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Archive Y-Z

· Juli Zeh: Leere Herzen. Roman · Barbara Zoeke: Die Stunde der Spezialisten · Stefan Zweig: Erasmus von Rotterdam & Montaigne. Zwei biographische Essays · Barbara Zoeke: Die Stunde der Spezialisten · Why Poetry by Matthew Zapruder · „Ich gehöre nirgends mehr hin“ – Stefan Zweigs Schachnovelle, Ausstellung Berlin · IM MEMORIAM JOOST ZWAGERMAN (1963 – 2015)

Juli Zeh: Leere Herzen. Roman

Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich ‎erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und wollen nicht länger verantwortlich sein für das, was schief läuft.

Stattdessen haben sie gemeinsam eine kleine Firma aufgezogen, “Die Brücke”, die sie beide reich gemacht hat. Was genau hinter der “Brücke” steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod.

Als die “Brücke ” unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald sind nicht nur Brittas und Babaks Firma, sondern auch beider Leben in Gefahr…

“Leere Herzen” ist ein provokanter, packender und brandaktueller Politthriller aus einem Deutschland der nahen Zukunft. Es ist ein Lehrstück über die Grundlagen und die Gefährdungen der Demokratie. Und es ist zugleich ein verstörender‎ Psychothriller über eine Generation, die im Herzen leer und ohne Glauben und Überzeugungen ist.

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman “Adler und Engel” (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman “Unterleuten” (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013) und dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015).

Juli Zeh
Leere Herzen
Roman
Originalausgabe
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87523-1
€ 20,00
Luchterhand Literaturverlag
Erscheinungstermin: 13. November 2017

info: www.juli-zeh.de
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Barbara Zoeke: Die Stunde der Spezialisten

Deutschland 1940: Max Koenig ist Professor für Altertumsforschung. Ein vererbtes Nervenleiden reißt ihn aus seinem beruflichen Leben und fort von seiner Familie.

Er kommt in die Wittenauer Heilstätten und trifft dort auf Schwester Rosemarie, die versucht zu helfen, wo sie kann. Trotz seiner Hinfälligkeit wird Koenig zum Mittelpunkt einer kleinen Gruppe: dem Studienrat Dr. Carl Hohein, der eine Litanei auf die Farbe »Schwarz« komponiert, der jungen Pianistin Elfie, deren Hände zittern und die »Traumdeutsch« spricht, und schließlich Oscar, einem Jungen mit Trisomie 21.

Der Alltag auf der Station, die mangelhaften Essensrationen und die rassenhygienischen Kommentare der medizinischen »Spezialisten« werden nur durch die gegenseitige Unterstützung und kleine Freuden, wie die Besuche von Frau und Schwägerin, erträglich. Sie hoffen darauf, sich nach dem Krieg im Traumland Italien wiederzufinden. Doch Max Koenig und Oscar werden verlegt und ihren Angehörigen entzogen.

Töten wird sie Dr. Friedel Lerbe, ein Arzt, SS-Mann und fanatischer Verfechter der Rassenhygiene. Als Leiter einer Tötungsanstalt führt er das NS-»Euthanasie«-Programm mit bürokratischer Präzision aus – jedes Detail des Ablaufs wird von ihm kontrolliert. Ein ganzer Stab von »Pflegern«, Sekretärinnen, Technikern und Leichenbrennern steht diesem »Spezialisten« bei seinem Handwerk zur Seite.

Barbara Zoeke schildert das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven – empathisch und erschütternd klar. Es gelingt ihr, dieses Verbrechen der Nationalsozialisten zu vergegenwärtigen und den Opfern, Angehörigen und Tätern eine literarische Stimme zu geben.

