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Friedrich Nietzsche

· Stefan George: Nietzsche · Friedrich Wilhelm Nietzsche: Idyllen aus Messina. Die kleine Hexe · Friedrich Nietzsche: Das nächtliche Geheimniss · Friedrich Nietzsche: Dichters Berufung · Friedrich Nietzsche: Am Gletscher · Friedrich Nietzsche: An die Deutschen Esel

Stefan George: Nietzsche

Stefan George

(1868-1933)

 

Nietzsche

 

Schwergelbe wolken ziehen überm hügel

Und kühle stürme – halb des herbstes boten

Halb frühen frühlings … Also diese mauer

Umschloss den Donnerer – ihn der einzig war

Von tausenden aus rauch und staub um ihn?

Hier sandte er auf flaches mittelland

Und tote stadt die lezten stumpfen blitze

Und ging aus langer nacht zur längsten nacht.

 

Blöd trabt die menge drunten · scheucht sie nicht!

Was wäre stich der qualle · schnitt dem kraut!

Noch eine weile walte fromme stille

Und das getier das ihn mit lob befleckt

Und sich im moderdunste weiter mästet

Der ihn erwürgen half sei erst verendet!

Dann aber stehst du strahlend vor den zeiten

Wie andre führer mit der blutigen Krone.

 

Erlöser du! selbst der unseligste –

Beladen mit der wucht von welchen losen

Hast du der sehnsucht land nie lächeln sehn?

Erschufst du götter nur um sie zu stürzen

Nie einer rast und eines baues froh?

Du hast das nächste in dir selbst getötet

Um neu begehrend dann ihm nachzuzitten

Und aufzuschrein im schmerz der einsamkeit.

 

Der kam zu spät der flehend zu dir sagte:

Dort ist kein weg mehr über eisige felsen

Und horste grauser vögel – nun ist not:

Sich bannen in den Kreis den liebe schliesst..

Und wenn die strenge und gequälte stimme

Dann wie ein loblied tönt in blaue nacht

Und helle flut – so klagt: sie hätte singen

Nicht reden sollen diese neue seele!

 

Stefan George, Aus der Sammlung Zeitgedichte

kempis.nl poetry magazine

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Friedrich Wilhelm Nietzsche: Idyllen aus Messina. Die kleine Hexe

Friedrich Wilhelm Nietzsche

(1844-1900)

 

Idyllen aus Messina

Die kleine Hexe

 

So lang noch hübsch mein Leibchen,

Lohnt sichs schon, fromm zu sein.

Man weiss, Gott liebt die Weibchen,

Die hübschen obendrein.

Er wird’s dem art’gen Mönchlein

Gewisslich gern verzeihn,

Dass er, gleich manchem Mönchlein,

So gern will bei mir sein.

 

Kein grauer Kirchenvater!

Nein, jung noch und oft roth,

Oft gleich dem grausten Kater

Voll Eifersucht und Noth!

Ich liebe nicht die Greise,

Er liebt die Alten nicht:

Wie wunderlich und weise

Hat Gott dies eingericht!

 

Die Kirche weiss zu leben,

Sie prüft Herz und Gesicht.

Stäts will sie mir vergeben: –

Ja wer vergiebt mir nicht!

Man lispelt mit dem Mündchen,

Man knixt und geht hinaus

Und mit dem neuen Sündchen

Löscht man das alte aus.

 

Gelobt sei Gott auf Erden,

Der hübsche Mädchen liebt

Und derlei Herzbeschwerden

Sich selber gern vergiebt!

So lang noch hübsch mein Leibchen,

Lohnt sich’s schon, fromm zu sein:

Als altes Wackelweibchen

Mag mich der Teufel frein!

 

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Friedrich Nietzsche: Das nächtliche Geheimniss

Friedrich Nietzsche

(1844-1900)

 

Das nächtliche Geheimniss

Gestern Nachts, als Alles schlief,
Kaum der Wind mit ungewissen
Seufzern durch die Gassen lief,
Gab mir Ruhe nicht das Kissen,
Noch der Mohn, noch, was sonst tief
Schlafen macht – ein gut Gewissen.

Endlich schlug ich mir den Schlaf
Aus dem Sinn und lief zum Strande.
Mondhell war’s und mild – ich traf
Mann und Kahn auf warmem Sande,
Schläfrig beide, Hirt und Schaf: –
Schläfrig stiess der Kahn vom Lande.

Eine Stunde, leicht auch zwei,
Oder war’s ein Jahr? – da sanken
Plötzlich mir Sinn und Gedanken
In ein ew’ges Einerlei,
Und ein Abgrund ohne Schranken
That sich auf: – da war’s vorbei! –

Morgen kam: auf schwarzen Tiefen
Steht ein Kahn und ruht und ruht – –
Was geschah? so riefs, so riefen
Hundert bald – was gab es? Blut? –
Nichts geschah! Wir schliefen, schliefen
Alle – ach, so gut! so gut!

