der Held.
Die Leidenschaft erhebt die freien Töne,
Und in der Wahrheit findet man das Schöne.

   Doch leicht gezimmert nur ist Thespis Wagen,
Und er ist gleich dem acheront’schen Kahn;
Nur Schatten und Idole kann er tragen,
Und drängt das rohe Leben sich heran,
So droht das leichte Fahrzeug umzuschlagen,
Das nur die flücht’gen Geister fassen kann.
Der Schein soll nie die Wirklichkeit erreichen,
Und siegt Natur, so muss die Kunst entweichen.

   Denn auf dem bretternen Gerüst der Szene
Wird eine Idealwelt aufgetan.
Nichts sei hier wahr und wirklich, als die Träne,
Die Rührung ruht auf keinem Sinnenwahn.
Aufrichtig ist die wahre Melpomene,
Sie kündigt nichts als eine Fabel an,
Und weiß durch tiefe Wahrheit zu entzücken;
Die falsche stellt sich wahr, um zu berücken.

   Es droht die Kunst vom Schauplatz zu verschwinden,
Ihr wildes Reich behauptet Phantasie;
Die Bühne will sie wie die Welt entzünden,
Das Niedrigste und Höchste menget sie.
Nur bei dem Franken war noch Kunst zu finden,
Erschwang er gleich ihr hohes Urbild nie:
Gebannt in unveränderlichen Schranken
Hält er sie fest, und nimmer darf sie wanken.

   Ein heiliger Bezirk ist ihm die Szene;
Verbannt aus ihrem festlichen Gebiet
Sind der Natur nachlässig rohe Töne,
Die Sprache selbst erhebt sich ihm zum Lied:
Es ist ein Reich des Wohllauts und der Schöne.
In edler Ordnung greifet Glied in Glied,
Zum ernsten Tempel füget sich das Ganze,
Und die Bewegung borget Reiz vom Tanze,
Nicht Muster zwar darf uns der Franke werden,
Aus seiner Kunst spricht kein lebend’ger Geist;
Des falschen Anstands prunkende Gebärden
Verschmäht der Sinn, der nur das Wahre preist!
Ein Führer nur zum Bessern soll er werden,
Er komme, wie ein abgeschiedner Geist,
Zu reinigen die oft entweihte Szene
Zum würd’gen Sitz der alten Melpomene.

 

Friedrich von Schiller Gedichte

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Schiller: Das Mädchen aus der Fremde

Johann Christoph Friedrich

von Schiller

1759-1805


Das Mädchen aus der Fremde


In einem Tal bei armen Hirten

Erschien mit jedem jungen Jahr,

Sobald die ersten Lerchen schwirrten,

Ein Mädchen, schön und wunderbar.


Sie war nicht in dem Tal geboren,

Man wußte nicht, woher sie kam,

Und schnell war ihre Spur verloren,

Sobald das Mädchen Abschied nahm.


Beseligend war ihre Nähe,

Und alle Herzen wurden weit,

Doch eine Würde, eine Höhe

Entfernte die Vertraulichkeit.


Sie brachte Blumen mit und Früchte,

Gereift auf einer andern Flur,

In einem andern Sonnenlichte,

In einer glücklichern Natur.


Und teilte jedem eine Gabe,

Dem Früchte, jenem Blumen aus,

Der Jüngling und der Greis am Stabe,

Ein jeder ging beschenkt nach Haus.


Willkommen waren alle Gäste,

Doch nahte sich ein liebend Paar,

Dem reichte sie der Gaben beste,

Der Blumen allerschönste dar.

 

Poem of the week

August 10, 2008

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