Barbara Zoeke erhält für ihren Roman „Die Stunde der Spezialisten“ den Brüder-Grimm-Preis 2017 der Stadt Hanau!
Die Preisverleihung findet am 17. November in der Hanauer Stadtbibliothek/Kulturforum Hanau statt. Die Laudatio auf die Preisträgerin wird der Literatur-Chef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Andreas Platthaus halten. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Die Jury mit Literaturkritikerin Dr. Insa Wilke, Literaturprofessor Professor Dr. Heiner Boehncke und dem ehemaligen Vorsitzenden des hessischen Bibliotheksverbandes Aloys Lenz MdL a.D. votierte nach eingehender Diskussion der eingereichten Veröffentlichungen einstimmig für das kürzlich im Verlag „Die Andere Bibliothek“ erschienene Buch. Der Magistrat der Stadt Hanau schloss sich einmütig dem Votum der Jury an.

Aus der Jury-Entscheidung:
„Barbara Zoekes Roman „Die Stunde der Spezialisten“ widmet sich einem in der deutschsprachigen Literatur immer noch auffällig selten erzählten Verbrechen der Nationalsozialisten: der Ermordung von Psychiatriepatienten und Behinderten, allgemein unter dem Euphemismus „Euthanasie“ bekannt. Autorinnen wie Olga Martynova und entfernt auch Angela Steidele haben sich zuletzt mit diesem Stoff auseinandergesetzt; Barbara Zoeke ist jedoch die erste Autorin, die wohl auch aufgrund ihrer psychiatrischen Praxis die besondere Sprache der Patienten in eine literarische verwandelt und ihnen so auf besondere Weise ein Denkmal setzt. Virtuos komponiert sie auf diese Weise aus den Stimmen der Opfer wie auch der Täter in je spezifischen Sprechweisen ein beklemmendes Kunstwerk in humanistischen Traditionen, das bei seinen Leserinnen und Lesern für einen inneren Aufruhr sorgt, wie ihn nur hervorragende literarische Werke hervorzubringen imstande sind. Die Jury sieht in der meisterlichen Sprache des Romans und dem sensiblen Umgang mit den unterschiedlichen Stimmen überdies eine Nähe zu dem Werk der Brüder Grimm, das sich auf der Grenze zwischen Archiv, Sprachforschung und Erzählen bewegt.“

Dr. Barbara Zoeke verbrachte ihre Kindheit im thüringischen Vogtland und studierte in Köln und Münster. Sie ist habilitierte Psychologin, forschte in den USA und war über mehrere Jahre im Vorstand der “International Society of Comparative Psychology”. Sie lehrte und forschte an den Universitäten von Münster, Frankfurt, Würzburg und München. Neben wissenschaftlichen Arbeiten zur Wahrnehmung und zum Gedächtnis veröffentlichte sie erzählende Prosa, Lyrik und Sachbuchtexte. Die Autorin lebt seit 2008 in Berlin.

Barbara Zoeke
Die Stunde der Spezialisten
Seitenanzahl: 300
Originalausgaben
Bandnummer: 393
Originalausgabe,
nummeriert und limitiert
Gestaltung: Lars Henkel.
Kunstvolle Collagen für Cover,
Bezug, Vor- und Nachsatzpapier.
Fadenheftung, Lesebändchen.
ISBN: 9783847703938
2017 – 42,00 EUR
Die Andere Bibliothek
10969 Berlin

#  website  die  andere  bibliothek     

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Stefan Zweig: Erasmus von Rotterdam & Montaigne. Zwei biographische Essays

Die »Sternstunden der Menschheit« sind das berühmteste Beispiel von Stefan Zweigs historischer Essaykunst. Erasmus von Rotterdam und Michel de Montaigne waren ihm wesentliche Bezugsgrößen des eigenen Schreibens.

