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Theodor Fontane

· Theodor Fontane: Einem Todten · Theodor Fontane: Alles still · Theodor Fontane: Im Garten · Theodor Fontane: O trübe diese Tage nicht · Theodor Fontane: Der echte Dichter (Wie man sich früher ihn dachte) · Theodor Fontane: Mein Herze, glaubt’s, ist nicht erkaltet · Theodor Fontane: Memento · Theodor Fontane: Das Fischermädchen · Theodor Fontane: Frühling

Theodor Fontane: Einem Todten

Theodor Fontane

(1819–1898)

 

Einem Todten

 

Zwei Jahre kaum, als heitre Träume scheuchten

Der Sorgen dunklen Schwarm aus Deiner Brust;

Du riefst: „Ade!“ ich sah Dein Auge leuchten,

Und fühlte Thränen doch das meine feuchten,

Ich war der ew’gen Trennung mir bewußt.

 

Mein armer Wilm, das Roth auf Deinen Wangen,

Es war das Kleid des frischen Lebens nicht,

Der Tod nur, sichrer Dich in’s Netz zu fangen,

Ließ Rosen blühn auf Deinem Angesicht.

 

Du sahst das Roß des Matadors sich bäumen,

Eh’ Deine Barke noch vom Ufer stieß, –

Gen Spanien ging’s, – Du durftest heiter träumen

Von duft’gen Mandel- und Kastanienbäumen,

Denn Deine Zukunft barg ein Paradies.

 

Doch statt vom Duft der Blüthen zu gesunden,

Hat Dich der Hauch des Todes angeweht,

Und ach, der Matador, den Du gefunden,

Als Sensenmann vor meiner Seele steht.

 

Ich sah ihn längst Dich Schritt vor Schritt bewachen,

Gleich einem Schatten Dir zur Seite gehn,

Behende sprang er mit Dir in den Nachen,

Und immer schien er höhnisch mir zu lachen,

So oft du riefst: „auf fröhlich Wiedersehn!“

 

Auf Wiedersehn! wann, Freund? statt Herzensfrieden

Hat ew’ge Ruh die Ferne Dir geschenkt,

Und in die Gruft, die Deinem Schmerz beschieden

Hat man Dich selber nun hinabgesenkt.

 

Schön ist das Leben! ach, man lernt es lieben

Recht innig erst, wenn man es meiden soll,

Doch in die weite Welt hinaus getrieben,

Wo fremd wie wir auch unser Herz geblieben,

Da wird der Tod uns doppelt qualenvoll.

 

Auf welcher Wange sahst Du Thränen glänzen?

Wer hat Dein brechend Auge zugedrückt?

Mein armer Wilm, mit Immortellenkränzen

Hat flücht’ges Mitleid nur Dein Grab geschmückt.

 

Was half es Dir, daß schöner dort die Rosen,

Und goldner selbst des Himmels Sterne glühn?

Nun gilt es gleich – ob rauhe Stürme tosen,

Ob linde Weste mit den Blumen kosen,

Mit Blumen, Freund, die Deinem Grab entblühn.

 

Du ruhtest besser wohl am heim’schen Strande,

Im Dünensand, wo Du zu ruhn geglaubt:

Ein Kuß der Liebe hätt’ im Vaterlande

Dem Tode seinen Stachel noch geraubt.

Doch jetzt, wo du den bittren Kampf bestanden,

 

Jetzt ruf ich: „Freund, wohl Dir! es ist vorbei.“

Schön ist das Leben, doch von tausend Banden,

Ob in der Heimath, ob in fremden Landen,

Macht erst der Tod die Menschenseele frei.

 

Mir löst die Pflicht, der strenge Kerkermeister,

Die Fessel nie, gleichviel ob Tag ob Nacht,

Und selbst von Deinem Grabeshügel reißt er

Mich unerbittlich, wenn der Tag erwacht.

 

Wilhelm Krause starb zu Malaga 1842.

 

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Theodor Fontane: Alles still

Theodor Fontane

(1819–1898)

 

Alles still

 

Alles still! Es tanzt den Reigen

Mondenstrahl im Wald und Flur,

Und darüber thront das Schweigen

Und der Winterhimmel nur.

 

Alles still! Vergeblich lauschet

Man der Krähe heisrem Schrei,

Keiner Fichte Wipfel rauschet

Und kein Bächlein summt vorbei.

 

Alles still! Die Dorfes-Hütten

Sind wie Gräber anzusehen,

Die, von Schnee bedeckt, inmitten

Eines weiten Friedhofs stehn.

 

Alles still! Nichts hör ich klopfen

Als mein Herz durch die Nacht; –

Heiße Tränen niedertropfen

Auf die kalte Winterpracht.

nach oben!

 

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Theodor Fontane: Im Garten

Theodor Fontane

(1819–1898)

 

Im Garten

 

Die hohen Himbeerwände

Trennten dich und mich,

Doch im Laubwerk unsre Hände

Fanden von selber sich.

Die Hecke konnt’ es nicht wehren,

Wie hoch sie immer stund:

Ich reichte dir die Beeren,

Und du reichtest mir deinen Mund.