 

Friedrich Nietzsche poetry

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Friedrich Nietzsche: Dichters Berufung

Friedrich Nietzsche

(1844-1900)

 

Dichters Berufung

Als ich jüngst, mich zu erquicken,
Unter dunklen Bäumen sass,
Hört’ ich ticken, leise ticken,
Zierlich, wie nach Takt und Maass.
Böse wurd’ ich, zog Gesichter, –
Endlich aber gab ich nach,
Bis ich gar, gleich einem Dichter,
Selber mit im Tiktak sprach.

Wie mir so im Verse-Machen
Silb’ um Silb’ ihr Hopsa sprang,
Musst’ ich plötzlich lachen, lachen
Eine Viertelstunde lang.
Du ein Dichter? Du ein Dichter?
Steht’s mit deinem Kopf so schlecht?
– “Ja, mein Herr, Sie sind ein Dichter”
Achselzuckt der Vogel Specht.

Wessen harr’ ich hier im Busche?
Wem doch laur’ ich Räuber auf?
Ist’s ein Spruch? Ein Bild? Im Husche
Sitzt mein Reim ihm hintendrauf.
Was nur schlüpft und hüpft, gleich sticht der
Dichter sich’s zum Vers zurecht.
– “Ja, mein Herr, Sie sind ein Dichter”
Achselzuckt der Vogel Specht.

Reime, mein’ ich, sind wie Pfeile?
Wie das zappelt, zittert, springt,
Wenn der Pfeil in edle Theile
Des Lacerten-Leibchens dringt!
Ach, ihr sterbt dran, arme Wichter,
Oder taumelt wie bezecht!
– “Ja, mein Herr, Sie sind ein Dichter”
Achselzuckt der Vogel Specht.

Schiefe Sprüchlein voller Eile,
Trunkne Wörtlein, wie sich’s drängt!
Bis ihr Alle, Zeil’ an Zeile,
An der Tiktak-Kette hängt.
Und es giebt grausam Gelichter,
Das dies – freut? Sind Dichter – schlecht?
– “Ja, mein Herr, Sie sind ein Dichter”
Achselzuckt der Vogel Specht.

Höhnst du, Vogel? Willst du scherzen?
Steht’s mit meinem Kopf schon schlimm,
Schlimmer stünd’s mit meinem Herzen?
Fürchte, fürchte meinen Grimm! –
Doch der Dichter – Reime flicht er
Selbst im Grimm noch schlecht und recht.
– “Ja, mein Herr, Sie sind ein Dichter”
Achselzuckt der Vogel Specht.

Friedrich Nieetzsche Gedichte

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Friedrich Nietzsche: Am Gletscher

Friedrich Nietzsche

(1844-1900)

 

Am Gletscher

Um Mittag, wenn zuerst
Der Sommer in’s Gebrige steigt,
Der Knabe mit den müden, heißen Augen:
Da spricht er auch,
Doch sehen wir sein Sprechen nur.
Sein Athem quillt wie eines Kranken Athem quillt
In Fieber-Nacht.
Es geben Eisgebirg und Tann’ und Quell
Ihm Antwort auch,
Doch sehen wir die Antwort nur.
Denn schneller springt vom Fels herab
Der Sturzbach wie zum Gruß
Und steht, als weiße Säule zitternd,
Sehnsüchtig da.
Und dunkler noch und treuer blickt die Tanne,
Als sonst sie blickt
Und zwischen Eis todtem Graugestein
Bricht plötzlich Leuchten aus — —
Solch Leuchten sah ich schon: das deutet mir’s. —

Auch todten Mannes Auge
Wird wohl noch Ein Mal licht,
Wenn harmvoll ihn sein Kind
Umschlingt und hält und küßt:
Noch Ein Mal quillt da wohl zurück
Des Lichtes Flamme, glühend spricht
Das todte Auge: ‘Kind!
Ach Kind, du weißt, ich liebe dich!’ —
Und glühend redet Alles–Eisgebirg
Und Bach und Tann —
Mit Blicken hier das selbe Wort:
‘Wir lieben dich!
Ach Kind, du weißt, wir lieben, lieben dich!’

Und er,
Ker Knabe mit den müden heißen Augen,
Er küßt sie harmvoll,
Inbrünst’ger stets,
Und will nicht gehn;
Er bläst sein Wor wie Schleier nur
Von seinem Mund,
Sein schlimmes Wort
‘mein Gruß ist Abschied,
mein Kommen Gehen,
ich sterbe jung.’

Da horcht es rings
Und athmet kaum:
Kein Vogel singt.
Da überläuft
Es schaudernd, wie
Ein Glitzern, das Gebirg.
Da denkt es rings —
Und schweigt — —

Um Mittag war’s,
Um Mittag, wenn zuerst
Der Sommer ins Gebirge steigt,
Der knabe mit den müden heißen Augen.


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Friedrich Nietzsche: An die Deutschen Esel

Friedrich Nietzsche

(1844-1900)

 

An die Deutschen Esel

Dieser braven Engeländer
Mittelmäßige Verständer
Nehmt ihr als ‘Philosophie’?
Darwin neben Goethe setzen
Heißt: die Majestät verletzen —
majestatem Genii!

Aller mittelmäßigen Geister
Erster-das sei ein Meister,
Und vor ihm auf die Knie!
Höher ihn herauf zu setzen
Heißt – – –

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