»Erasmus von Rotterdam, einstmals der größte und leuchtendste Ruhm seines Jahrhunderts, ist heute, leugnen wir es nicht, kaum mehr als ein Name.« Der Humanist und Wegbereiter der Reformation ist für Stefan Zweig der »erste bewusste Europäer«, in dem er einen frühen Geistesverwandten erkannte. Michel de Monhttps://www.die-andere-bibliothek.de/taigne widmete Stefan Zweig seinen letzten, unvollendet gebliebenen biographischen Essay. »Am hilfreichsten wird sein freies und unbeirrbares Denken einer Generation, die, wie etwa die unsere, vom Schicksal in einen kataraktischen Aufruhr der Welt geworfen wurde.«

Beide Essays – Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam (1934) und Montaigne (1942) – behandeln die großen Fragen nach der Möglichkeit von Freiheit und Gerechtigkeit und werden deshalb in einem Band zusammengefasst. Die Werke von Michel de Montaigne – die Essais und das Tagebuch der Reise nach Italien – hat die Andere Bibliothek in den gerühmten Neuübersetzungen von Hans Stilett veröffentlicht. Montaigne zählt zu den Ikonen unserer Bibliothek – wie selbstverständlich gehört auch Stefan Zweigs Blick auf ihn in unser Repertoire.

Stefan Zweig
Erasmus von Rotterdam & Montaigne
Zwei biographische Essays
Die Andere Bibliothek, Berlin
Großes Buch im kleinen Format
Erscheint: 09.2017
Seitenanzahl: 288
Extradrucke
Umschlaggestaltung: Angelika Richter, Heidesheim.
Besonders feines bedrucktes Leinen.
Farbenprächtiges Vor- und Nachsatzpapier,
Lesebändchen
ISBN: 9783847740339
16,00 EUR

# Website Die Andere Bibliothek

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Barbara Zoeke: Die Stunde der Spezialisten

1940 ist Max Koenig Professor für Kunstgeschichte. Ein vererbtes Nervenleiden reißt ihn aus seinem be­ruflichen Leben und fort von seiner italienischen Frau und der kleinen Tochter. Er kommt in eine Heilanstalt nach Berlin ­Wittenau.

Trotz seiner Hinfälligkeit wird er zum Mittelpunkt einer kleinen Gruppe: einem Schizophrenen, der eine Litanei auf die Farbe »Schwarz« komponiert, einer jungen Pianistin, einer zierlichen Alzheimer frau und schließlich Oscar, einem Jungen mit Trisomie 21. Der Alltag auf der Station und die rassenhygienischen Kommentare der medizinischen »Spezialisten« werden nur durch kleine Freuden, wie die gelegentlichen Besu­che von Frau und Schwägerin, erträglich. Als die Patienten erfasst und klassifiziert werden, schließt sich die kleine Gruppe noch enger zusammen.

Alle hoffen darauf, sich nach dem Krieg im Traumland Italien wiederzufinden. Doch Max Koenig und Oscar werden verlegt und ihren Angehörigen entzogen. Töten wird sie Dr. Friedel Lerbe, Mediziner und SS­Mann. Als Leiter einer Tötungsanstalt führt er das NS ­»Euthanasie« ­Programm mit büro­kratischer Präzision aus – jedes Detail des Ablaufs wird von ihm kontrolliert.

Ein ganzer Stab von »Pflegern«, Se­kretärinnen, Technikern und Leichen brennern steht diesem »Spezialisten« bei seinem Handwerk zur Seite.

Barbara Zoeke wuchs im thüringischen Vogtland auf und studierte in Köln und Münster Psychologie. Sie ist habilitierte Psychologin und Schriftstellerin.
Barbara Zoeke lebt seit 2008 in Berlin.

Barbara Zoeke
Die Stunde der Spezialisten
Roman
Ca. 300 Seiten
Originalausgabe, nummeriert und limitiert
Gestaltung: Lars Henkel.
Kunstvolle Collage für Cover, Bezug, Vor- und Nachsatzpapier.
Fadenheftung, Lesebändchen.
September 2017
Band 393
€ 42
ISBN 978­3­8477­0393­8
DIE ANDERE BIBLIOTHEK 2017/18

Empathisch und erschütternd klar: In Barbara Zoekes Roman kommen Opfer und Täter eines der verdrängten Verbrechen der Nationalsozialisten zu Wort

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Why Poetry by Matthew Zapruder

Poet and editor Matthew Zapruder was born in Washington, DC. He earned a BA in Russian literature at Amherst College, an MA in Slavic languages and literature at the University of California, Berkeley, and an MFA in poetry at the University of Massachusetts, Amherst.