Ach, schrittest du durch den Garten

Noch einmal im raschen Gang,

Wie gerne wollt’ ich warten,

Warten stundenlang.

 

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Theodor Fontane: O trübe diese Tage nicht

max liebermann

 

Theodor Fontane

(1819–1898)

 

O trübe diese Tage nicht

 

O trübe diese Tage nicht,

Sie sind der letzte Sonnenschein,

Wie lange, und es lischt das Licht,

Und unser Winter bricht herein.

Dies ist die Zeit, wo jeder Tag

Viel Tage gilt in seinem Wert,

Weil man’s nicht mehr erhoffen mag,

Daß so die Stunde wiederkehrt.

Die Flut des Lebens ist dahin,

Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,

Und sieh, es schleicht in unsern Sinn

Ein banger, nie gekannter Geiz;

Ein süßer Geiz, der Stunden zählt

Und jede prüft auf ihren Glanz,

O sorge, daß uns keine fehlt,

Und gönn uns jede Stunde ganz

 

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Theodor Fontane: Der echte Dichter (Wie man sich früher ihn dachte)

Theodor Fontane

(1819–1898)

 

Der echte Dichter

(Wie man sich früher ihn dachte)

 

Ein Dichter, ein echter, der Lyrik betreibt,

Mit einer Köchin ist er beweibt,

Seine Kinder sind schmuddlig und unerzogen,

Kommt der Mietszettelmann, so wird tüchtig gelogen,

Gelogen, gemogelt wird überhaupt viel,

»Fabulieren« ist ja Zweck und Ziel.

Und ist er gekämmt und gewaschen zuzeiten,

So schafft das nur Verlegenheiten,

Und ist er gar ohne Wechsel und Schulden

Und empfängt er pro Zeile ‘nen halben Gulden

Oder pendeln ihm Orden am Frack hin und her,

So ist er gar kein Dichter mehr,

Eines echten Dichters eigenste Welt

Ist der Himmel und – ein Zigeunerzelt.

 

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Theodor Fontane: Mein Herze, glaubt’s, ist nicht erkaltet

Theodor Fontane

(1819–1898)

 

Mein Herze, glaubt’s, ist nicht erkaltet

 

Mein Herze, glaubt’s, ist nicht erkaltet,

Es glüht in ihm so heiß wie je,

Und was ihr drin für Winter haltet,

Ist Schein nur, ist gemalter Schnee.

Doch, was in alter Lieb’ ich fühle,

Verschließ ich jetzt in tiefstem Sinn,

Und trag’s nicht fürder ins Gewühle

Der ewig kalten Menschen hin.

Ich bin wie Wein, der ausgegoren:

Er schäumt nicht länger hin und her,

Doch was nach außen er verloren,

Hat er an innrem Feuer mehr.

 

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Theodor Fontane: Memento

theodor fontane by max liebermann

 

Theodor Fontane

(1819–1898)

 

Memento

 

Geliebte, willst du doppelt leben,

So sei des Todes gern gedenk

Und nimm, was dir die Götter geben,

Tagtäglich hin wie ein Geschenk.

Mach dich vertraut mit dem Gedanken,

Daß doch das Letzte kommen muß,

Und statt in Trübsinn hinzukranken,

Wird dir das Dasein zum Genuß.

Du magst nicht länger mehr vergeuden

Die Spanne Zeit in eitlem Haß,

Du freust dich reiner deiner Freuden

Und sorgst nicht mehr um dies und das.

Du setzest an die rechte Stelle

Das Hohe, Göttliche der Zeit,

Und jede Stunde wird dir Quelle

Gesteigert neuer Dankbarkeit.

 

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Theodor Fontane: Das Fischermädchen

Theodor Fontane

(1819–1898)

 

Das Fischermädchen

 

Steht auf sand’gem Dünenrücken

Eine Fischerhütt’ am Strand;

Abendrot und Netze schmücken

Wunderlich die Giebelwand.

Drinnen spinnt und schnurrt das Rädchen,

Blaß der Mond ins Fenster scheint,

Still am Herd das Fischermädchen

Denkt des letzten Sturms und – weint.

Und es klagen ihre Tränen:

»Weit der Himmel, tief die See,

Doch noch weiter geht mein Sehnen,

Und noch tiefer ist mein Weh.«

 

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Theodor Fontane: Frühling

Theodor Fontane

(1819–1898)

 

Frühling

 

Nun ist er endlich kommen doch

In grünem Knospenschuh;

“Er kam, er kam ja immer noch”,

Die Bäume nicken sich’s zu.

 

Sie konnten ihn all erwarten kaum,

Nun treiben sie Schuss auf Schuss;

Im Garten der alte Apfelbaum,

Er sträubt sich, aber er muss.

 

Wohl zögert auch das alte Herz

Und atmet noch nicht frei,

Es bangt und sorgt: “Es ist erst März

Und März ist noch nicht Mai.”

 

O schüttle ab den schweren Traum

Und die lange Winterruh:

Es wagt es der alte Apfelbaum,

Herze, wag’s auch du.

 

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