Zapruder’s poems employ nuanced, conversational syntax to engage themes of grief, perception, and logic. As Dana Jennings noted in the New York Times, Zapruder has a “razor eye for the remnants and revenants of modern culture.” Discussing his own development as a writer in the Los Angeles Times, Zapruder addressed the role of rhyme in his work: “[T]he rhyme is what I would call ‘conceptual,’ that is, not made of sounds, but of ideas that accomplish what the sounds do in formal poetry: to connect elements that one wouldn’t have expected, and to make the reader or listener, even if just for a moment, feel the complexity and disorder of life, and at the same time what Wallace Stevens called the ‘obscurity of an order, a whole.’”

Zapruder is the author of several collections of poetry, including Sun Bear (2014), Come On All You Ghosts (2010), The Pajamaist (2006), and American Linden (2002). He collaborated with painter Chris Uphues on For You in Full Bloom (2009) and cotranslated, with historian Radu Ioanid, Romanian poet Eugen Jebeleanu’s last collection, Secret Weapon: Selected Late Poems (2008).

With Brian Henry, Zapruder cofounded Verse Press, which later became Wave Books. As an editor for Wave Books, Zapruder coedited, with Joshua Beckman, the political poetry anthology State of the Union: 50 Political Poems (2008). His own poems have been included in the anthologies Best American Poetry (2013, 2009), Third Rail: The Poetry of Rock and Roll (2007), and Legitimate Dangers: American Poets of the New Century (2006), as well as Poets on Teaching: A Sourcebook (2010). Why Poetry, a book of prose about reading poetry for a general audience, is forthcoming from Ecco/Harper Collins in early 2017.

Zapruder’s poetry has been adapted by some of America’s most exciting young composers. In Fall, 2012, his poetry was adapted and performed at Carnegie Hall by Composer Gabriel Kahane and Brooklyn Rider. In February, 2014, composer Missy Mazzoli, along with Victoire and Glenn Kotche, performed Vespers for a New Dark Age, a piece commissioned by Carnegie Hall for the 2014 Ecstatic Music Festival, and released as a recording on New Amsterdam records in spring, 2015.

Zapruder’s honors include a Guggenheim Fellowship, a Lannan Foundation Residency Fellowship, the William Carlos Williams Award from the Poetry Society of America, and the May Sarton Prize from the American Academy of Arts and Sciences. He has taught at New York University, the New School, the University of California Riverside – Palm Desert Low Residency MFA Program, the University of Massachusetts, Amherst’s Juniper Summer Writing Institute, and at the University of California at Berkeley as the Holloway Fellow.

He lives in Oakland, where he is an associate professor in the Saint Mary’s College of California MFA Program in Creative Writing, as well as editor at large for Wave Books. He is also a guitarist in the rock band The Figments.

From Matthew Zapruder’s poem:
American Singer

(. . .)
I notice probably
because you wrote
that strange
word funeral
the constant black
fabric I think
is taffeta
always draped
over the scaffolds
the figures
scraping paint
are wearing dusty
protective suits
and to each other
saying nothing
I move invisibly
like a breeze
around three men
wearing advanced
practically weightless
jackets impervious
to all possible
weather even
a hurricane
(. . .)

Matthew Zapruder
Why Poetry
Hardcover
2017
Pag. 256
Ecco Publisher
ISBN13: 9780062343079
ISBN10: 0062343076

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„Ich gehöre nirgends mehr hin“ – Stefan Zweigs Schachnovelle, Ausstellung Berlin

Acht Jahre verbrachte der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig (geb. 1881) im Exil. Einen Tag nach der demütigenden Durchsuchung seiner Villa am Salzburger Kapuzinerberg hatte er am 20. Februar 1934 Österreich verlassen und lebte zunächst in London, ab Sommer 1939 zusammen mit seiner zweiten Frau Lotte Altmann (geb. 1908) im englischen Kurort Bath.

Das Provisorium befristeter Certificates of identity endete für beide erst im Frühjahr 1940, als sie Britische Staatsbürger wurden – ihre Pässe enthielten jedoch den Stempel »alien enemy«, was deutlich auf die Herkunft aus einem verfeindeten Staat verwies. Als die Zweigs schließlich Ende Juni 1940 nach New York und weiter nach Rio de Janeiro aufbrachen, hielten deutsche Truppen schon seit 10 Tagen Paris besetzt. Auch für Großbritannien war die Lage bedrohlich geworden: Wegen eines Luftalarms mussten Lotte und Stefan Zweig in der Nacht ihrer Abfahrt zeitweise den Schutzkeller ihres Hotels in Liverpool aufsuchen.

Im Herbst und Winter 1940 bereisten die Zweigs Brasilien. Schon im Sommer 1936 war Zweig dort wie ein Star gefeiert worden und hatte seine Eindrücke voller Dankbarkeit geschildert. Doch seine neue Hommage, »Brasilien. Ein Land der Zukunft«, zog nunmehr kritische Stimmen auf sich: Zweig hatte ausgeblendet, dass der Brasilianische Präsident mittlerweile diktatorisch regierte, Parteien und Gewerkschaften verboten waren, missliebige Journalisten im Gefängnis saßen und die Einwanderung von Juden künftig verhindert werden sollte.

Wenige Wochen vor seinem 60. Geburtstag bezog Zweig zusammen mit seiner Frau ein bescheidenes Haus in der brasilianischen Stadt Petrópolis, landeinwärts von Rio de Janeiro, »ein kleiner Semmering, nur primitiver, so wie anno 1900 das Salzkammergut«. Im provinziellen Abseits überarbeitete Zweig seine Erinnerungen »Die Welt von Gestern« und schrieb »etwas Neues«, die »Schachnovelle«. Als er am 21. Februar 1942 auf dem Postamt von Petrópolis drei Typoskripte der Novelle abschickte, hatte Brasilien die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland bereits abgebrochen. Deutsch galt fortan als Feindsprache und durfte in der Öffentlichkeit nicht mehr gesprochen werden, auch das Mitführen deutscher Drucksachen war verboten.

In der Nacht zum 23. Februar nahmen Lotte und Stefan Zweig eine Überdosis Veronal. Entgegen ihrem letzten Willen, auf dem jüdischen Friedhof in Rio de Janeiro beerdigt zu werden, erhielten sie am 24. Februar 1942 ein Staatsbegräbnis in Petrópolis.

Entkräftet vom heimatlosen Wandern im Exil, nimmt Zweig in seinen beiden zuletzt entstandenen Werken Abschied von seiner geistigen Heimat. In seinen autobiographischen Erinnerungen, »Die Welt von Gestern«, beschwört er das alte Europa, die Weltoffenheit und kulturelle Sphäre seiner Heimatstadt Wien. In der »Schachnovelle« hingegen gestaltet er die grauenvollen Geschehnisse jener Barbarei, die den Traum von einem geeinten, zivilisierten Europa radikal zerstörte. Dem Protagonisten der Novelle, dem Anwalt Dr. B., ist zwar die rettende Flucht ins Exil gelungen. Doch bei der Überfahrt von New York nach Argentinien ist von einer Ankunft in einem sicheren Hafen nicht die Rede. Vielmehr wird Dr. B. von seinen traumatischen Wiener Erlebnissen überwältigt.

»Die Welt von Gestern« und die »Schachnovelle« stehen als exemplarische Werke des Exil-Autors Stefan Zweig im Zentrum der Ausstellung, für die zahlreiche Manuskripte, Typoskripte und persönliche Dokumente Zweigs aus amerikanischen und israelischen Archiven einbezogen werden konnten. Auch Teile der Autographensammlung, die Zweig Ende 1937 der Österreichischen Nationalbibliothek übereignete, sind hier erstmals zu sehen. Dankbarkeit Österreichs hat Zweig für seine Großzügigkeit nie erfahren – im Gegenteil: Seine Bücher wurden am 30. April 1938 auf dem Salzburger Residenzplatz vom nationalsozialistischen Mob verbrannt. In der Ausstellung ist dazu ein nach dem Krieg aufgenommenes Radiogespräch mit Zweigs erster Ehefrau Friderike, die später in den USA lebte, zu hören.

Die »Schachnovelle« ist die einzige Erzählung Zweigs, in der er zeitgenössische politische Verhältnisse darstellt. Mit den Szenen, die im ehemaligen Wiener Grand-Hotel »Métropole« spielen, hat Zweig den Opfern des Nationalsozialismus ein Denkmal gesetzt – in diesem beschlagnahmten Hotel hatte seit Ende März 1938 die Gestapo-Leitstelle Wien ihren Sitz. Ein großes Modell des »Métropole« wird in der Ausstellung gezeigt, und in Film- und Tonausschnitten berichten Rosa Grossmann und Bruno Kreisky stellvertretend für viele andere, die dort gefoltert und gedemütigt wurden, von ihren Erlebnissen.

Neben Ausschnitten aus dem 1960 produzierten Film »Schachnovelle« (mit Curd Jürgens und Mario Adorf) sind auch von Zweig benutzte Schachbücher, Teile der handschriftlich bearbeiteten Typoskripte und die ersten Buchausgaben der Erzählung zu sehen. In einem bewegenden brasilianischen Dokumentarfilm kommen noch Zeitzeugen Zweigs, darunter sein Verleger Abrahão Koogan, zu Wort.

Auch Zweigs Freundschaft mit Sigmund Freud, sein Engagement für die Gründung des europäischen PEN-Clubs in den USA, seine Hilfsbereitschaft für jüdische Flüchtlinge werden in der Ausstellung eindrucksvoll dokumentiert, die anlässlich des 75. Todestages Stefan Zweigs neu konzipiert wurde.

Im Begleitprogramm werden im August und Anfang September dienstags und donnerstags abends besondere Verfilmungen von Werken Stefan Zweigs in den Ausstellungsräumen gezeigt. Ab Mitte September wird das Programm mit Lesungen und Vorträgen fortgesetzt.

Eine Ausstellung des Theatermuseums Wien und des Stefan Zweig Zentrums Salzburg im Literaturhaus Berlin
27.7. bis 24.9.2017
Di – Fr: 14 – 19 Uhr
Sa, So: 11 – 19 Uhr
Kurator: Dr. Klemens Renoldner, Stefan Zweig Zentrum Salzburg
Gestaltung: Peter Karlhuber, Wien

In der Ausstellung erhältlich:
„Ich gehöre nirgends mehr hin“ Stefan Zweigs Schachnovelle, 2017
Hardcover, 19×24 cm, 80 S.
ISBN 978-3-900088-80-4
Zahlr. Abb., 17.- Euro

Literaturhaus Berlin
Fasanenstraße 23
10719 Berlin
Tel. 030/887286-0,
e-mail: literaturhaus@literaturhaus-berlin.de
website: http://www.literaturhaus-berlin.de/

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IM MEMORIAM JOOST ZWAGERMAN (1963 – 2015)

zwagerman12Joost Zwagerman (Alkmaar, 18 november 1963 – Haarlem, 8 september 2015) was een Nederlands schrijver, dichter, essayist en columnist. Hij heeft op 51-jarige leeftijd een eind aan zijn leven gemaakt.

Joost Zwagerman (Alkmaar, 1963 – Haarlem, 2015) debuteerde in 1986 op tweeëntwintigjarige leeftijd met de roman De houdgreep. Enkele jaren later bereikte Zwagerman met zijn romans Gimmick! (1989) en Vals licht (1991) een groot publiek.
In 1994 volgde De buitenvrouw (1994). Van deze drie romans zijn meer dan 200.000 exemplaren per titel verkocht. Op dit moment behoort Joost Zwagerman tot de meest gelezen schrijvers van zijn generatie. Zijn werk verscheen in vertaling in Duitsland, Frankrijk, Hongarije, Tsjechië en Japan.
Naast romans, verhalen en essays schreef Joost Zwagerman ook poëzie. Er zijn vijf dichtbundels van hem verschenen.

Onlangs verscheen het boek: De stilte van het licht. Schoonheid en onbehagen in de kunst, een mooie ingetogen bundel over beeldende kunst.
In het najaar van 2015 verschijnt nog een herdruk van zijn boek: Door eigen hand. Zelfmoord en de nabestaanden.
Van het werk van Joost Zwagerman zijn ruim 1,2 miljoen gexemplaren verkocht.

...zag jij misschien dat ik naar jou,
dat ik je zag en dat ik zag hoe jij
naar mij te kijken zoals ik naar jou
en dat ik hoe dat heet zo steels,
zo en passant en ook zo zijdelings –
dat ik je net zo lang bekeek tot ik
naar je staarde en dat ik staren bleef.
Ik zag je toen en ik wist in te zien
dat in mijn leven zoveel is gezien
zonder dat ik het ooit eerder zag:
dat kijken zoveel liefs vermag.

Joost Zwagerman

Proza
1986 – De Houdgreep, roman
1987 – Kroondomein, verhalen
1989 – Gimmick!, roman
1991 – Vals Licht, roman
1994 – De buitenvrouw, roman
1996 – Tomaatsj, novelle
1997 – Chaos en rumoer, roman
1998 – Het jongensmeisje, verhalen
2002 – Zes sterren, roman
2010 – Duel, Boekenweekgeschenk

Gedichten
1987 – Langs de doofpot, gedichten
1988 – De ziekte van jij, gedichten
1993 – De mooiste vrouw ter wereld, gedichten
2001 – Bekentenissen van de pseudomaan, gedichten
2005 – Roeshoofd hemelt, gedichten
2005 – Tot hier en zelfs verder. De vroege gedichten
2010 – Beeld verplaatst, gedichten bij kunstwerken van oa Erwin Olaf, Rineke Dijkstra, Marlene Dumas en Rob Scholte
2012 – De wereld is hier, een keuze uit de gedichten
2014 – Voor alles, gedichten

Non-fictie
1993 – Collega’s van God, essays
1993 – De kus van Michael Jackson, jeugdboek
1996 – In het wild, essays en kritieken
2000 – Pornotheek Arcadië, essays
2001 – Walhalla, essays
2001 – Landschap met klein vuil, columns
2003 – Het wilde westen, columns
2003 – Het vijfde seizoen, essays
2004 – Tussen droom en daad in Dubbelstad: Alkmaar in feit en fictie
2005 – Door eigen hand. Zelfmoord en de nabestaanden, essays en interviews
2006 – Perfect Day en andere popverhalen
2006 – Transito, essays
2007 – De schaamte voor links, pamflet
2007 – Hollands welvaren
2009 – Hitler in de polder & Vrij van God, pamflet
2011 – Alles is gekleurd, omzwervingen in de kunst
2012 – Kennis is geluk. Nieuwe omzwervingen in de kunst
2013 – Americana 1 & 2, Omzwervingen in de Amerikaanse cultuur
2015 – De Stilte van het Licht

Overige
2005 – De Nederlandse en Vlaamse literatuur vanaf 1880 in 250 verhalen, bloemlezing
2006 – De Nederlandse en Vlaamse literatuur vanaf 1880 in 60 lange verhalen, bloemlezing
2007 – De ontdekking van de literatuur. The Paris Review Interviews, bloemlezing
2008 – De Nederlandse en Vlaamse literatuur vanaf 1880 in 200 essays, bloemlezing
2009 – Het volmaakte kleine stukje, een keuze uit het werk van Kees Fens, bloemlezing
(Bron bibliografie: Wikipedia)

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